«Ich stelle mir eine Welt vor, in welcher Nino Niederreiter an der Seite von John Tavares stürmen darf.» Auf Twitter verfasste diese Nachricht kürzlich ein Fan der New York Islanders. Von jenem Team also, welches Niederreiter im Jahr 2010 an 5. Stelle gedraftet hatte, ihn aber exakt drei Jahre später im Tausch für den mässig talentierten Defensivflügel Cal Clutterbuck an die Minnesota Wild abgab.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass die New York Islanders dieser Tage verzweifelt nach geeigneten Sturmpartnern für ihren Star-Mittelstürmer Tavares suchen. Sie hatten ihn mit Niederreiter in ihren Reihen, machten bei der Förderung des Schweizers aber so ziemlich alles falsch, was man falsch machen kann, verloren die Geduld und gaben ihn schliesslich zu einem vergleichsweisen Spottpreis ab.

Eine gesuchte Spezies

Vier Jahre später gehört Niederreiter in der NHL zu einem der besten «Powerforwards». Jener Spezies von Stürmern, nach der sich in der besten Eishockeyliga der Welt jedes Team die Finger leckt. Grosse, kräftige, furchtlose und gleichzeitig offensivstarke Spieler, die in der Lage sind, die gegnerischen Abwehrreihen physisch zu zermürben und so Raum und Zeit für ihre talentierteren Sturmpartner zu schaffen.

Deshalb schaut man bei den Islanders immer häufiger sehnsüchtig nach Minnesota, wo der Mann spielt, den man einst draftete und der jetzt so gut an die Seite von Superstar John Tavares passen würde.  

Wie gut kennen Sie Nino Niederreiter?

Aber weshalb ist Niederreiter in dieser Saison so gut wie nie zuvor? Mit 36 Punkten (15 Tore) in 48 Spielen ist er auf bestem Weg, seine Skorer-Bestmarke aus der letzten Saison (43 Punkte in 82 Spielen) zu pulverisieren. Es gibt mehrere Gründe. Einerseits brauchen Spielertypen wie der Churer erfahrungsgemäss vier Jahre, ehe sie damit beginnen, ihr Potenzial voll auszuschöpfen. Nur Riesentalente wie Auston Matthews oder Connor McDavid schlagen auf Anhieb voll ein in der NHL.

Weiter hat Niederreiter der Trainer- und Philosophiewechsel bei den Minnesota Wild geholfen. Er musste unter Mike Yeo, der Mitte letzte Saison entlassen wurde, um jede Minute Eiszeit kämpfen. Der neue Headcoach Bruce Boudreau lässt generell ein offensiveres Eishockey spielen, womit automatisch auch Niederreiters Einfluss grösser wurde. Zu Gute kam dem 24-Jährigen auch die Tatsache, dass die Wild mit Eric Staal einen zweiten Spielmacher neben Captain Mikko Koivu verpflichteten.

Mit dem Kanadier versteht sich der Bündner blendend und bildet so eine zweite, sehr torgefährliche Sturmlinie für die Wild, welche in dieser Saison zu den offensivstärksten und erfolgreichsten NHL-Teams gehören.

So gut ist Nino Niederreiter: Der Bündner im Highlight-Video

So gut ist Nino Niederreiter: Der Bündner im Highlight-Video

Der letzte – und gleichzeitig wohl wichtigste - Grund ist der Umstand, dass Niederreiters Vertrag am Ende der Saison ausläuft. Für ihn ist diese Saison schon aus rein existenziellen Gründen von grosser Bedeutung. «Natürlich ist das letzte Vertragsjahr immer ein ganz wichtiges Jahr. Es wäre gelogen, das zu verneinen. Es hilft natürlich, gerade in diesem Jahr so gut wie möglich zu spielen und konstant zu sein», sagte der Schweizer in einem Interview mit der Internet-Plattform nhl.com.

Sein aktueller Dreijahresvertrag brachte ihm pro Saison 2,67 Millionen US-Dollar ein. Beendet er die laufende Qualifikation im Bereich zwischen 50 und 60 Skorerpunkten und zeigt er auch noch in den Playoffs überzeugende Leistungen, dann könnte ein Mehrjahresvertrag mit einem durchschnittlichen Jahressalär mit bis zu 5 Millionen im Bereich des Möglichen liegen. Angesichts des Verhandlungsgeschicks seines Agenten Andy Rufener dürfte Niederreiter sicher nicht zu kurz kommen.

Auch die Gefahr, dass ihn Minnesota im Expansionsdraft an das neue NHL-Team Las Vegas verliert, ist minim, da der Bündner in der aktuellen Verfassung garantiert zu den Spielern gehören wird, die die Wild vor dem Zugriff der «Black Knights» schützen.

Der Traum vom Stanley-Cup

Der kommende Sommer ist vorderhand aber noch weit weg. Bei den Minnesota Wild träumt man angesichts der bisher hervorragenden Leistungen in der laufenden Saison zurecht vom Gewinn des Stanley Cups. Bei den New York Islanders bleibt die Rückkehr des verlorenen Sohns aber mit Sicherheit ein Traum.