Eishockey-WM
Schweizer Eishockeyteam mit souveräner Viertelfinal-Qualifikation – folgt jetzt die Kür?

Die Schweiz erreicht das Minimalziel WM-Viertelfinal dank Mut, Geschwindigkeit und Vertrauen. Am Donnerstag wartet mit Finnland im Viertelfinal aber ein anderes Kaliber als Frankreich. Die Vorzeichen versprechen nichts Gutes - 30 Jahre ist es her, seit die Schweizer die Finnen an einem Titelturnier besiegen konnten. Gelingt nun in Dänemark eine Überraschung?

Marcel Kuchta
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Die Schweizer Fans in Kopenhagen haben allen Grund zum Jubeln: Die Schweiz steht im WM-Viertelfinal.
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Jubel bei der Schweiz über den 5:1-Sieg und die Viertelfinalqualifikation.
Der Schweizer Verteidiger Mirco Müller (l.) vor dem eigenen Tor im Zweikampf mit dem Franzosen Antonin Manavian.
Der Schweizer Fan-Block in der Arena in Kopenhagen.
Die Schweizer Fans in Kopenhagen haben allen Grund zum Jubeln: Die Schweiz steht im WM-Viertelfinal.
Timo Meier (r.) behält auch auf den Knien die Oberhand.
Nino Niederreiter scheitert unmittelbar vor dem zwischenzeitlichen 2:0 der Schweizer am französischen Torhüter Hardy.
Die Schweizer feiern das 3:0 durch Roman Untersander im Powerplay.
Der Schweizer Sven Andrighetto ist seinem französischen Gegenspieler einen Schritt voraus.
Nino Niederreiter wird von der französischen Defensive in die Mangel genommen.
Enzo Corvi (l.) bringt die Schweiz gegen Frankreich mit 2:0 in Führung.
Schweizer Jubel nach dem Treffer zum 2:0.
Impressionen aus der Partie Schweiz vs. Frankreich
Gregory Hofmann feiert seinen Treffer zur 1:0-Führung für die Schweiz.
Der Schweizer Stürmer Nino Niederreiter (3.v.l.) kämpft vor dem französischen Tor um den Puck.

Die Schweizer Fans in Kopenhagen haben allen Grund zum Jubeln: Die Schweiz steht im WM-Viertelfinal.

Keystone

Einer nach dem anderen trat hervor zwischen den Abschrankungen. Die Schweizer Spieler, frisch geduscht und gekleidet in elegantem Jackett, weissem Hemd sowie beiger Hose, wurden von einer Traube Schweizer Fans empfangen.

Die Schweizer Fans umringen Berns Tristan Scherwey.

Die Schweizer Fans umringen Berns Tristan Scherwey.

KU

Die hatten auch eine Stunde nach dem Ende der entscheidenden Partie gegen Frankreich geduldig für ihre Lieblinge ausgeharrt, um noch ein Autogramm oder ein Selfie zu erhaschen. Die Schweizer Spieler erfüllten die Wünsche geduldig und mit einem Lächeln im Gesicht.

Im Wissen, dass sie mit einem klaren und nie gefährdeten 5:1-Sieg im letzten Gruppenspiel das gesteckte Minimalziel an diesem Turnier, den Einzug in die Viertelfinals, erreicht hatten.

Einzug in den Viertelfinal ist nicht selbstverständlich

Am Donnerstag warten nun die Finnen am Zweitspielort Herning als Gegner. Doch die waren in diesen Momenten für Fans und Spieler noch weit weg. Erst einmal galt es, den Moment zu geniessen. Sich zu freuen, dass die Schweiz zum zweiten Mal in Serie an einer Eishockey-WM den Einzug in die Viertelfinals geschafft hat.

In Reih und Glied der Nationalhymne lauschend: Die Schweizer nach dem 5:1-Sieg gegen Frankreich.

In Reih und Glied der Nationalhymne lauschend: Die Schweizer nach dem 5:1-Sieg gegen Frankreich.

Müller/Freshfocus

Etwas, was zuletzt 2007 sowie 2008 gelang und zeigt, dass dieser neuerliche Sprung unter die besten acht Teams für die Schweizer alles andere als selbstverständlich ist. «Ich bin stolz auf das Team, welches bisher ein gutes Turnier gespielt hat. Jetzt haben wir als Lohn die Viertelfinal-Qualifikation erreicht», freute sich Nationaltrainer Patrick Fischer.

