EHC Olten
Olten-CEO Rötheli: «Es ist uns wirklich ein Anliegen, eigene Junge einzubauen»

Die Nachwuchsabteilung des EHC Olten tritt seit Jahren an Ort, bietet Breiten- statt Spitzensport. Nur, wenn die besten Talente in Olten bleiben und nicht allesamt zu Grossklubs abwandern, wird sich die Situation nachhaltig entspannen. Wir trafen Oltens Sportlichen Leiter, Heinz Brändli, und CEO, Peter Rötheli, zum Interview.

Michael Forster und Marcel Kuchta
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Im Oltner Nachwuchs stimmt Quantität und Qualität nur an der Basis. Danach beginnt der grosse Aderlass.

Im Oltner Nachwuchs stimmt Quantität und Qualität nur an der Basis. Danach beginnt der grosse Aderlass.

Bruno Kissling

Der Nachwuchs des SC Langenthal kann mit rund 900'000 Franken operieren. Das ist rund zweimal so viel, wie in Olten zur Verfügung steht. Sieht man Möglichkeiten, diesbezüglich vorwärtszukommen – zum Beispiel mit gekoppelten Verträgen wie in Langenthal?

Peter Rötheli: Im Marketing sind wir seit geraumer Zeit tatsächlich daran, dass parallel gearbeitet wird. Das vereinfacht auch die ganzen Terminfindungen, wenn alles an einem Tisch abgewickelt werden kann. Da machen wir Fortschritte, wie übrigens auch beim Budget. Noch vor ein paar Jahren lag dieses zwischen 200'000 und 250'000 Franken.

Reicht das Budget, welches man jetzt zur Verfügung hat, denn aus?

Rötheli: Wenn wir einen Schritt weitermachen wollen, kostet das Geld. Es gibt ein Strategie-Papier, das genau aufzeigt, in welche Richtung wir gehen wollen, wie wir die sportliche Situation verbessern können. Der vielleicht grösste Nachteil gegenüber unseren Konkurrenten ist, dass wir zu wenig Eiszeit haben. Die Halle in Olten ist sehr stark ausgelastet, vor allem durch den Eiskunstlauf. Wir sind daran, Lösungen anzubieten mit zusätzlichen Trainings neben, aber auch auf dem Eis.

Heinz Brändli: Wir müssen überall einen Schritt vorwärtsmachen. Langenthal ist sportlich dort, wo wir wieder hin wollen, da reden wir tatsächlich schnell von einem Budget von einer Million.

Wie definiert man die Ziele denn konkret im Nachwuchs?

Brändli: Wir möchten auf Stufe Mini und Novizen eine Kategorie höher spielen, darunter sind wir gut und breit abgedeckt.

Sollte man als Nationalliga-Verein nicht auch eine gewisse Verantwortung wahrnehmen im Nachwuchs? Da hinkt man in Olten gewaltig hinterher...

Rötheli: Das ist uns absolut bewusst, und das wurde an den letzten Geschäftsleitungssitzungen immer wieder intensiv diskutiert. Wir kamen zur Überzeugung, dass man das Ganze ab der Erfassungsstufe vorantreiben und sauber aufbauen muss, anstatt Elite-A-Junioren nach Olten zu lotsen. Dazu fehlen uns die Möglichkeiten. Das heisst, wir müssen einen Weg finden, dass uns die guten Spieler nicht Jahr für Jahr verlassen.

Weshalb sollen die Spieler denn in Olten bleiben?

Brändli: In den letzten zwei, drei Jahren haben wir sehr viel verbessern können, wir haben mehr Struktur in den Nachwuchs gebracht, neues Material anschaffen können. In den verschiedenen Stufen sind wir von nirgendwo zumindest in den Dunstkreis der Spitze gekommen. Und doch ziehen noch immer Spieler weg, weil sie woanders eine Liga höher spielen können.

Wer ist es denn, der das entscheidet: Ist es der Spieler – oder sind es die Eltern?

