Kontinuität war eine der wichtigsten Voraussetzungen beim Aufstieg der Schweiz zur Weltspitze. Ralph Krueger führte die Nationalmannschaft ab der WM 1998 bis zum olympischen Turnier 2010 in Vancouver.

Seither führt Sean Simpson das Team. Einmal erreichte er die WM-Viertelfinals (2010/0:1 gegen Deutschland). Zweimal blieb er bereits in den Gruppenspielen hängen (2011 und 2012). Einmal erreichte er das WM-Finale (2013) und wurde Trainer des Jahres. Zuletzt schied er mit dem Nationalteam beim olympischen Turnier in Sotschi im Achtelfinale (1:3 Lettland) aus.

Im Herbst schien noch alles in Ordnung

Noch im letzten Herbst schien alles in bester Ordnung. Beide Seiten hatten sich mündlich auf eine Verlängerung des auslaufenden Vertrages um vier Jahre bis und mit der Olympiasaison 2018 im grossen und ganzen geeinigt. Aber dann scheiterten die Verhandlungen schliesslich doch noch an Details. Bereits in Sotschi hatte Sean Simpson entnervt durchblicken lassen, dass er den Vertrag wohl nicht verlängern wird (diese Zeitung berichtete). Genau das ist nun passiert.

Wer sich auf die Suche nach den Gründen macht, wird bald einmal fündig. Sean Simpson ist, wie alle grossen Hockeytrainer, eine starke, eigenwillige und nicht einfach zu führende Persönlichkeit. Mit einem der erfolgreichsten Trainer des internationalen Hockeys kann man nicht gleich umspringen wie mit dem Büropersonal. Könnte man das, wäre er kein grosser Trainer. Wer charismatisches Führungspersonal wie Sean Simpson beschäftigt, muss akzeptieren können, dass dieser Trainer grösser und wichtiger ist als der Präsident, der Vizepräsident, der CEO oder der Direktor - oder ihm wenigstens dieses Gefühl geben.

Bundesamt für Hockeywesen

Um es salopp zu sagen: Sean Simpson ist für unseren Verband zu gross geworden. Um es bösartig zu formulieren: Unter Präsident Marc Furrer, dem ehemaligen Direktor des Bundesamtes für Kommunikation, und Sportdirektor Ueli Schwarz, einem ehemaligen Gewerbeschullehrer, ist aus dem Verband in gewisser Weise ein Bundesamt für Hockeywesen geworden. Mit Sean Simpson sind nach der Silber-WM weder Präsident Marc Furrer, noch sein Vize Pius-David Kuonen, noch Verbands-CEO Florian Kohler noch Verbandsdirektor Ueli Schwarz noch Nationalmannschaftsdirektor Peter Lüthi klar gekommen. Daran ändert das nach aussen inszenierte beste Einvernehmen nichts.

Nach der wundersamen Silber-WM 2013 genoss die Verbandsführung richtigerweise „silberne Immunität". Kritik gehörte sich nicht. Als die Verhandlungen mit Sean Simpson zu stocken begannen, zeigte sich mehr und mehr, dass Marc Furrer und seiner Entourage die Sensibilität und auch die Gelassenheit und Selbstironie für diese heikle Aufgabe fehlen. Zumal sich Sean Simpson immer wieder durch den Spieleragenten Daniel Giger, einem ehemaligen Spieler aus Simpsons Zuger Zeiten vertreten liess - auch Giger ist eine eigenwillige Persönlichkeit.

Frostiges Klima

Nach der Silber-WM 2013 haben sich Sean Simpson und die Verbands-Generäle auseinandergelebt. Das Klima ist intern immer frostiger geworden und während des olympischen Turniers in Sotschi fühlte sich der Nationaltrainer oft recht einsam. Nach einem WM- oder Olympiaturnier ist es seit Menschengedenken üblich, dass sich der Trainer am nächsten Tag, wenn die Emotionen überschlafen sind, den Medien zur Verfügung stellt.

In Sotschi aber isolierte die Delegationsleitung den Nationaltrainer nach dem Ausscheiden gegen Lettland und liess verkünden, Medienkontakte seien nicht mehr möglich. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar: Die Zeit von Sean Simpson als Nationaltrainer wird bald zu Ende gehen. Gestern hat Sean Simpson nun im kleinen Kreis bestätigt, dass er den auslaufenden Vertrag nicht mehr verlängert.