Als im Medienraum die Blätter mit den Mannschafts-Formationen verteilt werden, reiben sich die Boshaften unter den Chronisten die Hände. Denis Hollenstein, der Sohn des geschassten Trainers Felix Hollenstein, ist für dieses erste Spiel unter dem neuen Trainer Sean Simpson nicht aufgeführt.

Heiliger Bimbam! Der Baum brennt in Kloten! Der Bub protestiert mit seiner Absenz gegen die Entlassung seines Vaters. Aber die Vorfreude auf ein bisschen vorweihnachtliche Polemik ist verfrüht. Denis Hollenstein, noch am Wochenende Held mit der Nationalmannschaft, ist bloss verletzt. Um alle Spekulationen zu beenden, informieren die Kloten Flyers für einmal im Falle einer Verletzung ausführlich. «Eine Zerrung des rechten Sprunggelenkes. Zugezogen im ersten Training unter Sean Simpson.» Denis Hollenstein wird zwei bis drei Wochen fehlen.

Es hätte nicht sein sollen

Und so gibt es keine aufregende Geschichte hinter dem Spiel. Es bleibt nur die sachliche, sportliche, unaufgeregte Analyse. Hätte Felix Hollenstein gestern die Klotener in diese 2:4-Niederlage gecoacht, so würden wir jetzt sagen, es werde langsam Zeit aber sicher Zeit für einen Trainerwechsel. Die Niederlage war nämlich keineswegs zwingend und hätte womöglich durch schlaues Coaching vermieden werden können. Eine bis weit ins Mitteldrittel hinein zu passive Spielweise und Undiszipliniertheiten (Jim Vandermeers Restausschluss nach einem Foul gegen Mathieu Tschantré bescherte Biel das 2:0) führten scheinbar in den Untergang.

Biel Captain schied mit einer Gehirnerschütterung aus. Aber die Klotener kehrten ins Spiel zurück. Sie kämpften nach diesem Rückstand wie „Desperados“ mit dem Mute der Verzweiflung. Sie glichen aus, holten die Initiative zurück und hätten, so wie diese Partie gelaufen ist, eigentlich gewinnen müssen. Aber am Ende stand eben doch eine Niederlage. Ausgerechnet gegen die Mannschaft, die Kloten am Trennstrich zu den Playoffs am härtesten bedrängt. Die unumstössliche Wahrheit steht oben auf der Resultattafel. 4:2 für Biel.

Es gibt noch viel zu tun

Nichts Neues also in Kloten. Auch nicht unter dem neuen Cheftrainer Sean Simpson. Bloss dass jetzt alles natürlich viel teurer ist. Den Trainerwechsel von Felix Hollenstein zu Sean Simpson hat Präsident und Besitzer launig so erklärt: Die Mannschaft sei ihm vorgekommen wie eine Skischule, die bei der Abfahrt den Skilehrer nicht mehr gesehen habe. Daran hat sich vorerst noch nicht viel geändert. Im Laufe der Abfahrt ist auch gestern der Sichtkontakt zum Skilehrer verloren gegangen. Bloss dass der Skilehrer noch teurer geworden ist und zusätzlich auch als Skilager-Leiter fungiert – Sean Simpson ist ja nicht nur Trainer. Er amtiert auch als Sportchef.

Simpson ist auch nur ein Mensch

Aber es ist ja noch nicht aller Abend. Was ein Trainer zu bewirken vermag, kann nicht nach einem Training, einem Warm-Up, einem Spiel und einer Niederlage beurteilt werden. Aber eines ist sicher: In einer so ausgeglichenen Liga kann selbst Sean Simpson, der mehrfache Meister, der Sieger in der Champions Hockey League, der Triumphator über die Chicago Black Hawks, der WM-Silberschmied alleine durch seine Präsenz an der Bande keine Wunder bewirken.

Von Napoléon hiess es einst, alleine seine Gegenwart auf dem Schlachtfeld entspreche mindestens dem Wert von 40 000 gut bewaffneten und ausgebildeten Soldaten aus. Sean Simpson ist ein grossartiger Hockeycoach. Aber offensichtlich kein Hockey-Napoléon. Hoffentlich war gestern für Simpson nicht schon 1812 - um beim Bild von Napoléon zu bleiben.