Eishockey
NHL-Schweizer: Lieber Playoffs als WM

Seit Mittwoch sind die NHL-Playoffs im Gang. Nur noch drei Schweizer sind mit ihren Teams dabei: Roman Josi (Nashville), Nino Niederreiter (Minnesota) und Mark Streit (Philadelphia). Sie alle wären bei der Eishockey-WM in Moskau eine grosse Verstärkung für die Schweiz.

Marcel Kuchta
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Roman Josi spielte eine starke Qualifikation und hofft nun auf Erfolg in den Playoffs.

Roman Josi spielte eine starke Qualifikation und hofft nun auf Erfolg in den Playoffs.

KEYSTONE/AP/MARK HUMPHREY

Auch wenn er es so in der Öffentlichkeit natürlich nie zugeben würde: Patrick Fischer, der Trainer der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft, ist dieser Tage wohl der grösste Fan der Anaheim Ducks. Nicht, weil er die Enten besonders toll findet. Sondern ganz einfach darum, weil sie den Weg frei machen könnten für eine WM-Teilnahme von Roman Josi. Dessen Nashville Predators sind in der ersten Runde der NHL-Playoffs Gegner der Ducks.
Der derzeit mit Abstand beste Schweizer Eishockey-Spieler hat seine Bereitschaft, im Falle eines frühzeitigen Ausscheidens seiner Mannschaft der Schweiz an der WM in Moskau zur Verfügung zu stehen, durch die Blume schon lange kundgetan.

Aber Roman Josi hat derzeit ganz anderes im Sinn, als im Mai nach Russland zu reisen. Im Gegenteil: Er will mit den Predators endlich mal in die Tiefen der NHL-Playoffs vorstossen – und wenn möglich um den begehrten Stanley-Cup spielen. 2012 erreichte er mit Nashville immerhin die 2. Runde, wo dann aber Endstation war. 2013 und 2014 verpassten die «Jäger» die Playoffs, letztes Jahr war bereits nach der ersten Runde wieder Schluss.
Obwohl die Anaheim Ducks in dieser Saison eine sehr hohe Hürde darstellen – sie waren das erfolgreichste Team des neuen Kalenderjahrs –, dürfen sich die Nashville Predators durchaus Chancen auf einen Überraschungscoup ausrechnen. Den ersten Schritt dazu machten sie bereits im ersten Duell, das sie mit 3:2 zu ihren Gunsten entschieden.

Und das hängt in hohem Mass mit Roman Josi zusammen. Der 25-Jährige hat eine fantastische Qualifikation hinter sich. Mit 61 Skorerpunkten (14 Tore, 47 Assists) hat er den alten Verteidiger-Rekordwert der Predators, der von Josis Defensiv-Partner, Freund und Captain Shea Weber gehalten wurde, deutlich verbessert und war ligaweit der viertbeste Verteidiger.

Wird Josi zum besten NHL-Verteidiger gewählt?

Von allen fast 900 zum Einsatz gekommenen NHL-Spielern stand der Schweizer mit 25 Minuten und 29 Sekunden pro Spiel auf Platz 8 der Eiszeit-Rangliste. Kein Wunder, gehört der Berner zum Kreis der aussichtsreichsten Kandidaten auf die Norris-Tophy, mit welcher der beste Verteidiger der NHL ausgezeichnet wird.
Den Schweizer NHL-Punkterekord verpasste Roman Josi nur hauchdünn. Den hält immer noch Mark Streit, der in der Saison 2007/2008 für die Montreal Canadiens 62 Punkte sammelte (13 Tore, 49 Assists). Der mittlerweile 39-Jährige gehört ebenfalls zum eisgenössischen Trio, welches den Sprung in die Playoffs als Stammspieler geschafft hat.

Die Philadelphia Flyers mussten bis zum vorletzten Tag der langen Qualifikation zittern, ehe sie sich über die Teilnahme am Meisterrennen freuen durften. Mark Streit gehört in der Flyers-Defensive nach wie vor zu den Stammkräften, hat aber nicht mehr dieselbe Rolle in der Offensive wie noch letzte Saison.

Deshalb fiel seine Punkteausbeute mit 23 Zählern (6 Tore, 17 Assists) vergleichsweise mager aus. Da die Flieger in der ersten Runde auf das beste Quali-Team, die Washington Capitals, treffen, ist Streit ein heisser WM-Kandidat für Patrick Fischer – wenn er denn will. Das erste Playoff-Duell gewannen die Caps 2:0, das zweite fand in der Nacht auf heute statt.
Auch die Mannschaft von Nino Niederreiter, die Minnesota Wild, ging im ersten Playoff-Duell gegen die Dallas Stars leer aus (0:4, das zweite Spiel in der Nacht auf heute). Der Bündner wäre für Patrick Fischers Moskau-Mission zweifellos auch eine willkommene und nötige Verstärkung.

Und die Chancen stehen nicht schlecht, dass der kräftige Stürmer an der WM das Schweizer Dress tragen wird. Einerseits gehören die Dallas Stars zu den talentiertesten und besten NHL-Teams und erhalten mit dem nach einer Verletzungspause zurückkehrenden Tyler Seguin noch eine willkommene Verstärkung. Andererseits fehlt Minnesota mit Superstar und Captain Zach Parise der wichtigste Spieler. Eine schwierige Mission für Nino und Co.

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