Eishockey

SC Bern holt den Cup-Sieg: Die Kloten Flyers kamen zu oft zu spät

Der SC Bern holt mit einem 3:1 gegen die Kloten Flyers den Cupsieg. Das Spiel bot sportlich keine Feinkost, aber die tolle Atmosphäre verlieh diesem Spiel eine besondere Würze.

Die Unterhaltung war vorzüglich. Zumindest vor dem Spiel. Sogar Verschwörungstheoretiker sind beim ersten Cup-Final seit 1973 auf die Rechnung gekommen. Der Teambus der Kloten Flyers ist im Gubrist-Tunnel stecken geblieben. Mehrere Unfälle und Rauchentwicklung führen zu einem Mega-Stau. Die Spieler müssen aussteigen, durch den Notausgang den Tunnel verlassen. Bald können sie wieder einsteigen und es geht weiter Richtung Bern und nach Wangen sorgt eine Polizei-Eskorte für zügige Fahrt. Woher kam der Rauch? Hatte Armin Meier, der tüchtige Chef der Agentur, die den Cup veranstaltet, eine Rauchpetarde zünden lassen, um noch einmal auf allen Kanälen Werbung für «sein» Endspiel zu machen? Natürlich nicht. Aber die Meldung vom blockierten Teambus macht am Vorabend die Runde durch alle Medien. Am Ende ist es gar nicht so schlimm. Die Zürcher treffen um 19:04 Uhr in Bern ein – rund 45 Minuten später als geplant. Deshalb beginnt die Partie mit einer viertelstündigen Verspätung um 20.30 Uhr.

Nach dem Cup-Sieg lässt sich der SC Bern von seinen Fans feiern: Zuschauer-Video aus der Berner Postfinance-Arena.

Nach dem Cup-Sieg lässt sich der SC Bern von seinen Fans feiern: Zuschauer-Video aus der Berner Postfinance-Arena.

Die Kloten Flyers sind dann auch auf dem Eis meistens zu spät gekommen. Bereits nach 24 Minuten ist mit dem 3:0 alles vorbei und der SCB steht zum zweiten Mal in seiner Geschichte (nach 1965) als Cup-Sieger fest. Fortan braust eigentlich vor allem Jubel auf, wenn ein bisschen gerauft oder auf dem grossen Videowürfel ein Pärchen von der Kamera erfasst, in ein grosses Herz gebeamt wird und sich zu küssen hat. Der Werbegag eines Hauptsponsors.

Der doppelte Silber-Schmied

Wenn schon auf dem Videowürfel geschmust wird, dann gehört sich auch, dass die Verlierer getröstet werden. Für die Klotener und für Trainer Sean Simpson gibt es am Schluss einen netten Trostpreis. Eine Silbermedaille für den Final-Verlierer. Der Kanadier ist nun ein doppelter Silber-Schmied. Silber hat es für ihn ja bereits nach dem verlorenen WM-Final von 2013 in Stockholm gegeben. Dort stand auch Martin Gerber im Tor. Nun ist Sean Simpson auch der Silber-Schmied von Bern. Und wer will, kann auch noch erwähnen, dass dem Titan Martin Gerber ein Hattrick gelungen ist: Als erster Schweizer Goalie hat er drei verschiedene Finals verloren. Die Stanley Cup-Finals von 2003 und 2007, den WM-Final von 2013 und nun eben unseren Cup-Final von 2015. Haben wir gestern grosses Hockey gesehen? Nein, ganz und gar nicht. Die Kloten Flyers waren eine Nummer zu klein. So wie das halt im Normalfall ist, wenn der NLA-Leader gegen den 10. der Tabelle spielt. Es war gut inszeniertes aber langweiliges Alltagshockey im Sonntagsgewand des Kommerz und des Spektakels. Der Auftakt war gar festlich: Erst der Berner Marsch für den SCB.

Tram, Tram, trädiri, Mueter, morn mues g’chüelet si. Träm, räm, trädiri, Rösti u Späck im Häfeli

Anschliessend die Nationalhymne. Die SCB-Zuschauer singen mit, aber die vaterlandslosen Gesellen im Fansektor der Kloten Flyers stören die Feierstunde und singen ihre Fansongs. Später zünden sie auch noch verbotenerweise Pyros.

Auch fürs Spiel gilt: Gly isch g’chüelet gsi. Aber wir sollten uns davor hüten, den SCB-Sieg gering zu schätzen. Die psychologische Wirkung des gestrigen Triumphes ist nicht zu unterschätzen. Zum ersten Mal in seiner Karriere hat SCB-Trainer Guy Boucher im Erwachsenenhockey einen Titel errungen. Wir wissen jetzt, dass er Meister werden kann.

Matchtelegramm:

Bern - Kloten Flyers 3:1 (1:0, 2:0, 0:1)

PostFinance-Arena, Bern. - 17'131 Zuschauer (ausverkauft). - SR Kurmann/Massy, Fluri/Kaderli. - Tore: 19. Holloway (Plüss) 1:0. 23. (22:17) Moser (Ritchie) 2:0. 24. (23:10) Scherwey 3:0. 50. Leone (Stancescu, Dupont) 3:1. - Strafen: 1mal 2 Minuten gegen Bern, 4mal 2 Minuten gegen die Kloten Flyers.

Bern: Bührer; Jobin, Furrer; Beat Gerber, Blum; Krueger, Gragnani; Flurin Randegger; Bertschy, Plüss, Scherweys; Rüfenacht, Gardner, Joensuu; Holloway, Ritchie, Moser; Pascal Berger, Reichert, Alain Berger; Loichat.

Kloten Flyers: Martin Gerber; von Gunten, Back; Dupont, Vandermeer; Schelling, Frick; Gian-Andrea Randegger; Guggisberg, Bieber, Bodenmann; Lemm, Mueller, Hollenstein; Stancescu, Liniger, Leone; Casutt, Kellenberger, Bühler; Praplan.

Bemerkungen: Bern ohne Kobasew (verletzt), Cloutier, Kreis und Müller (alle überzählig), Kloten Flyers ohne Jenni, Murray, Santala, Stoop und Andersson (alle verletzt). Bertschy mit Hüftverletzung ausgeschieden (31.). Lemm verletzt ausgeschieden (55.). Timeout Kloten Flyers (58:14). Kloten Flyers von 57:38 bis 58:04 und ab 58:13 ohne Torhüter.

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