Kitschiger hätte die Saison aus Sicht des HC Davos nicht enden können. Ausgerechnet Reto von Arx, der 38-jährige Leitwolf des HCD, erzielte nach 49 Minuten und vier Sekunden in Überzahl das wegweisende 1:0. Der Emmentaler bestritt im Hallenstadion sein 1004. NLA-Spiel. Er hat bislang noch keinen neuen Vertrag in Davos unterschrieben. Die Trennung wurde im Februar bereits kommuniziert, mittlerweile liegt Reto von Arx vom HC Davos aber ein neues (finanziell nicht lukratives) Vertragsangebot vor, dass auch nächste Saison Einsätze als Spieler vorsieht.

Das Glück auf der Seite der Bündner

Das Goal von Reto von Arx widerspiegelte die Finalserie gut. Das Glück schlug sich in dieser Serie meistens auf die Seite der Bündner. Die ZSC Lions dominierten auch das fünfte Finalspiel wieder - genau gleich wie schon die Spiele 3 (2:3 n.P.) und 4 (3:4 n.V.). Die Zürcher versagten aber im Abschluss. Leonardo Genoni, der Goalie der Davoser, zeigte phänomenale Leistungen, die das Prädikat "Weltklasse" bestens verdienen (39 Paraden am Samstag). Die Zürcher realisierten während der gesamten Finalserie kein einziges Powerplay-Tor. 17 Chancen in Überzahl hatten sich den Lions geboten. Der HC Davos erzielte hingegen sowohl im vierten Spiel (das Anschlusstor zum 1:2) wie in der fünften Partie (1:0) die wichtigsten Goals mit einem Mann mehr auf dem Eis.

Beim "Gamewinner" zum 1:0 schoss Verteidiger Noah Schneeberger in der Schlussphase des zweiten Davoser Powerplays aus grosser Distanz. Marc Wieser fälschte die Scheibe vor dem Tor an den Pfosten ab. Reto von Arx setzte sich im In-Fight gegen Zürichs Back Henrik Tallinder durch und schlug den Abpraller vom Pfosten ins Netz. Reto von Arx stand auch beim 3:0 ins leere Tor durch Claude-Curdin Paschoud fünf Sekunden vor Schluss nochmals auf dem Eis. Das siegsichernde 2:0 gelang drei Minuten vor Schluss Dick Axelsson.

Für RvA war es erst das zweite Saisontor

Aber das eindeutig wichtigste Goal des Abends hatte zweifelsfrei nochmals Reto von Arx erzielt. Die Fans zelebrierten den 38-Jährigen, den sie seit Jahren als "geile Siech" besingen. Für RvA war es erst das zweite Saisontor. In der Qualifikation hatte er bloss einmal getroffen. Im Rampenlicht mochte der Emmentaler aber trotzdem nicht stehen. "Ich bin einfach froh, dass wir gewonnen haben. Wir wollten unbedingt den Sack schon in Zürich zu tun." Reto von Arx bedankte sich nach der Partie persönlich bei den mitgereisten Davoser Fans. Auch das kann man als Indiz deuten, dass RvA seine Karriere womöglich bei einem anderen Klub im Unterland zu Ende führen wird. Eine Entscheidung in dieser Causa ist nicht in den nächsten Tagen zu erwarten.

Die ZSC Lions standen der ersten erfolgreichen Titelverteidigung in der NLA seit 2001 (ZSC) nahe. Die Zürcher erspielten sich in vier der fünf hochstehenden Finalspiele ein deutliches Chancenplus. Die fünfte Partie dominierten die Zürcher mit 39:22 Torschüssen. Aber wirklich grandiose Möglichkeiten boten sich den Zürchern nicht im Übermass. Mike Künzle scheiterte nach sechs Minuten solo vor Genoni. Nach 29 Minuten verhinderte der Davoser Verteidiger Beat Forster ein Gegentor, indem er den Kopf von Chris Baltisberger auf den gegen die Torlinie kullernden Puck drückte. Und in der 57. Minute verpasste die Zürcher Angriffsformation um Robert Nilsson die letzte grosse Ausgleichschance. Im Gegenzug realisierte Dick Axelsson das 2:0. "Wir waren eigentlich nahe dran an der Titelverteidigung", meinte Zürichs Captain Mathias Seger, "aber Davos hat gewiss in dieser Serie viel cleverer gespielt als wir."

Einfachen, schnörkellosen, zügig

Mit dieser Einschätzung lag Seger gewiss nicht falsch. Der HC Davos gewann nicht nur wegen des Zufalls acht von neun Auswärtsspielen in diesen Playoffs. Die Davoser erspielten sich mit ihrer einfachen, schnörkellosen, zügigen Spielweise zumindest am Samstag eher die grösseren Möglichkeiten als die Lions. Reto von Arx und Mauro Jörg brachten nach zwölf Minuten den Puck nicht im leeren Zürcher Tor unter. Simon Kindschi traf die Latte (17.). Andres Ambühl stand solo vor Lukas Flüeler (30.). Und auch Enzo Corvi traf den Pfosten (37.). Immer wieder unterliefen den ZSC Lions haarsträubende Fehler. Derartige Missgeschicke unterliefen dem HC Davos nicht.

Telegramm
ZSC Lions - Davos 0:3 (0:0, 0:0, 0:3)
11'200 Zuschauer (ausverkauft). - SR Kurmann/Vinnerborg, Kaderli/Wüst. - Tore: 50. Reto von Arx (Marc Wieser, Schneeberger/Ausschluss Siegenthaler) 0:1. 57. Axelsson (Du Bois) 0:2. 60. (59:55) Paschoud 0:3 (ins leere Tor). - Strafen: 2mal 2 Minuten gegen die ZSC Lions, 5mal 2 Minuten gegen Davos. - PostFinance-Topskorer: Wick; Paulsson.
ZSC Lions: Flüeler; Blindenbacher, Tallinder; Stoffel, Bergeron; Geering, Siegenthaler; Seger; Künzle, Trachsler, Bastl; Keller, Shannon, Nilsson; Bärtschi, Cunti, Schäppi; Baltisberger, Malgin, Wick; Senteler.
Davos: Genoni; Du Bois, Guerra; Forster, Kindschi; Schneeberger, Paschoud; Jan von Arx; Ambühl, Walser, Paulsson; Hofmann, Lindgren, Axelsson; Sciaroni, Reto von Arx, Dino Wieser; Simion, Corvi, Jörg; Marc Wieser.
Bemerkungen: ZSC Lions ohne Smith, Tabacek (überzählige Ausländer), Fritsche und Schnyder. Davos ohne Koistinen und Redenbach (alle verletzt). - Pfosten-/Lattenschüsse: 17. Kindschi, 36. Corvi. - ZSC Lions von 57:05 bis 57:42 und von 57:57 bis 59:55 ohne Goalie.