Es ist ein wunderbarer Herbsttag. Die Landschaft rund um Davos leuchtet in den schönsten Farben. Es sind Tage wie diese, an denen Shane Prince denkt, er sei im Paradies gelandet. «Ich habe mich, bevor ich hierher nach Davos gekommen bin, natürlich schlaugemacht, was mich erwartet. Aber jetzt, da ich hier bin und es mit meinen eigenen Augen sehe, bin ich erst recht fasziniert», schwärmt der US-Amerikaner. Er habe gewusst, dass die Schweiz ein schönes Land sei. «Aber es hat nun meine Erwartungen sogar übertroffen.»

Der Schritt nach Europa

Natürlich ist der 25-Jährige primär nicht wegen der schönen Umgebung nach Davos gekommen. Aber, der Lebensstandard in der Schweiz hat bei seiner Entscheidungsfindung durchaus eine Rolle gespielt.

Ein Spieler in seinem Alter, der die vergangenen drei Jahre in der NHL gewirkt hat (139 Spiele, 15 Tore, 27 Assists für die Ottawa Senators und die New York Islanders), überlegt sich einen Wechsel nach Übersee gründlich.

Schliesslich geht es für ihn im Hinterkopf auch darum, dereinst wieder in der besten Liga der Welt spielen zu können: «Natürlich ist der Schritt nach Europa für mich von grosser Bedeutung. Es dauerte ein paar Monate, ehe ich wirklich wusste, was ich will», sagt der Flügelstürmer.

Shane Prince erklärt seinen Wechsel so: «Ich möchte wieder so spielen können, wie es meinem Talent entspricht. Deshalb entschied ich mich für die Schweiz und den HCD.»

Shane Prince erklärt seinen Wechsel so: «Ich möchte wieder so spielen können, wie es meinem Talent entspricht. Deshalb entschied ich mich für die Schweiz und den HCD.»

Prince hatte, nachdem sich die weitere Zusammenarbeit mit seinem letzten Arbeitgeber, den New York Islanders zerschlug, Angebote aus Nordamerika und anderen europäischen Ligen auf dem Tisch, unterschrieb aber schliesslich beim HCD. Der Vertrag läuft vorerst eine Saison.

Im kommenden Sommer haben beide Seiten die Möglichkeit, eine Option für eine Verlängerung zu ziehen. Shane Prince sagt: «Nach meiner letzten Saison, die von Verletzungen geprägt war, suchte ich eine Rolle, in der ich viel zum Einsatz komme und wo ich meine Stärken ausspielen kann. Ich möchte wieder so spielen können, wie es meinem Talent entspricht. Deshalb entschied ich mich für die Schweiz und den HC Davos.»

Ohne Verletzungen wohl in der NHL

Prince, der 2011 in der zweiten Runde von den Ottawa Senators gedraftet worden war und in der höchsten kanadischen Juniorenliga zu den besten Skorern gehörte, weiss, dass seine Karriere vermutlich einen anderen Verlauf genommen hätte, wenn er in seinem Vertragsjahr bei den Islanders nicht vom Verletzungspech (Fussoperation) verfolgt gewesen wäre. «Gut möglich, dass ich ohne die Verletzungen immer noch in der NHL spielen würde», sagt er, betont aber im gleichen Atemzug: «Das hier in Davos ist keine Notlösung für mich.»

Prince weiss, dass schon andere Spieler vor ihm in der Schweiz einen erfolgreichen Anlauf genommen haben, ihre Karrieren in Nordamerika frisch zu lancieren. Zum Beispiel Cory Conacher, der in der Saison 2015/16 mit dem SC Bern Meister wurde und inzwischen bei den Tampa Bay Lightning mehr oder weniger zum Einsatz gekommen ist. Oder Tom Pyatt, der von 2014 bis 2016 bei Servette spielte und bei den Ottawa Senators wieder Stammspieler ist.

Einige Spielzüge von Shane Prince mit den NY Islanders

Die Stärken von Shane Prince sind offensichtlich: Er ist schnell, wendig, torgefährlich und mit einer herausragenden Stocktechnik gesegnet. Sein «Tor-Näschen» bewies er in den Testspielen einige Male auf eindrückliche Art und Weise. Und er ist ein Spieler, der perfekt zum Spielstil von HCD-Trainerlegende Arno Del Curto passt.

Del Curto spricht von einem «Glücksgriff» und schwärmt über die Qualitäten seines neuen Imports. Prince selber fand Gefallen an dem, was er bisher von seinem neuen Coach hörte: «Ich mag es, wie er uns spielen lassen will. Mit viel Tempo und direktem Zug aufs Tor. Das entspricht meiner Art, zu spielen. Deshalb passt es perfekt für mich hier in Davos.»

Fischen im Trüben

Dass ein Spieler vom Kaliber eines Shane Prince in der Schweiz landet, ist nicht selbstverständlich. Die Suche nach gutem, ausländischem Personal gleicht für die NLA-Sportchefs oft auch ein wenig dem berühmten «Fischen im Trüben». Der Transferteich ist zwar voller Fische. Aber man weiss nicht, was am Ende wirklich anbeisst.

Und, ob der Fisch dann auch tatsächlich schmeckt, wenn er auf dem Teller liegt. Funktioniert ein Spieler, der beispielsweise in der strukturierten schwedischen Eliteliga zu den Topskorern gehörte, auch in der Schweiz? Kann ein Spieler, der in der NHL während Jahren als Defensivstürmer agierte, in der NLA plötzlich eine offensive Hauptrolle spielen?

Kommt dazu, dass die Konkurrenz auf dem Markt gross ist. Die Klubs der russisch geprägten Kontinental Hockey League (KHL) locken die Söldner seit geraumer Zeit mit hohen Löhnen (die aber dann nicht immer bezahlt werden). Trotzdem bleibt die Schweiz eine der präferierten Destinationen des ausländischen Personals.

Casey Wellman und Matt Gilroy, die beiden neuen Söldner von Aufsteiger Rapperswil, wechselten aus der KHL an den malerischen Zürichsee – und sind selbstredend begeistert über die neue Umgebung.

Dabei spielt nicht nur die ausgezeichnete Lebensqualität eine Rolle – auch wenn dies von den Neuankömmlingen unablässig betont wird. Die schönen Berge im herbstlichen Licht sind gut und recht. Aber letztlich zählt auch das, was am Ende des Monats auf dem Kontoauszug steht.