Eishockey
NLA-Topskorer dank 67 Punkten - und doch denkt Bouchard nur ans Team

EVZ-Stürmer Pierre-Marc Bouchard ist keiner, der das Rampenlicht sucht. An der Topskorer-Ehrung der Liga war er es als bester Skorer der abgelaufenen Qualifikation halt eben doch.

Calvin Stettler, Bern
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Pierre-Marc Bouchard wurde mit seinen 67 Punkten zum Qualifikations-Topskorer

Pierre-Marc Bouchard wurde mit seinen 67 Punkten zum Qualifikations-Topskorer

KEYSTONE

So richtig wohl fühlt sich Pierre-Marc Bouchard im stillgelegten Tram-Depot nicht. Jene Stilsicherheit, die ihn auf dem Eis auszeichnet, lässt er im Anzug vermissen. Bouchard ist Kanadier, klein gewachsen, einer, der das Rampenlicht nicht sucht. Auch deshalb sagt er regelmässig Sätze wie diesen, dass auch die anderen Grosses geleistet hätten. Auch darum will er sich vor der Playoff-Serie gegen Lugano auf keinen Spieler festlegen, dem man besondere Beachtung schenken müsse. «Lugano hat viele gute Spieler», sagt er.

Es ist ein regnerischer Montagnachmittag in der Peripherie Berns. Der Hauptsponsor der Liga ehrt die Topskorer aller 12 NLA-Equipen. Für jeden Skorerpunkt fliessen 200 Franken in die Nachwuchsabteilung. 109'200 Franken werden insgesamt ausgeschüttet. Den grössten Check nimmt ausgerechnet Bouchard entgegen. Einer, der lieber seine Kollegen in Szene setzt, als selber zum Sololauf anzusetzen. Einer, der sich nicht daran labt, wenn die Fans in der Halle seinen Namen dreimal hintereinander skandieren. Bouchard ist kein Hauptdarsteller, er ist Regisseur.

Schon immer ein Teamplayer

67 Punkte sammelte Bouchard in den 50 Qualifikationsrunde, das generiert 13'400 Franken für den EVZ-Nachwuchs. Und reichlich Respekt, denn sein Punktewert setzt sich aus zwölf Treffern und 55 Assists zusammen. Bouchard verkörpert den Teamgedanken. «Das war immer so», kommentiert er seine Spielveranlagung. Sein Vater habe ihm immer nahegelegt, teamorientiert zu handeln. Auf dem Eis und auch daneben. Dass dies Erfolg bringt, hat Bouchard schon im jungen Alter gemerkt. Der Junge aus der kanadischen Provinz Quebec wurde 2002 in der ersten Runde an achter Stelle von den Minnesota Wild gedraftet. Seine Übersicht, seine uneigennützigen Züge, sein Hang zum Überraschenden, all das liess ihn auf 365 Skorerpunkte in der NHL kommen.

Mehrere Hirnerschütterungen bremsten aber die Karriere des Regisseurs. Im Winter 2013 fand sich Bouchard plötzlich im Depot der NHL wieder: in der American Hockey League. Die raue Rekrutierungsliga war nichts für den zierlichen Kanadier mit dem 360-Grad-Blick. Bald lag die Offerte aus der Schweiz auf dem Tisch, der EV Zug wollte den Individualisten.

Marc-André Bergeron, ZSC-Spieler und ehemaliger Teamkollege in Minnesota, war einer, der Bouchard vom Schweizer Eishockey berichtete – nur Positives. So wechselte der Kanadier im Sommer 2014 nach Zug und überzeugte schon in seiner Debütsaison mit 51 Punkten. In seiner zweiten Spielzeit in der Schweiz sind es nun also 16 mehr, nur sechs Skorerpunkte fehlten, um den Rekord zu brechen.

Kanadier und Schweizer Fleisch

Das Schweizer Hockey behagt dem klein gewachsenen Center. «In der Schweiz werden die Schwerpunkte auf das Tempo und den Puckbesitz gelegt», erklärt Bouchard. Dass nicht wie in Nordamerika die Physis regiert, kommt dem 31-Jährigen entgegen. Es sei der beste Entscheid gewesen, in die Schweiz zu kommen. Auch, weil sich die Familie besonders wohlfühle. Den hohen Lebensstandard nennt er als erstes Argument.

An diesem Nachmittag werden die Eigenschaften der Topskorer zusätzlich in pointierten Werbeplakaten inszeniert. Der EVZ-Stürmer wird mit Schweizer Fleisch gleichgesetzt: Bouchard, alle anderen sind für ihn Beilage. Ein Slogan, den Bouchard selbst nie so formulieren würde. Darum erstaunt es nicht, dass er bekräftigt, dass es nie sein Ziel war, am Ende der Qualifikation hier zu stehen. Bald darf er sich wieder das überstreifen, worin er sich wohlfühlt: die Hockey-Ausrüstung.