Eishockey-Nati
So gehen die Schweizer WM-Silberhelden mit der bitteren Finalniederlage um

Den Weltmeistertitel hauchdünn verpasst. Wie die Schweizer Nationalspieler und ihr Headcoach Patrick Fischer mit der bitteren Finalniederlage (2:3 nach Penaltyschiessen) gegen Schweden umgehen.

Marcel Kuchta
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Silberhelden: Wie sich die Schweizer-Nati fühlt und wer ihnen gratuliert hat.

Silberhelden: Wie sich die Schweizer-Nati fühlt und wer ihnen gratuliert hat.

KEYSTONE/SALVATORE DI NOLFI

Was soll man als Trainer seinen Spielern erzählen, die eben wohl eine der härtesten Niederlagen in ihren Sportlerkarrieren erlitten haben? Diese undankbare Aufgabe hatte der Schweizer Nationalcoach Patrick Fischer nach der bitteren WM-Final-Niederlage gegen Schweden (2:3 nach Penaltyschiessen), als er in die Garderobe kam. «Du siehst in all die traurigen Gesichter, hast selbst nicht die beste Laune und musst etwas erzählen. Du kannst dich in so einem Moment einfach nur bedanken, für die Leistung, das Vertrauen, den Einsatz, das Bekenntnis zur Mannschaft.»

So reagieren prominente Schweizerinnen und Schweizer auf den Vizeweltmeistertitel der Eisgenossen:

Alain Berset, Bundespräsident «Unser Team hat Berge versetzt und beherzt gekämpft. Bravo!»
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Steffi Buchli, TV-Moderatorin «Morgen – oder übermorgen – werden sie stolz sein!»
Matthias Aebischer, Nationalrat «Dennoch. Gratulation!»
Nevin Galmarini, Olympiasieger «Schweizer Mut und Power in der Offensive waren mega cool!»
Simon Schenk, Ex-Nationaltrainer «Es ist eine junge Garde am Werk, die einen unerhörten Drive entwickelt.»
Christian Wasserfallen, Nationalrat «Neeeein! So schade! Trotzdem eine Top-Leistung unserer Hockey-Boys!»
Caroline Rominger, Golferin «Gratulation zur Silbermedaille. Bravo Bravo Bravo. Wir sind stolz auf euch!»
Benjamin Steffen, Degenfechter «Was für ein Spiel!!»
Christa Markwalder, Nationalrätin «So genial gespielt und gekämpft. Penalties sind am Schluss Zufälle.»
Matthias Sempach, Schwinger «Herzliche Gratulation dem ganzen Team zur grossartigen Leistung.»

Alain Berset, Bundespräsident «Unser Team hat Berge versetzt und beherzt gekämpft. Bravo!»

Keystone

Der eloquente Patrick Fischer fand auch in einem schwierigen Moment mal wieder die richtigen Worte. Und wurde beinahe ein wenig sentimental, als er sagte: «Die Jungs gaben alles für die Schweiz. Mit dieser Einstellung inspirieren sie, so hoffe ich zumindest, die Kinder in unserem Land. Diese Generation von Spielern macht aus, dass sie an sich glaubt. Meine Generation konnte das noch nicht, wir hinkten immer hinterher. Heute können wir mit den Besten mithalten, das ist schön und macht Spass.»

Die allgegenwärtige, verpasste Chance

Es waren versöhnliche Voten, die Fischer zu später Stunde in kleiner Runde von sich gab. Der «wahnsinnige Stolz» auf das, was seine Spieler im Verlauf des Turniers geleistet hatten, war mit jeder Faser seines Körpers spürbar. «Hinter dieser Medaille stecken wahnsinnig viele schöne Momente und Emotionen. Das ist, was im Leben zählt und was man mitnimmt. Ob man Weltmeister oder Vize-Weltmeister wird, das ist das eine. Der ganze Weg dahin das andere. Es war ein ganz spezielles Team. Ich habe noch selten so viel Spass gehabt in einer Eishockey-Mannschaft.»

