Eishockey
SCB-Meistertrainer Lars Leuenberger: «Die Saison war die Hölle, aber ich gehe mit einem reinen Gewissen»

Lars Leuenberger ist erst der zweite Schweizer Meistertrainer der Playoff-Ära. Trotzdem muss er den SC Bern verlassen. «Ich gehe mit einem reinen Gewissen», sagt er, der bereits als Assistent und als Spieler mit dem SCB Meister wurde.

Marcel Kuchta und Etienne Wuillemin
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SCB-Trainer Lars Leuenberger hält den Meisterpokal hoch und lässt sich von der Menschenmenge auf dem Bundesplatz feiern.

SCB-Trainer Lars Leuenberger hält den Meisterpokal hoch und lässt sich von der Menschenmenge auf dem Bundesplatz feiern.

Keystone/PETER KLAUNZER

Was hat Ihr Bruder Sven Leuenberger Ihnen in der Kindheit Schlimmes angetan?
Lars Leuenberger: Nichts! Warum meinen Sie?
Er hat im letzten November seinen Job als Sportchef geopfert, damit Sie Cheftrainer werden konnten.
Er hat als Kind jeweils das Gemüse gegessen, das ich nicht wollte – ich stehe also eher in der Schuld (lacht). Es ist wahnsinnig, was er in dieser Situation für mich machte. Ich wollte das zuerst nicht, aber er sagte immer wieder: «Du musst!» Am Anfang hatte ich Mühe, ihm in die Augen zu schauen. Stellen Sie sich das vor: Er war zehn Jahre lang General Manager, ist zehn Jahre lang in der Garderobe ein und aus gegangen. Von einem Tag auf den anderen durfte er das nicht mehr, sondern nur noch zuschauen. Und wegen mir musste er darauf verzichten. Das wollte ich nicht.
Wie haben Sie es geschafft, mit sich selber wieder ins Reine zu kommen?
Es waren intensive, teilweise traurige Gespräche. Ich wollte wissen, warum er das für mich tut. Seine Antwort war immer: «Ich will das so.» Ich habe Leute in der SCB-Organisation erlebt, die geheult haben, als er sich zurückzog. Und ich bin dagestanden und dachte: «Mist, jetzt bin ich schuld am ganzen Schlamassel.» Das ist nicht einfach. Aber die Zeit heilt viele Wunden. Man gewöhnt sich daran. Wobei es Ende April, wenn ich den SCB verlasse, sicher noch einmal schmerzhaft wird für uns beide.
Können Sie nachvollziehen, warum Marc Lüthi damals das Brüderpaar Leuenberger als Headcoach/Sportchef um jeden Preis verhindern wollte?
Vom Fachwissen her wäre das für Marc kein Problem gewesen. Aber es war aus politischen Gründen nicht möglich. Bei uns ist es oft so: top oder ein Flop. Entweder wird man gemocht oder eben nicht. Gegen uns gab es immer Vorbehalte. Vielleicht wegen unseres Ostschweizer Dialekts. Ich weiss es nicht. Aber ich kann Marc verstehen. Wenn es mit uns beiden nicht geklappt hätte, dann wäre auch er in Teufels Küche geraten.

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