Wenn es dumm läuft, dann ist Roman Josis zweiter Auftritt an dieser Weltmeisterschaft bereits sein letzter. Nämlich dann, wenn die Schweiz heute Mittag (12.15 Uhr) ihr letztes Gruppenspiel gegen Frankreich verliert und gleichzeitig die Slowaken ihren Pflichtsieg gegen Absteiger Weissrussland einfahren.

Es wäre der zweite Rückschlag für den Berner innerhalb von wenigen Tagen. In der Nacht auf letzten Freitag war er mit seinen Nashville Predators im NHL-Viertelfinal an den Winnipeg Jets gescheitert. Es war ein bitterer Moment für den Captain der Predatoren, die mit 117 Punkten die beste Regular Season aller 31 NHL-Teams absolviert hatten.

Gegen Schweden noch mit überschaubarem Einfluss

Nun will Roman Josi seine Saison, die lange Zeit so vielversprechend verlief, wenigstens mit einem Höhepunkt in der Nationalmannschaft beenden. Darum haben er und sein Nashville-Teamkollege Kevin Fiala kurz nach dem Playoff-Out die Reise-Strapazen auf sich genommen, um der Schweizer Nationalmannschaft in Kopenhagen zu helfen.

Roman Josi (rechts) hatte in seinem ersten Spiel an der WM in Dänemark gegen die Schweden noch wenig Einfluss.

Roman Josi (rechts) hatte in seinem ersten Spiel an der WM in Dänemark gegen die Schweden noch wenig Einfluss.

Schon am Abend des Ankunftstags standen die beiden NHL-Verstärkungen im Spiel gegen Schweden (3:5) auf dem Eis – mit überschaubarem Einfluss. «Ich habe wegen der Reise nicht so viel geschlafen. Während des Spiels habe ich mich eigentlich gut gefühlt, habe aber natürlich noch sehr viel Potenzial gegen oben. Es ist gut, kann ich vor dem Spiel gegen die Franzosen zwei Nächte Schlaf nachholen», ist der 27-Jährige guten Mutes, dass er gegen Frankreich schon fast wieder auf seinem gewohnten Level agieren wird.

Gegen Frankreich im Powerplay

Auch Nationaltrainer Patrick Fischer wird Josi, der gegen die Schweden im Powerplay noch nicht zum Zug und auf knapp 20 Minuten Eiszeit kam, gegen die Franzosen mehr Auslauf gewähren. «Angesichts der Umstände, war ich mit den Leistungen von Kevin und von Roman gegen die Schweden sehr zufrieden. Aber es war gut, konnten wir sie am Montag in ein Training integrieren und vor allem im Powerplay einige Situationen einstudieren», sagt Fischer.

Auch der Schweizer Nationalcoach weiss, dass es oft heikel ist, neue Spieler in ein funktionierendes Kollektiv zu integrieren, ohne dass bestehende Automatismen darunter leiden. Zumal im Falle von Kevin Fiala und von Roman Josi noch eine weitere Dimension dazukommt: die Erwartungshaltung. Die Mannschaft wurde mit den beiden Nashville-Cracks noch einmal «aufgepimpt». Was dazu führt, dass gewissen Beobachtern der Sinn für die Realität bisweilen etwas abhandenkommt.

Immer noch eine kleine Nummer

Die Schweizer sind jetzt personell sicher so gut besetzt wie vermutlich noch nie in ihrer WM-Geschichte. Aber im Vergleich zur Konkurrenz aus Schweden, Russland, Kanada, Finnland oder den USA ist man immer noch eine kleine Nummer.

Roman Josi will eine schlussendlich enttäuschende Saison in der NHL mit einem guten Ergebnis an der WM in Dänemark retten.

Roman Josi will eine schlussendlich enttäuschende Saison in der NHL mit einem guten Ergebnis an der WM in Dänemark retten.

Auch Roman Josi ist von seiner Persönlichkeit her kein Freund davon, dass man ihn auf einen Sockel stellt und quasi als Messias, der die Mannschaft nun im Alleingang zu einer Medaille führt, betitelt. Er ist ein Star, der keiner sein will. «Die Mannschaft hat auch ohne mich sehr gut funktioniert. Deshalb ist es für mich am wichtigsten, dass ich mich möglichst schnell integriere und die Rolle, die mir der Coach gibt, so gut wie möglich ausfülle.»

Noch besteht Absturzgefahr

Natürlich wolle er, der als Captain der Nashville Predators in der besten Liga der Welt eine Leaderfigur ist, auch in der Nationalmannschaft seine Führungsrolle wahrnehmen. «Auf der anderen Seite muss man aber auch sehen, dass es in unserer Mannschaft so viele gute Spieler gibt, die in ihren Teams alle eine Leaderfunktion haben.»

Gegen Frankreich zählt so oder so nur etwas: der Sieg. Erfüllen die Schweizer gegen die «Equipe Tricolore», die auch noch minime Chancen auf den Viertelfinal hat, ihre Pflicht, dann darf man tatsächlich von Heldentaten träumen. Noch aber besteht Absturzgefahr. Roman Josi wird alles daransetzen, dass er nicht zum zweiten Mal innert weniger Tage seine Hockey-Utensilien vorzeitig packen muss.