Rötheli: Die Eltern. Sie müssen ihre Kinder aus dem sozialen Umfeld nehmen und vier-, fünfmal in der Woche in eine andere Stadt fahren. Wenn sie das nicht können oder wollen, dann gibt es das nicht. Häufig ist das aber ein kurzfristiger Entscheid, der langfristig nicht zum Ziel führt. Blickt man auf die letzten 20 Jahre zurück, so haben genau zwei Oltner den Sprung in die NLA geschafft: Timo Helbling und Sämi Walser. Man muss den Eltern immer wieder vor Augen führen, dass sehr viel passieren kann zwischen 12 und 18 Jahren. Gleichzeitig ist bei uns viel verbessert worden; deshalb wäre es zumindest angebracht, dass die Jungs bei uns lizenziert bleiben und mithelfen, die Aufstiege in den verschiedenen Altersklassen in Olten zu schaffen – und gleichzeitig die Chance erhalten, mit einer B-Lizenz auswärts zusätzliche Spielpraxis zu erlangen.

Was kann Olten für einen Trumpf einbringen in diesem schwierigen Umfeld? Das scheint ja fast aussichtslos...

Brändli: Wir müssen weiter gut arbeiten, versuchen, unsere Infrastruktur zu verbessern und mehr Trainings anbieten zu können – alles im Rahmen unserer Möglichkeiten. Gut ausgebildete Trainer bieten, das Umfeld optimieren, den finanziellen Rahmen erhöhen, denn am Ende steht und fällt alles genau damit. Dann haben wir unseren Teil gemacht. Wir müssten ein Zeichen setzen können, dass einer Mannschaft ein sportlicher Coup gelingt. Das würde die anderen Spieler dazu animieren, zu bleiben. Aber das Ganze ist ein Teufelskreis: Wenn uns jeden Frühling vier Spieler verlassen, welche in diesem Projekt sehr wichtig gewesen wären, dann schaffen wir den Aufstieg nicht ganz – und alles beginnt wieder von vorne.

Rötheli: Gleichzeitig kommt vonseiten der AG das Zeichen nach unten, dass man versuchen muss, die Identifikation zu wahren. Es ist uns wirklich ein Anliegen, eigene junge Spieler in die 1. Mannschaft einzubauen. Dazu muss man vielleicht versuchen, sie noch früher einzubauen, bereits im Alter von 15 oder 16 Jahren für das Sommertraining aufzubieten, ihnen diese Möglichkeit zu bieten. Das Wichtigste ist jedoch, den Eltern aufzuzeigen, welches die effektiven Aussichten ihrer Kinder bei einem frühzeitigen Wechsel nach Bern, Kloten oder Fribourg sind. Nehmen wir das Beispiel unseres Publikumslieblings Diego Schwarzenbach: Er war Topscorer bei den Elite A in Bern. Mit ihm hat man sich nicht einmal an einen Tisch gesessen, weil er nicht die Masse für einen NLA-Spieler mitbrachte. Gerade die Kommunikation mit den Eltern gilt es, weiter zu verbessern, Aufklärung zu leisten. Dabei soll speziell ein Diego involviert werden, damit unsere Argumentation für die Eltern plausibler wird.

