Lausannes Trainer Heinz Ehlers ist ein Realist. Der Trainer des Jahres hat kürzlich die höhere Wahrheit unseres Profihockeys treffend formuliert: «Über eine längere Zeit hinweg spielt das Geld eine entscheidende Rolle. Es ist kein Zufall, dass in den letzten 14 Jahren nur noch Lugano, Davos, der ZSC und der SCB Titel gewonnen haben. Mehr Geld bedeutet mehr Qualität auf allen Ebenen und das wirkt sich am Ende einer Meisterschaft aus.»

Es ist also kein Zufall, dass sich der SC Bern und die ZSC Lions am Ende doch durchgesetzt haben. Der Aussenseiter kann fehlendes Talent mit Emotionen oder mit Taktik nicht sieben Spiele lang wettmachen. Biel überraschte den Meister mit Mut, Dynamik und offensiver Frechheit. Lausanne tat das Gegenteil und blockierte mit perfektem Defensivsystem das Spiel des zaudernden SC Bern.

Auch im siebten Spiel vermochten die Berner nicht zu überzeugen. So viel Nervosität und Krampf und elf Minuten erfolgloses Powerplay. 50 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit der Ausgleich. Aber sie taumelten schliesslich in den Halbfinal. Dem kräftigen Finnen Jesse Joensuu gelang in der 70. Minute das 2:1. Die ZSC Lions spielten in diesem Viertelfinal das schönere Hockey als der SCB. Aber sie vermochten dem mutigen, frechen Aussenseiter erst im siebten Spiel davonzulaufen.

«Entscheidendes» viertes Spiel

Beide Titanen gerieten ins Wanken. Aber sie stürzten nicht. Am Ende einer Serie über sieben Spiele hat es einem «Kleinen» in der ersten Runde noch nie gereicht. Gewiss: Der SCB und Lugano kippten als Qualifikationssieger bereits im Viertelfinal aus den Playoffs – aber nicht gegen «Kleine». Sondern gegen Teams, die schon mehrmals Meister oder wenigstens mehrmals Finalist gewesen waren (Fribourg, Kloten, Zug, SCB).

Es reichte den «Kleinen» auch diesmal nicht. Denn spätestens im siebten Spiel entscheiden, Talent (dank mehr Geld) sowie Energie und Kraft (dank grösserer Ausgeglichenheit). Den Kulminationspunkt erreichten beide Serien im vierten Spiel. Für eine ganz kurze Zeit öffnete sich für Biel und Lausanne das Fenster zur Sensation. Aber Lausanne brachte ein 1:0 und Biel ein 2:0 nicht über die Zeit.

Eine Niederlage in dieser vierten Partie hätten die ZSC Lions und den SC Bern in den Grundfesten erschüttert. Aber die Titanen verloren eben dieses vierte Spiel nicht. Das tief sitzende Selbstvertrauen, das grossen Mannschaften eigen ist – wir können es auch Arroganz nennen – führte dazu, dass sich Zürcher wie Berner weigerten, die Niederlage hinzunehmen. Sie gewannen Spiele, die eigentlich schon verloren schienen und glichen ihre Serien aus (2:2).

Heisse Titelanwärter

Von da weg war noch viel Dramatik, viel Spektakel – aber das Ende der Aussenseiter war programmiert. Dass fehlendes Talent eben doch entscheidet, zeigt das Beispiel von Lausanne: in 9 Dritteln in diesem Viertelfinal gelang bei nummerischem Gleichstand kein Tor. Kaum ein Zweikampf im eigenen Drittel wurde verloren – aber in der gegnerischen Zone auch kaum einer gewonnen.

Favoriten, die in den Halbfinal taumeln, sind Meisterkandidaten. Die ZSC Lions schafften es im Viertelfinal vor einem Jahr gegen Lausanne erst mit einem 1:0 im siebten Spiel. Auch der SC Bern zitterte sich bei seinem letzten Titelgewinn 2013 gegen Servette über sieben Spiele in den Halbfinal. Zug gewann 1998 im Viertelfinal gegen Rappi erst in der Verlängerung des siebten Spiels (wie jetzt der SCB) und wurde Meister.

Der SCB und die ZSC Lions sind nun die heissesten Anwärter auf den Final und den Titel. Der SCB vor allem dann, wenn es den Spielern nun gelingt, Trainer Guy Bouchers extreme Defensivtaktik weitgehend zu ignorieren.