Die Final-Highlights der Eishockey-WM:

Diese Mannschaft war eine halbe Stunde vorher mit hängenden Köpfen durch die Mixed-Zone getrottet. Das, was die Spieler zu erzählen hatten, ähnelte sich. Allgegenwärtig das Bedauern über die verpasste Chance. Dass man einmal mehr den Schweden, die schon im WM-Final 2013 zum Stolperstein für die Schweizer geworden waren, beim Bejubeln des WM-Titels zuschauen musste.

Apropos Schweden

«Die Bilder, die sich nach dem Ende auf dem Eis abgespielt haben, taten weh. Umso mehr, weil wir so nah dran waren», sagte der überragende Goalie Leonardo Genoni. «Es ist eine riesige Leere im Moment. Wir waren so nah dran und du weisst nie, wann du wieder so weit kommst. Im Moment haben wir überhaupt nicht im Kopf, Silber gewonnen zu haben», befand Stürmer Simon Moser.

Apropos Schweden: Die Schweizer liessen es sich trotz des Finalfrusts nicht nehmen, den Abschluss des WM-Turniers in einem Klub in der Kopenhagener Innenstadt zu feiern. Und staunten nicht schlecht, als wenig später die Spieler des Weltmeisters genau an demselben Ort mit dem Bus vorfuhren.

So wurde die Schweizer Eishockey-Nati empfangen:

Captain Raphael Diaz gibt Interviews.
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Nino Niederreiter klatscht ab.
Reto Schaeppi gibt Autogramme.
Kevin Fiala ebenfalls.
Diaz geniesst das Bad in der Menge.
Enzo Corvi macht die Welle.
Leonardo Genoni.
Roman Josi.
Es folgen weitere Bilder vom Empfang der Schweizer Eishockey-Nati.
Empfang Schweizer Eishockey-Nati
Simon Moser.
Trainer Patrick Fischer.
Die Swiss-Maschine mit den Schweizer Eishockeyanern wurde bei der Ankunft abgeduscht.
"Wahrscheinlich das beste Team der Welt."
Raphael Diaz strahlt aus dem Flieger.
Teamfoto.
Auf dem roten Teppich werden Fischer und Co. begrüsst.
Hunderte Fans sind gekommen, um die Eishockey-Nati am Zürcher Flughafen zu begrüssen.
Gespannt warteten sie vor der Ankunft auf die Silber-Helden.

Captain Raphael Diaz gibt Interviews.

Melanie Duchene

Entsprechend verhalten war die Festlaune des Verlierers. Kein Vergleich jedenfalls zu der Party, die vor fünf Jahren beim Gewinn der WM-Silbermedaille in Stockholm über die Bühne ging. Damals war die Freude über den Exploit allgegenwärtig gewesen. Diesmal überwog die Enttäuschung über die verpasste Chance deutlich.

Die Medaillen blieben im Hosensack

Der Rückflug in die Schweiz mit einer Chartermaschine der Swiss verlief ebenso vergleichsweise unspektakulär. Keine Spur von der ausgelassenen Stimmung, die 2013 bei der Rückkehr in die Schweiz geherrscht hatte. Eine Gratulation des Captains, Empfang mit Wasserfontänen in Kloten. Das war alles schön und recht. Aber eben kein Trost für die geschlagenen Schweizer Helden.

Jubelnder Empfang für das Schweizer Eishockey Team:

Die Silbermedaillen blieben beim einen oder anderen Spieler im Hosensack. «Ich werde nicht gerne Zweiter. Wenn ich realisiert habe, was wir erreicht haben, kann ich sie dann wieder hervornehmen», sagte Genoni beim offiziellen Empfang in Glattbrugg. Etwa 4000 Fans waren gekommen, um die Nationalmannschaft herzlich willkommen zu heissen.

Timo Meier im Interview nach dem WM-Final:

«Es ist extrem bitter»

Im offenen Doppeldecker fuhren die «Eisgenossen» direkt vom Flughafen herkommend auf dem Festgelände vor. Sie winkten bei der Präsentation auf der Bühne artig in die Menge, Captain Raphael Diaz bedankte sich für den Support. Die Silberhelden machten mit bei der «Welle», verteilten schliesslich bereitwillig Autogramme oder standen für Selfies zur Verfügung.

