CUP EHC Olten

Olten spielt stark - verliert aber mit 2:3 gegen Zug

Trotz starker Leistung verliert der EHC Olten das Cupspiel im euphorisierten Kleinholz gegen den EV Zug knapp mit 2:3. Zug darf sich bei Goalie Tobias Stefan bedanken, der Olten mit seinen Paraden vor grosse Probleme stellte.

Wenn wir dieses Spiel gegen den NLA-Zweiten Zug als Flirt betrachten, dann hatten die Oltner bereits den Moment erreicht, in welchem gefragt wird: gehen wir zu mir oder zu dir. Doch auf dem Weg ins Liebesnest haben Oltens Rosenkavaliere den Wohnungsschlüssel verloren. Sie müssten unverrichteter Cup-Dinge wieder in den NLB-Alltag zurückkehren.

Aber der Flirt war aufregend und dauerte länger als selbst Optimisten erwartet hatten: nämlich 60 Minuten. Ja, der Aussenseiter mit dem NLA-Titanen gar auf Augenhöhe. Den Oltnern kommt sicherlich entgegen, dass Zugs Trainer Harold Kreis taktisch ausgereiftes Eisschach einem wilden Offensivspektakel vorzieht. Nie wird es ein Einbahnspiel und bis zum Schluss ist die Sensation möglich.

Die Oltner spielen NLA-Eishockey – wie schon am letzten Samstag beim Sieg in Rapperswil (4:3 n.V). Sie halten Zugs Tempo und Zugs Intensität aus und haben im Schlussdrittel gar die Energie zu einem kraftvollen Finale. Die Zuschauer sind nicht vorzeitig nach Hause gegangen. Sie sind geblieben, haben den Atem angehalten, es nicht mehr auf den Sitzen ausgehalten und ihre Mannschaft mit einer stehenden Ovation verabschiedet. Olten ist im Cup ausgeschieden und dabei eine Leistung gezeigt, die fürs nächste Frühjahr kühne Hoffnungen erlaubt.

Das grösste Kompliment für den Aussenseiter: die Differenz macht am Schluss nicht Zugs offensive Feuerkraft. Zumal NLA-Topskorer Pierre-Marc Bouchard nicht mit dabei ist. Er wird nicht aus Überheblichkeit geschont. Zugs Sportchef Reto Kläy sagt, der Kanadier habe am Vormittag einen Nerv im Rücken eingeklemmt. Ein Einsatz sei nicht möglich gewesen.

Torhüter entscheiden das Spiel

Das Spiel entscheiden letztlich die Torhüter. Tobias Stephan muss sein bestes Hockey spielen, um die Sensation zu verhindern. Im Rückblick erkennen wir, dass die Entscheidung in der 47. Minute gefallen ist. Justin Feser hat das 3:3 auf dem Stock – aber er scheitert an Zugs überragendem gegnerischen Torhüter. Der Kanadier hat nicht versagt. Er ist ihm einfach nicht gelungen, einen Weltklassegoalie zu überwinden.

Die polemische Behauptung, dass die Oltner mit ausgetauschten Torhütern diese Partie gewonnen hätten, ist eine fachlich richtige Feststellung. Die Zuger hätten ohne einen Tobias Stephan in Höchstform diese Partie nicht gewonnen. Oltens Kevin Huber – es ist sein erster Ernstkampf, in der Meisterschaft hat immer Matthias Mischler gespielt – spielt zwar auch sehr gut. Aber nicht gut genug, um so ein Spiel zu gewinnen. Das 1:1 ist haltbar. Ein sehr guter Goalie war nicht gut genug. Olten hätten einen grossen Torhüter wie Tobias Stephan gebraucht.

Kein Happy End für Olten

Auch wenn es bei diesem grandiosen Hockey-Abend kein Happy-End gibt – eine ganz besondere Geschichte hat dieses Spiel doch. Und hätte Olten gewonnen, wäre es gar eine Heldengeschichte. Das 1:0 erzielt Verteidiger Simon Meister. Keines der Alphatiere. Er steht in seiner neunten Saison mit Olten und hatte vor dem gestrigen Abend lediglich 13 Tore erzielt. Und jetzt gelingt ihm dieser Treffer gegen die Zuger – in Zug ist er einst als Junior ausgebildet worden.

Mit einem Sinn für Ironie sagt er: «Ja, ich bin auch selber schuld, dass ich nicht öfter treffe. Ich muss einfach mehr schiessen…» In der Tat: wer gegen Tobias Stephan trifft, sollte es erst recht gegen die NLB-Schlussmänner versuchen. Das Spiel sei im Mitteldrittel verloren gegangen. Das sieht auch Trainer Heikki Leime so. «Da haben wir gespürt, dass etwas drin liegt und vielleicht eine Spur zu offen gespielt.»

Sportlich sind die Oltner leer ausgegangen. Finanziell nicht. 4693 Zuschauer bezahlten Eintritt. Die Saisonkarten waren nicht gültig. Geschäftsführer Peter Rötheli sagte gutgelaunt: «Die Einnahmen reichen bei weitem um Scott Beattie auszuzahlen.» Hoffentlich hat er die Rechnung nicht ohne den Wirt bzw. den Anwalt des geschassten Trainers gemacht.

Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker von Yann Schlegel:

Der Liveticker zum Spiel Olten gegen Zug

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