Eishockey
Penaltyschiessen abschaffen: Playoffspiele bald bis tief in die Nacht?

Bisher kam es in den Eishockey-Playoffs nach 20 Minuten Verlängerung ohne Tor zu einem Penaltyschiessen. Anders in der nordamerikanischen Eishockeyliga NHL: Dort wird gespielt, bis es ein Tor gibt. Dies wird nun auch in der Schweiz zum Thema.

Roman Geissmann
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Es sind legendäre Spiele in der NHL. Zum Beispiel das Playoff-Spiel Philadelphia Flyers gegen Pittsburgh Penguins vom 4. Mai 2000. Nach 152 Minuten (!) und somit in der fünften Verlängerung, traf Philadelphia-Stürmer Keith Primeau zum vielumjubelten 2:1 (s. Youtube-Video). Einige Zuschauer hatten das Stadion schon verlassen, andere kämpften gegen die Müdigkeit. Als Primeau traf, war es 2:35 Uhr morgens. Legendär!

152 Minuten - das wären hierzulande fast 2 Spiele mit jeweils 20 Minuten Verlängerung. Dieses Spiel war das drittlängste bisher. Das längste Spiel aller Zeiten datiert vom 24. März 1936. Die Detroit Red Wings besiegten die Montréal Canadiens nach 176 torlosen Minuten mit 1:0.

In der NHL wird in den Playoffs gespielt, bis ein Tor fällt. Penaltyschiessen, wie in der Schweiz nach 20 Minuten Verlängerung, gibt es in der NHL nur während der Qualifikation.

Solch lange Spiele könnten vielleicht auch bald in der Schweiz möglich sein. Sportlich gesehen macht das durchaus Sinn. Die Teams sollen spielen, bis ein Tor fällt. Dieser Meinung sind viele Experten und Klubverantwortliche. „Ein Penaltyschiessen hat nichts mit den Playoffs zu tun. Wir sollten die Entscheidung ausspielen", sagt etwa ZSC-Sportchef Edgar Salis im „Blick".

Auch die „Nordwestschweiz" forderte vergangenen Dienstag: „Spielen bis zum bitteren Ende!" Nach 20 Minuten Verlängerung würde hierzulande einfach der Stecker gezogen.

SRF als Stolperstein?

Die Forderung, das Penaltyschiessen (in den Playoffs) abzuschaffen, gibt es schon länger. Aber man befürchtete immer, das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) könne etwas dagegen haben. Das SRF hat in der Schweiz viel Macht und Einfluss, beispielsweise bei den Anspielzeiten (Im Eishockey beginnen TV-Spiele um 20:15, die anderen Spiele bereits um 19:45). Wird das Penaltyschiessen abgeschafft, gibt es keinen absehbaren Spielschluss.

Würde das SRF Spiele bis 3 Uhr morgens übertragen? Beim SRF scheint man zumindest zu Gesprächen bereit. „Wir nehmen keinen Einfluss auf das sportliche Reglement eines Verbands", wird SRF-Projektleiterin Sport, Caroline Kalberer, im „Blick" zitiert. Die Klubvertreter könnten das Penaltyschiessen also bei der Ligaversammlung im Juni abschaffen. Eine 2/3-Mehrheit ist für einen solchen Entscheid nötig. Diese würde gemäss ZSC-CEO Peter Zahner locker zustande kommen.

Ob das SRF dann die Spiele auch alle überträgt, bleibt offen. Und die TV-Gelder sind für die Klubs immens wichtig. Auch bei der Liga fragt man sich, ob das SRF mitmachen würde. „Für das SRF ist das programmtechnisch sicher eine Herausforderung. Ein Aussteigen während dem laufenden Spiel wäre nicht willkommen", sagt Liga-Sportdirektor Ueli Schwarz, der sich persönlich „sehr wohl vorstellen kann, dass das Penaltyschiessen abgeschafft wird."

Gespräche mit dem SRF habe es noch keine gegeben. Ob das Thema bei einem Veto des Staatssenders vom Tisch wäre, könne man nicht einfach so sagen, so Schwarz weiter. Aber es müsse „eine ausgewogene Lösung sein, die von allen Partnern getragen würde". Klingt, als wäre ein Veto des SRF eben doch das Ende der Idee.

Bleiben die Zuschauer bis 3 Uhr morgens?

Gemäss Schwarz gibt es einige weitere Punkte zu beachten. Zum Beispiel: Kommen die Fans noch nach Hause? Wenn ein Spiel bis um 3 Uhr morgens dauert (was Ausnahmen wären), wird es mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in Davos oder Ambri problematisch.

Hier würde man allerdings bestimmt eine Lösung finden, Stichwort Extra-Busse. Nächster Punkt: „Wie viele Leute würden das Stadion vorzeitig verlassen?" Auch diesen Aspekt dürfe man gemäss Schwarz nicht unbeachtet lassen. Es ist aber nicht davon auszugehen, dass angefressene Zuschauer einfach gehen würden. Zu hoch ist die Spannung in solchen Spielen.

Die Klub- und Ligavertreter treffen sich am kommenden Montag in Ittigen BE zur Saison-Abschluss-Sitzung. Dort wird dieses Thema diskutiert werden. Allerdings fällt dann noch keine Entscheidung. Gemäss Ueli Schwarz müssten in dieser Fragestellung „alle Aspekte mit allen Partnern abgewogen werden." Fortsetzung folgt.

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