Eishockey
Nützen Kloten nun auch die sechs Gratis-Punkte nichts mehr?

Was die Kloten Flyers momentan auch versuchen, es scheint ihnen nichts zu gelingen und der Weg geht immer weiter die Tabellenleiter hinab. Martin Gerber ist Klotens letzte Hoffnung – auf einen vorzeitigen Liga-Erhalt.

Klaus Zaugg
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Klotens Simon Bodenmann (h.) wird von Ambri mit Fabian Lüthi um wichtige Punkte im Kampf um die Playoffs gebracht.

Klotens Simon Bodenmann (h.) wird von Ambri mit Fabian Lüthi um wichtige Punkte im Kampf um die Playoffs gebracht.

KEYSTONE

Die Kloten Flyers verlieren in Ambri 3:5. Die Redewendung ist ungefähr seit 1700 im Umlauf: «Es führen viele Wege nach Rom.» Der Ursprung: Rom als Zentrum der alten Welt und der Katholischen Kirche. Nun gibt es nach gut 300 Jahren eine neue Redewendung: «Es führen alle Wege in Klotens Niederlage.» Der Ursprung: Die Kloten Flyers im Januar 2014 als Zentrum alles Unglücks in der helvetischen Hockeywelt. Seit Sean Simpson am 19. Dezember die Mannschaft übernommen hat, kann sie spielen wie sie will. Defensiv oder offensiv. Passiv oder aggressiv. Schnell oder langsam – sie findet am Ende fast immer einen Weg in die Niederlage. In elf Partien unter dem WM-Silberhelden hat Kloten erst gegen die Lakers (!) nach 60 Minuten gewonnen.

Gestern bahnten sich die Zürcher den Weg in die 9. Pleite selber. Nach 86 Sekunden führen sie zwar durch einen Treffer des neuen Ausländers Jonas Dnersson 1:0. Aber noch vor Ablauf der 9. Minute liegt Ambri 3:1 vorne. Dieses erste Drittel ist das schlechteste seit der Amtsübernahme des ehemaligen Nationaltrainers und besiegelt die Niederlage.

In jeder Beziehung unterlegen

Bisher hatte der Vorjahresfinalist meistens taktisch und auch sonst besser gespielt, hätte den Sieg eigentlich verdient und am Ende doch einen Weg in die Niederlage gefunden. Diesmal war Kloten zum ersten Mal unter Sean Simpson in jeder Beziehung zu wenig gut für den Sieg.

Es ist ein grosser Sieg für Ambri, das die letzten sechs Heimspiele gegen diesen Gegner verloren hatte. Sogar unter dem legendären Tomas Tamfal, den so viele für den schlechtesten Trainer der Klubgeschichte hielten, siegte Kloten in Ambri in der Saison 2012/13 4:1 und 5:3. Als was geht wohl Sean Simpson einmal in die Geschichte des dienstältesten NLA-Unternehmens (seit 1962 in der NLA) ein?

Aber wir sind vom Thema abgekommen: Es ist ein grosser Sieg für Ambri, weil diese drei Punkte die Chancen auf die Playoffs zurückbringen: Ambri hat zu Fribourg aufgeschlossen und hat nur noch drei Punkte Rückstand auf Biel und den 8. Platz. Ein Spieler symbolisiert diese Rückkehr ins Playoffgeschäft. Nein, nicht der dreifache Torschütze Alexandre Giroux. Sondern Torhüter Sandro Zurkirchen. Er hatte die Bühne am 27. November 2014 nach einem 3:2 n.V. gegen Zug wegen einer schweren Knieverletzung verlassen. Gestern ist er zurückgekehrt. Den ersten Schuss liess er noch zum 0:1 passieren – doch dann hexte er sein Team zu diesem grossen, wichtigen Sieg.

Liegts am Torhüter?

Es führen nicht nur viele Wege nach Rom. So verschiedene Wege Kloten auch in die Niederlage finden mag – es führen am Ende auf Umwegen doch alle Analysen zum gleichen Punkt: Der Gegner hatte den besseren Torhüter. Ein grosser Goalie hätte gestern höchstens einen Treffer kassiert – den letzten ins leere Gehäuse. Ein guter Goalie maximal zwei. Ein durchschnittlicher Goalie vielleicht drei. Janick Schwendener aber musste viermal hinter sich greifen. Auf der Bank sass erstmals in diesem Jahr der verwundete alte Löwe Martin Gerber (41).

Noch ist er nicht zum Einsatz gekommen. Er ist inzwischen die letzte Hoffnung der Kloten Flyers. Nicht auf die Playoff-Teilnahme. Sondern auf die vorzeitige Sicherung des Liga-Erhaltes in der Abstiegsrunde. Sieben Punkte Rückstand auf Biel, vier auf Ambri und Fribourg – da helfen am Ende wahrscheinlich auch die sechs «Gratis-Punkte» nicht mehr, mit welchen die Zürcher aus den zwei Direktbegegnungen mit den Lakers noch rechnen dürfen. Das ist wirklich bitter.