SC Langenthal: doppeltes Budget, doppelter Erfolg

Die Langenthaler Eckpfeiler für eine erfolgreiche Nachwuchsabteilung sind ein familiäres Umfeld, professionelle Strukturen, gut ausgebildete Trainer und die Bemühung, jeden Spieler seinem Niveau entsprechend auszubilden. Letzterem wird insofern Rechnung getragen, indem mit Sursee auf drei Stufen zusammengearbeitet und somit auch den schwächeren Spielern eine Trainings- und Spielgelegenheit geboten wird. Partnerschaften unterhalten die Langenthaler aber auch im Leistungssport, auf Stufe Junioren Elite A und Novizen Elite mit Langnau und Biel. Damit der ganze Nachwuchsapparat mit drei Profi- sowie 24 Miliztrainern aufrechterhalten werden kann, unternimmt der SCL grosse finanzielle Anstrengungen. Auf rund 900 000 Franken kommt eine Saison total zu stehen. «Es ist eine stolze Summe», bestätigt Thomas Fürderer, Stv. Geschäftsführer der Nachwuchsabteilung, «aber Qualität hat ihren Preis.»
Damit der Nachwuchs über diese Summe verfügen kann, ist eine enge Zusammenarbeit im Marketing zwischen 1. Mannschaft und Nachwuchs nötig. Fürderer weiss genau, dass man diese Summe unmöglich im Alleingang generieren könnte. Deshalb werden viele Sponsoring-Verträge aus dem Profibetrieb mit der Nachwuchsabteilung gekoppelt.
Grundsätzlich wird aber auch der SCL mit den gleichen Problemen konfrontiert, wie der EHCO. Bereits in jungen Jahren strecken die Grossklubs ihre Fühler nach talentierten Spielern aus. Deshalb hat man ein Talentförderprogramm gestartet, welches genau jenen talentierten Spielern zusätzliche Anreize bieten, sie fördern soll. Auch wurde in den letzten Jahren ein Lehrstellennetz aufgebaut, in welchem Beruf und Sport ideal miteinander verbunden werden können. In Langenthal hat man längst erkannt, dass man bezüglich Infrastruktur oder finanziellen Anreizen kaum punkten kann bei umworbenen Talenten. Man setzt deshalb auf die frühzeitige Aufklärung der betroffenen Eltern und versucht, einen Weg durch die verschiedenen Stufen des eigenen Nachwuchses aufzuzeigen. Dank der getätigten Massnahmen hat der SCL dabei einen Trumpf in der Hand. «Diese Spieler müssen aber auch erkennen, dass sie anderswo vielleicht nur ein Ergänzungsspieler sind, bei uns hingegen Verantwortung übernehmen und wertvolle Erfahrungen sammeln können.»

Weiter kein Land in Sicht

Es ist gerade einmal sieben Jahre her, da sorgten die Oltner Junioren, welche der EHC Olten AG angehören, mit Rang 3 in der zweithöchsten Liga für äusserst positive Schlagzeilen. Doch schon im darauffolgenden Jahr folgte der Abstieg in die Junioren Top, weil die Verantwortlichen sämtliche Alarmzeichen verkannten und viel zu spät einen Wechsel an der Bande erwirkten.
Während im restlichen Nachwuchs zuletzt zumindest kleine Schritte nach oben gemacht wurden und man beispielsweise bei den Minis den Abstand zur höchsten Liga verkleinern konnte, ging es beim ältesten Oltner Nachwuchs in die entgegengesetzte Richtung. Nur knapp konnte im letzten Jahr der Abstieg in die Bedeutungslosigkeit der vierthöchsten Klasse verhindert werden, und auch in dieser Saison gelingt nicht viel. Mit dem klar und deutlich formulierten Ziel «Aufstieg in die Elite B» gestartet, wurde schnell einmal klar, dass man sich erneut nach unten würde orientieren müssen.
Es war teils erschreckend, was die Junioren in dieser Saison für Leistungen abgeliefert haben. Viele Spieler sind nur noch ein Schatten ihrer selbst; die einen, weil sie den Aufwand nicht mehr auf sich nehmen wollen und kaum mehr trainieren, andere, weil sie sich im momentanen Umfeld nicht entwickeln können. Hinzu kommt, dass sich Unstimmigkeiten zwischen Spielern und Trainern zunehmend auf die Leistung auswirkten. Den Vorwurf, dass man es versäumt habe, das zuweilen überforderte Trainerduo zu ersetzen, weist Köbi Kölliker, zuständig für die sportlichen Belange, zurück. Es gebe, im Gegenzug, auch unter den Spielern einige, mit welchen der Umgang einfach sei.
Und auch eine bessere Zukunft für das einstige Flaggschiff des EHC Olten ist nicht in Sicht. «Ich bin froh, dass wir so gut dastehen und kaum mehr gegen den Abstieg kämpfen müssen», tönt selbst Kölliker ziemlich hoffnungslos – wenngleich sich die Lage am Strich zuletzt wieder zugespitzt hat. Der erste Schritt, so Kölliker, müsse von der Basis kommen. «Fertige» Spieler nach Olten zu lotsen, sei auf diesem Niveau a) unmöglich und b) für den Verein nicht finanzierbar.

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