Aber über allem schwebte das Gefühl der Enttäuschung. Wie sehr hatten sich die Spieler gewünscht, sich an diesem Pfingstmontag als Weltmeister feiern zu lassen. Und wie knapp hatten sie das Ziel verpasst. «Mega cool, was hier abgeht. Das schätze ich sehr. Wenn ich aber das Resultat ändern könnte, würde ich das tun. Es ist extrem bitter. Die Enttäuschung ist immer noch da, aber dieser Empfang ist ein kleiner Trost. Am Schluss ist es ein zweiter Platz, und nicht das, was wir wollten», sagte Berns Stürmer Tristan Scherwey.

Der WM-Final Schweiz vs Schweden:

Es war so knapp: Die Schweiz verliert im Penaltyschiessen gegen Schweden.
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Impressionen vom WM-Final Schweiz vs Schweden
Bittere Momente: Die Schweizer müssen am WM-Pokal vorbei.
Von Sportminister Guy Parmelin erhalten sie die Silbermedaillen.
Die Schweden dagegen feiern den WM-Triumph.
Mikael Backlund mit dem Pokal.
Wichtiger Moment für die Schweden: Filip Forsberg trifft beim Penaltyschiessen zum 2:1. Danach vergibt die Schweiz die letzte Chance zum Ausgleich.
Kevin Fiala bringt den Puck nicht an Schwedens Goalie Anders Nilsson vorbei - es bleibt beim 2:2. Die Verlängerung bringt keine Entscheidung.
Der Schweizer Chefcoach Patrick Fischer.
Adrian Kempe jubelt über den 2:2-Ausgleich der Schweden im zweiten Drittel.
Die Schweden jubeln nach dem Ausgleich zum 2:2 im zweiten Drittel.
Die Schweiz geht im zweiten Drittel abermals in Führung: Timo Meier skort zum 2:1.
Nino Niederreiter (Zweiter von links) jubelt nach seinem Tor zum 1:0 (16:38).
Die Schweden feiern den 1:1 von Nyquist im ersten Drittel (17:54).
Szene aus dem ersten Drittel: Der Schwede Adrian Kempe scheitert gegen Leonardo Genoni.
Schwedens Viktor Arvidsson #33 verpasst das Tor. Im Bild auch Filip Forsberg #79, Timo Meier #28 und Goalie Leonardo Genoni und Verteidiger Michael Fora #45.
Simon Moser im Kampf um den Puck gegen Magnus Paajarvi.
Mirco Müller und Tristan Scherwey gegen Patric Hornqvist.
Szene aus dem ersten Drittel: Schwedens Goalie Anders Nilsson hält seinen Kasten sauber gegen Nino Niederreiter.

Es war so knapp: Die Schweiz verliert im Penaltyschiessen gegen Schweden.

SALVATORE DI NOLFI

Patrick Fischers Bilanz

Womit wir noch einmal auf Patrick Fischers WM-Bilanz zurückkommen. Der Mann, der nach der missglückten Olympia-Mission im Februar arg in die Kritik geraten war, verlor auch angesichts des WM-Medaillengewinns nicht das Augenmass: «Gegen Deutschland verloren wir in Pyeongchang in der Verlängerung, dann waren wir die Deppen. Jetzt wird die Mannschaft hochgejubelt, weil sie in den Final vorgestossen ist. Wir sind aber weder Deppen noch Helden, sondern ehrliche Arbeiter mit einem grossen Sportlerherz.»

Die Arbeiter mit dem Sportlerherz verabschiedeten sich nach dem Empfang in alle Himmelsrichtungen. Mit einer grossen Portion Wehmut im Gepäck. Aber auch im Wissen, dass sie der Sportnation Schweiz viel Freude bereitet haben. Auch wenn sich diese Erkenntnis bei den geknickten Silberhelden erst in ein paar Wochen breitmachen wird.

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