Eishockey

Offene Türen für den Türöffner: Janick Schwendener ist eine Art Wanderarbeiter

Vom Ersatzmann zum Gefeierten: Janick Schwendener.

Vom Ersatzmann zum Gefeierten: Janick Schwendener.

Janick Schwendener ist der grosse Gewinner der beispiellosen Goalie-Verletzungswelle im Schweizer Eishockey. Jetzt soll er als Notnagel helfen, die Kloten Flyers in die Playoffs zu bringen.

Im Eishockey fällt den Ersatzgoalies während der Spiele hauptsächlich eine Aufgabe zu: Sie müssen das Bandentürchen bei den Spielerbänken öffnen, wenn sich die Cracks auswechseln lassen wollen. Man bezeichnet diese Spezies deshalb halb scherzhaft, halb herablassend gerne als «Türöffner». Janick Schwendener war in den vergangenen zwei Saisons ein Musterbeispiel für diese Rolle. Beim HC Davos kam er als klar Nummer zwei hinter Stammgoalie Leonardo Genoni nur punktuell zu Einsätzen – ohne Perspektiven auf eine Beförderung.

Schier unglaubliche Transfer-Aktivität

Jetzt, Anfang 2015, ist alles ganz anders. Für den ewigen Türöffner haben sich plötzlich Türen geöffnet. Janick Schwendener gehört zu den grössten Profiteuren einer beispiellosen Verletzungswelle, die die Schweizer Torhüter in dieser Saison erfasst hat. Allein in der NLA verletzten sich mit Cristobal Huet (Lausanne), Robert Mayer (Servette), Sandro Zurkirchen (Zug), Lukas Flüeler (ZSC Lions) und Martin Gerber fünf von zwölf Stammgoalies zum Teil schwer und fielen mehrere Wochen oder Monate aus.

Während Lausanne und die ZSC Lions mit internen Lösungen über die Runden kamen, brach vor allem bei Servette und bei Ambri-Piotta eine schier unglaubliche Transfer-Aktivität aus. Bei den Genfern standen in der laufenden Saison bereits fünf verschiedene Torhüter im Einsatz, bei den Tessinern sage und schreibe deren sieben.

Das Goalie-Chaos im Schweizer Eishockey

Das Goalie-Chaos im Schweizer Eishockey

Janick Schwendener ist eine Art Wanderarbeiter geworden. Wenn immer in der Schweiz irgendwo Not am (Goalie-)Mann ist, steht der gebürtige Klosterserer bereit – mit seiner Maske mit dem aufgedruckten HCD-Logo im Gepäck. Der 22-Jährige lebt seit Monaten aus dem Koffer und tingelt von Unterkunft zu Unterkunft. Während seiner Zeit beim HC Thurgau lebte er zusammen mit zwei anderen Teamkollegen in einer Bauernhaus-WG.

In Genf hauste Schwendener zunächst im Hotel und fand dann bei Servette-Verteidiger Christian Marti Unterschlupf. Jetzt hat er sich in Kloten wieder in einem Hotelzimmer ausgebreitet. Zwischendurch fuhr er bei Bedarf immer wieder zurück nach Davos, wo er normalerweise zusammen mit zwei Teamkollegen eine WG bewohnt. «Ich habe seit September etwa 15 000 Kilometer zurückgelegt mit dem Auto», erzählt er. Ihm sind derlei Reisestrapazen aber egal. Schwendener ist glücklich, sein Können endlich mal unter Beweis zu stellen. So, wie am Spengler Cup, wo er Servette mit einem Shut-out im Finalspiel gegen Ufa den neuerlichen Titelgewinn sicherte.

Weitergang steht in den Sternen

Logisch, wurde er als Einheimischer nach dieser Leistung von Glückwünschen der Verwandten und Bekannten überhäuft. Und so ganz nebenbei konnte Janick Schwendener so auf höchstem Niveau beste Werbung in eigener Sache betreiben. Sein Vertrag beim HC Davos läuft Ende Saison aus. Noch hat sich allerdings kein Interessent bei ihm gemeldet. Beunruhigt ist er deswegen nicht: «Ich nehme es, wie es kommt. Ich kann nicht mehr tun, als die Gelegenheiten, die ich erhalte, so gut wie möglich zu nutzen.»

Dass Janick Schwendener nun schon seinen vierten Arbeitgeber in der laufenden Saison hat, ist dem abstrusen Transferreglement der Nationalliga geschuldet, welches mehrfache Transfers desselben Spielers innerhalb der gleichen Saison zulässt. Immerhin: Nach seinem jüngsten Wechsel von Servette zu Kloten – der Deal wurde unmittelbar nach dem Cup-Duell zwischen den beiden Mannschaften am vergangenen Dienstag besiegelt – muss Schwendener nun drei Spiele pausieren, ehe er frühestens am 18. Januar in Lugano für die Kloten Flyers zum Einsatz kommen könnte.

Sein Aufenthalt in der Flughafenstadt ist vorderhand bis Ende Monat terminiert. Wie es danach weitergeht, steht in den Sternen. Von einer Rückkehr nach Davos bis zum Verbleib in Kloten oder einem Comeback in Genf liegt alles im Bereich des Möglichen. Man darf davon ausgehen, dass sich für Janick Schwendener wieder ein Türchen öffnet.

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