Eishockey NHL
Raphael Diaz ist zu sanft für die Cargary Flames

NHL-Verteidiger Raphael Diaz wechselte auf diese Saison hin zu den Calgary Flames. Bein den Flames erhält der 28-jährige wenig Eiszeit, hat in dieser undankbaren Rolle aber trotzdem seinen Frieden gefunden.

Klaus Zaugg, Toronto
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Raphael Diaz (Mitte) ist in Calgary trotz wenig Eiszeit nicht frustriert.

Raphael Diaz (Mitte) ist in Calgary trotz wenig Eiszeit nicht frustriert.

EQ Images

Im Schwingen wäre der ehemalige Zuger Junior der Erste nach den Kränzen. In der Abwehr der Calgary Flames ist Raphael Diaz die Nummer 7. Wenn immer irgendetwas mit einem der besten sechs Verteidiger passiert, muss er ran – und dann wie auf «klick» parat und gut sein. Er war bereits letzte Saison bei allen seinen drei Teams (Montreal, Vancouver, zuletzt beim Stanley-Cup-Finalisten Rangers) oft Ersatz. Nun findet er sich in Calgary unter Cheftrainer Bob Hartley in der gleichen Rolle wieder.

Sein Spieltag läuft nach einem ganz besonderen Ritual. Meistens spielt der WM-Silber-Held von Stockholm nicht. Von 29 Partien hat er nur 11 bestritten (kein Skorerpunkt, durchschnittlich 11.30 Minuten Eiszeit). Das bedeutet nach dem Warm-up mit dem Team ein extrem hartes vierzigminütiges Zusatztraining mit den überzähligen Stürmern und dem Ersatzgoalie. «Das ist gut so», sagt Diaz. «So bleibe ich in Form.» So war es auch in Toronto. Am Dienstag sah er von der Tribüne aus, wie sein Team 1:4 verlor.

Frustriert ist er keineswegs. Natürlich gehört es zum NHL-Business, dass sich ein Spieler niemals beklagt. Niemals beklagen darf. Aber Raphael Diaz klingt aufrichtig, wenn er sagt: «Es gefällt mir in Calgary und ich kann meine Rolle gut akzeptieren.» Er lebt zusammen mit seiner kanadischen Freundin (die er in Montreal kennen gelernt hat), und auch das Wetter sorgt für gute Laune. «Es wird zwar sehr kalt. Aber mindestens an fünf Tagen pro Woche scheint die Sonne.»

Keine Chance auf Stammplatz

Sein Ziel bleibt ein Stammplatz in der NHL. Vielleicht halt erst nächste Saison. Nach Auslaufen seines Einjahres-Vertrages bei Calgary. In einem anderen Team. Calgary setzt eher auf grosse, kräftige Verteidiger und ist so gut besetzt, dass für den spielstarken, aber für NHL-Verhältnisse eher sanften Diaz vorerst keine Chance auf einen Stammplatz besteht. Zumal er mit 700 000 Dollar Jahresgehalt auch ein «Billigarbeiter» ist. Die anderen sechs Verteidiger verdienen alle über zwei Millionen. Da gibt es halt auch vertragspolitische Gründe, warum der Schweizer nur die Rolle eines Jokers hat.

Eine Rückkehr in die Schweiz im Frühjahr 2015 nach vier Jahren NHL ist für den Zuger trotzdem absolut kein Thema. Er müsste 2015/16 noch ein letztes Jahr in Zug spielen. Erst dann wäre er auch in der NLA «free agent». Aber eben: Das beschäftigt ihn nicht. «Gedanken an eine Rückkehr würden mich bloss von meinem Ziel ablenken», sagt er. «Für mich hat die NHL weiterhin absolute Priorität.»

Wichtige Rolle als Edeljoker

Wie schafft er es, als Joker bei guter Laune zu bleiben? Er mache auch Mentaltraining. «Es ist einfach wichtig, mit einer positiven Einstellung aufs Eis zu gehen und das Selbstvertrauen zu bewahren. Wenn ich eine Chance bekomme, dann muss ich sofort bereit sein und dem Team helfen können.» Es falle ihm nicht schwer, diese positive Einstellung zu bewahren.

Eine Versetzung ins Farmteam (wie Damien Brunner und zuletzt Teamkollege Sven Bärtschi) droht Raphael Diaz nicht. Zu wichtig ist er als Joker fürs Team. Zumal er sich als smarter, flinker, kompletter und scheibensicherer Verteidiger sofort ins System integrieren und in allen Situationen eingesetzt werden kann. Aber eben: Wenn er Stammspieler und wieder Dollarmillionär werden will (er verdiente 2012/13 und 2013/14 je 1,2 bzw. 1,25 Millionen Dollar) muss er Calgary wohl verlassen und in ein Team wechseln, das einen europäischeren Stil pflegt. Die gibt es in der NHL durchaus.

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