Olympia-Achtelfinal
Problem Patrick Fischer: Analyse zum blamablen Aus der Schweizer Eishockey-Nati

Wenigstens war es ab und zu durchaus unterhaltsam. Die Schweizer haben ihr olympisches Eishockey-Abenteuer hier mit einer offiziellen Medienkonferenz begonnen. Dabei klagten Sportdirektor Raëto Raffainer und Nationaltrainer Patrick Fischer zum Gaudi aller über zu harten Betten. Am Schluss sind sie tatsächlich hart gelandet, die Schweizer Eishockeyaner.

Klaus Zaugg
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Trainer Patrick Fischer scheitert mit der Schweizer Nationalmannschaft im Olympia-Achtelfinal – einmal mehr liegen die Gründe in seiner Ratlosigkeit.

Trainer Patrick Fischer scheitert mit der Schweizer Nationalmannschaft im Olympia-Achtelfinal – einmal mehr liegen die Gründe in seiner Ratlosigkeit.

Keystone

Vier Spiele, drei Niederlagen. Ausgeschieden nach einem 1:2 nach Verlängerung gegen ein spielerisch schwaches, aber besser organisiertes und besser gecoachtes Deutschland. Eine der bittersten und unnötigsten Niederlagen der Neuzeit.

Am Ende gab es gestern nach Mitternacht Ortszeit wieder einen offiziellen Auftritt vor den Medien. Und dabei lieferten Raëto Raffainer und Patrick Fischer die Antwort auf das klägliche Scheitern. Sie waren sympathische, selbstkritische aber heillos überforderte Verlierer. Ihre Erklärungen müssten eigentlich, wenn sie ernst genommen würden, zur Entlassung von Patrick Fischer führen.

Nati-Trainer Patrick Fischer: «Das Powerplay war nicht schlecht, es war grottenschlecht.»

Nati-Trainer Patrick Fischer: «Das Powerplay war nicht schlecht, es war grottenschlecht.»

KEYSTONE

Patrick Fischer sagt, er wisse nicht, warum das Powerplay nicht funktioniere. «Das Powerplay war nicht schlecht, es war grottenschlecht.» Patrick Fischer sagt, er wisse nicht, warum so viele Spieler ihr Potenzial nicht abrufen konnten. Patrick Fischer hat schon im Laufe des Turniers darüber geklagt, dass ihm die Spieler nicht zuhören und nicht umsetzen, was er sagt. Patrick Fischer sagt, zu viele Spieler seien nicht im Turnier angekommen. Er erkennt die Probleme. Aber er hat wieder einmal keine Antworten. Kein Wunder. Als Trainer ist er schon in Lugano an dieser Ratlosigkeit gescheitert. Er musste gehen, als seine Mannschaft bis auf den letzten Platz abgesunken war. Sein Nachfolger Doug Shedden führte sie noch in der gleichen Saison bis in den Final der Playoffs.

Die Nationalmannschaft ist kein Ausbildungsprojekt

Wer den finalen Auftritt hier von Raëto Raffainer und Patrick Fischer als neutraler Beobachter ganz unbefangen hörte, traute seinen Ohren nicht. Sympathische Ratlosigkeit. Aber hier geht es um die Nationalmannschaft. Hier zählen nur die Resultate. Die Nationalmannschaft ist auch kein Ausbildungsprojekt für junge Trainer. Sie muss vom bestmöglichen Trainer geführt werden.

Die Bilanz dieser Saison ist miserabel. Die Nationalmannschaft hat sieben von neun Partien verloren (die Spiele gegen Klubteams am Spengler Cup nicht mitgezählt). Aber auch die langfristige Bilanz ist ernüchternd. Bei allen Turnieren unter Patrick Fischer – bei der WM 2016 und 2017 und nun beim olympischen Turnier – waren wir am Anfang nicht bereit und nur einmal (WM 2017) hat es wenigstens für den Viertelfinal gereicht. Bei keiner ernstzunehmenden Hockeynation bleiben ein Trainer und ein Sportdirektor nach einer solchen Bilanz im Amt. Bei uns schon.

Bei uns ist es eben anders: Patrick Fischer hat einen Vertrag bis 2020. Seine Position steht nicht zur Debatte. Und so haben wir die kuriose Situation, dass Sportdirektor Raëto Raffainer das zentrale Problem gar nicht erwähnen kann, nicht erwähnen darf, nicht erwähnen will. Weil es tabu ist. Patrick Fischer.

Der sympathische Zauberlehrling Patrick Fischer ist und bleibt weiterhin ein Zauberlehrling. Er hat hier zwischendurch gute Ansätze gezeigt. Etwa bei
der Vorbereitung aufs zweite, allerdings bedeutungslose Spiel gegen Olympia-Gastgeber Südkorea (8:0). Aber wenn es wirklich zählt, ist er überfordert. Ein Lehrling halt. Er darf bereits in etwas mehr als zwei Monaten schon wieder zu einer Prüfung antreten.

Nach dem Aus auch noch der Rücktritt von Jonas Hiller

Bei der WM in Kopenhagen. Und auch da spielt es keine Rolle, ob er die Prüfung besteht. Er darf dann auch bei der WM 2019 und bei der WM 2020 wieder ran. Wir taumeln unter seiner Führung von Turnier zu Turnier und hoffen auf ein bisschen Glück wie in Paris. Einfacher wird es nicht. Mit Jonas Hiller hat einer unserer Goalie-Titanen gestern den Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt. Nun haben wir nur noch einen grossen, international erfahrenen Torhüter: Leonardo Genoni.

Ein enttäuschter Jonas Hiller nach dem Achtelfinal-Out gegen Deutschland.

Ein enttäuschter Jonas Hiller nach dem Achtelfinal-Out gegen Deutschland.

KEYSTONE/ALEXANDRA WEY

Unser Potenzial ist trotz allem gross – wie in Paris bei den Siegen gegen Kanada und Tschechien. Wie hier beim 8:0 gegen Südkorea. Wir haben genug Talent, um die Titanen der Welt herauszufordern. Wir hatten auch genug Talent, um hier um eine Medaille zu spielen. Jonas Hiller war gut genug.

Aber wir haben nicht mehr die Führung, die wir brauchen, um unser Potenzial auszuschöpfen. Wir haben hier eine Jahrhundertchance auf olympischen Ruhm auf klägliche Art und Weise verpasst. Um es wieder einmal mit einem uralten, bösen Spruch auf einen Nenner zu bringen. Löwen, geführt von Eseln. Aber durchaus sympathischen Eseln.