Genugtuung für Patrick Fischer

Gerade ihm, der nach dem missglückten Olympia-Auftritt der Schweizer arg in die Kritik geraten war, tat das Erreichen des Minimalziels sichtlich gut. Für Fischer bedeutet es vor allem, dass er seiner Arbeit während des bis zur WM 2020 in der Schweiz laufenden Vertrags nun etwas gelassener nachgehen kann.

Erleichterter Patrick Fischer nach der geschafften Viertelfinal-Qualifikation.

Erleichterter Patrick Fischer nach der geschafften Viertelfinal-Qualifikation.

KEYSTONE/SALVATORE DI NOLFI

Ein neuerliches Scheitern, dazu noch in einem Spiel gegen einen Aussenseiter wie Frankreich, hätte das positive Gesamtbild dieser WM arg getrübt und vieles infrage gestellt. So durfte Fischer sagen: «Wir wussten, dass wir dieses Spiel gewinnen müssen. Aber die Mannschaft ist von Anfang an sehr gut umgegangen mit diesem Druck. Jeder erledigte seinen Job, das war eine reife Leistung. Klar, das war kein Russland auf der anderen Seite, aber auch gegen solche Gegner musst du zuerst gewinnen.»

Die unerwartete Goalierochade

Die Mannschaft liess sich auch nicht von der Goalierochade, die Patrick Fischer im Hinblick auf das Frankreich-Spiel vornehmen musste, aus der Ruhe bringen. Reto Berra, der sich mit seinen Leistungen im Turnierverlauf als Torhüter Nummer eins herauskristallisiert hatte, musste am Tag vor dem Frankreich-Spiel angeschlagen Forfait geben.

Leonardo Genoni: Stand bis jetzt eher im Schatten von Reto Berra. Gegen Frankreich zeigte Genoni aber eine tadellose Leistung.

Leonardo Genoni: Stand bis jetzt eher im Schatten von Reto Berra. Gegen Frankreich zeigte Genoni aber eine tadellose Leistung.

HO

Für den zukünftigen Fribourg-Goalie kam der zuletzt verunsichert wirkende Leonardo Genoni zum Einsatz. Der Keeper des SC Bern erwies sich aber als ausgezeichneter Rückhalt, der die durchaus vorhandenen, guten Chancen der Franzosen zunichtemachte.

Mit seiner Performance hat sich Genoni damit auch wieder ins Rennen gebracht für einen Einsatz im Viertelfinal, wo der Schweizer Goalie eine Schlüsselrolle spielen wird gegen die offensiv unglaublich starken Finnen.

Finnland ist kein Lieblingsgegner

Man kann nicht behaupten, dass Finnland zu den Lieblingsgegnern der Schweizer gehört. Der letzte Pflichtsieg gegen die Nordländer liegt 30 Jahre zurück (siehe Kasten). Aber trotzdem bietet sich den Fischer-Boys nach der Erfüllung der Pflicht nun die Chance, zur Kür anzusetzen.

In der Gruppenphase zog man gegen die drei «grossen» Teams Tschechien (4:5 nach Pen.), Schweden (3:5) und Russland (3:4) dreimal den Kürzeren. Aber Patrick Fischer betont: «Wir waren gegen diese Teams immer dran und haben mit Ausnahme von zwei Dritteln gegen die Schweden immer gut ausgesehen. Jetzt bietet sich uns die Chance gegen Finnland. Dort müssen wir während der ganzen Spielzeit konzentriert Hockey spielen. Hinten sicher und gegen vorne wie bisher mit viel Mut, Geschwindigkeit und Vertrauen agieren.»

Das Kür-Rezept wäre also bekannt.

30 Jahre ist es her...

... seit eine Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft letztmals an einem Titelturnier gegen den Viertelfinalgegner Finnland gewonnen hat. 1988 an den Olympischen Winterspielen in Calgary besiegte die Schweiz die Finnen damals als krasser Aussenseiter 2:1.

Den letzten Sieg an einer WM gab es 1972 (3:2). Immerhin: Die letzten beiden WM-Duelle 2014 und 2017 entschieden die Finnen jeweils erst im Penaltyschiessen und in der Verlängerung zu ihren Gunsten.