Baders Werdegang ist kein alltäglicher. Schon im Alter von 23 Jahren lancierte er beim Zürcher SC seine Karriere als Profitrainer. Er war wohl der Jüngste, der diesen Schritt gewagt hat, wie er selber sagt. In den ersten Lehrjahren, das erste noch in der NLB, wechseln seine Chefs beim ZSC praktisch im Jahresrhythmus. Sechs Headcoaches erlebte er in fünf Jahren. Bader hatte als Assistent und Nachwuchschef stets das Glück, dass er bleiben durfte.

Mischung aus Del Curto, Jursinow und Krueger

Bader lernte in dieser Zeit viel. Es entstanden Freundschaften, die bis heute andauern. Mit Arno Del Curto, der 1991 in Zürich seinen ersten NLA-Job antrat, tauscht er sich heute noch aus. "Wir teilen die gleiche Hockey-Philosophie", sagt Bader, dessen präferierter Spielstil dem "schnellen und druckvollen Eishockey* des mehrfachen HCD-Meistertrainers ähnelt. Wie Del Curto arbeitet Bader gerne mit jungen Spielern zusammen. Zwischen 1996 bis 2009 betreute er im Schweizer Verband verschiedene Juniorenauswahlen. In dieser Zeit lernte er von Ralph Krueger viel bezüglich der Führung eines Nationalteams.

Seine Sporen als Cheftrainer verdiente sich Bader ab 1994 beim 1.-Liga-Klub Uzwil ab. Er erarbeitete sich einen guten Ruf als Ausbildner. Unter seiner Führung schafften in sieben Jahren etwa ein Dutzend Spieler den Sprung in die Nationalliga A, unter ihnen der spätere Schweizer Rekord-Nationalspieler Mathias Seger. Baders Amtszeit in Uzwil endete 2001 mit dem Gewinn des Amateurmeistertitels.

Nach dem Titelgewinn wechselte Bader zu den Kloten Flyers und wurde Assistent von Wladimir Jursinow. Der Russe habe ihn vor allem in seiner Denkweise über die Spieler-Entwicklung stark beeinflusst, sagt Bader über seinen damaligen Chef. "Jursinow ist ein Weltklasse-Trainer." Als der mehrfache Weltmeister Ende 2004 in Kloten entlassen wurde, musste auch Bader seine Koffer packen. Es zog ihn in die Westschweiz, wo er bei Fribourg-Gottéron während knapp zwei Saisons dem Kanadier Mike McParland assistierte.

Danach kehrte Bader mit seiner Familie in die Deutschschweiz zurück, an seine alte Wirkungsstätte nach Uzwil. Diesen Schritt bezeichnet er im Nachhinein als Fehler. "Wenn man an einem Ort Erfolg gehabt hat, sollte man nicht wieder dorthin zurückkehren", so seine Erkenntnis. Seine zweite Amtszeit in der einstigen Ostschweizer Talentschmiede dauerte nochmals sechs Jahre. "Vor allem die letzten beiden Saisons waren geprägt von vielen Enttäuschungen, auch im zwischenmenschlichen Bereich." Kurz vor Schluss einer turbulenten Saison 2012/2013, die mit dem Abstieg in die 2. Liga endete, wurde Bader entlassen.

Suhonen als Türöffner

Der gelernte Maschinenbauingenieur ging fortan neue Wege. Als Quereinsteiger unterrichtete er an einer Informatikschule in St. Gallen in Teilzeit Mathematik. Ziemlich unverhofft erhielt Bader eines Tages einen Anruf von Alpo Suhonen. Der Finne, einst Baders erster Chef im ZSC, suchte als Verbandsdirektor in Österreich einen Ausbildungschef und einen Trainer für die Junioren-Nationalteams. Suhonen erinnerte sich an Bader und stellte ihn 2014 ein. "Er war der erste Trainer, der mich inspiriert hat. Für mich hat sich mit diesem Engagement sozusagen ein Kreis geschlossen", sagt Bader über seinen Türöffner in Österreich.

Zwei Jahre später stieg Bader interimistisch zum Nationaltrainer auf und schaffte mit Österreich im letzten Frühling überraschend den Aufstieg in die höchste Division. Seine Verdienste wurden mit einer Festanstellung bis 2020 belohnt. Oft fällt im Nachbarland der Vergleich mit seinem Landsmann Marcel Koller. Bader wird in Anlehnung an den früheren österreichischen Fussball-Nationaltrainer von den Medien als "Eishockey-Koller" bezeichnet.

"Als Aufsteiger krasser Ausseneiter"

Als Nächstes hat sich Bader den Klassenerhalt an der WM in Dänemark zum Ziel gesteckt. Das wird kein einfaches Unterfangen, sind doch die beiden Aufsteiger in den letzten zehn Jahren umgehend wieder abgestiegen. Dessen ist sich Bader bewusst: "Als Aufsteiger bist du krasser Aussenseiter. Wir wissen, dass wir herausragen müssen, um oben zu bleiben.“

Beim Gedanken an seine erste A-WM kommt bei ihm grosse Vorfreude auf. "Ich freue mich zu zeigen, dass wir als Aufsteiger hierher gehören." Dass Bader im Startspiel in Kopenhagen ausgerechnet auf die Schweiz trifft, ist für ihn "natürlich speziell". "Aber es muss ein Spiel wie jedes andere sein. Ich muss meine Emotionen ausblenden", sagt der 53-Jährige, der während des Jahres zwischen seinem Wohnsitz Kloten und seiner zweiten Heimat Wien pendelt.

Sein Sohn Thierry, der in Zukunft für Davos tätig sein wird, spielte zuletzt in Kloten. Entsprechend nah ist dem Vater der Abstieg seines früheren Arbeitgebers in die Swiss League gegangen. "Das letzte Spiel habe ich mir während eines Vorbereitungsturniers in Russland im Internet angeschaut. Natürlich habe ich mitgelitten und danach schlecht geschlafen."

Das gleiche Szenario will Bader mit dem österreichischen Nationalteam verhindern. Ein guter WM-Start gegen die Schweiz wäre natürlich hilfreich. Einen Resultat-Tipp wollte sich Bader aber nicht entlocken lassen. "Ich hoffe, dass wir gut spielen und das Wettkampfglück auf unserer Seite haben. Der Bessere soll gewinnen", sagt er typisch schweizerisch.