Wer hätte das gedacht? Die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft steht an der WM in Dänemark im Halbfinal! Dort treffen die «Eisgenossen» am Samstagabend (19.15 Uhr) auf die Kanadier. Auch dort werden sie der grosse Aussenseiter sein.

Doch spätestens nach der Vorstellung im Viertelfinal gegen Finnland steht fest: Diese Mannschaft kann jeden Gegner schlagen. Für diese Mannschaft ist der Himmel die Grenze.

Erster Pflichtspiel-Sieg gegen Finnland seit 1988

Um diesen Sieg noch einmal in einen historischen Kontext zu stellen: Es ist der erste Pflichtspielerfolg gegen Finnland seit den Olympischen Spielen 1988. Und der erste WM-Sieg seit 1972. Es ist erst das vierte Mal seit 1992, dass die Schweiz in einem WM-Halbfinal steht. Was die ausserordentliche Leistung dieser Mannschaft noch einmal unterstreicht. Ja, es ist ein Wunder.

Was die Schweizer gegen die Finnen zeigten, den Sieger der Herning-Gruppe, das war schon sehr stark. Vor allem das zweite Drittel war etwas vom Besten, wenn nicht das Beste, was es je von unserer Eishockey-Nationalmannschaft zu sehen gab. Innerhalb von vier Minuten verwandelten die Schweizer einen 0:1-Rückstand in eine 3:1-Führung. In diesen 20 Minuten wussten die favorisierten Finnen bisweilen kaum mehr, wie ihnen geschah.

Gala-Vorstellung im Mitteldrittel

Die Treffer von Enzo Corvi, Joel Vermin und Grégory Hofmann waren die logische Konsequenz dieser Gala-Darbietung. Die Schweizer schafften es im Stile einer Klassemannschaft, die klaren Feldvorteile auch auf das Resultatblatt umzusetzen. «Wir mussten nach einem schwierigen ersten Drittel erst unseren Mut finden. Ich sagte den Jungs, dass sie ihre Beine mehr bewegen müssen. Das haben sie sehr gut umgesetzt. Und dann gab uns der erste Treffer den nötigen Schwung», beschrieb Patrick Fischer den Wendepunkt der Partie.

Genonis starker Auftritt

Das letzte Drittel wurde – wie so oft gegen absolute Klassemannschaften– zur Zitterpartie. Die Schweiz agierte etwas passiver und abwartender. Aber bis auf Mikko Rantanens Powerplaytreffer liessen die Schweizer kein Gegentor mehr zu. Dazu brauchten sie ein wenig Glück, hatten aber mit Leonardo Genoni, der den Vorzug gegenüber dem zuletzt angeschlagenen Reto Berra erhalten hatte, einen sehr sicheren Rückhalt im Tor.

Genoni brachte seine Kritiker mit einer tadellosen Vorstellung zum schweigen. «Ich bin sehr glücklich für Leo», so Fischer, der ausserdem das Unterzahlspiel seiner Mannschaft lobte. «Leider hatten wir keine Gelegenheit, unser Powerplay unter Beweis zu stellen», sagte er mit Blick auf die 0 in der Strafenbilanz der Finnen.

Die Party darf noch weiter gehen

Das war letztlich aber nicht mehr von Belang. «Ich bin so glücklich für meine Jungs», freute sich Patrick Fischer, während im Hintergrund laute Schlagersongs aus der Garderobe der Schweizer zu hören waren. «Die Stimmung in der Mannschaft ist super. Wir feiern hier in Dänemark eigentlich seit zwei Wochen eine Party.»

Nach dem Geschmack des Nationaltrainers und der Schweizer Fans darf sie ruhig noch ein wenig länger gehen. Die Leistung gegen Finnland hat jedenfalls gezeigt, dass mit dieser Mannschaft nun alles möglich ist.

Jetzt spielen die Schweizer am Wochenende in Kopenhagen also um eine Medaille. Wie 2013 in Stockholm, als man im Halbfinal die USA 3:0 besiegte und dann im Final mit 1:5 gegen Gastgeber Schweden scheiterte. Diesmal warten nicht die Amerikaner in der Vorschlussrunde, sondern die Kanadier. Man darf sich auf dieses Duell freuen. Auch das Wunder von Kopenhagen ist möglich.

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