Analyse
Neuer Cup-Wettbewerb geht auf Kosten der Clubs

Wir erleben mit der Wiedereinführung des Cups im Eishockey gerade einen historischen Augenblick. Zum ersten Mal wird ein Wettbewerb ausschliesslich des Geldes wegen veranstaltet. Aber auf Kosten der Klubs.

Klaus Zaugg
Klaus Zaugg
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Wir erleben mit der Wiedereinführung des Cups im Eishockey gerade einen historischen Augenblick (Archivbild).

Wir erleben mit der Wiedereinführung des Cups im Eishockey gerade einen historischen Augenblick (Archivbild).

Keystone

Die Cup-Idee stammt von Armin Meier. Der ehemalige Radprofi ist Chef der Vermarktungs-Agentur InfrontRingier. Er wollte ins blühende nationale Hockey-Business einsteigen. Aber alle Honigtöpfe waren besetzt. Die Nationalmannschaft, der Spengler-Cup, die Meisterschaft. Also hat er einen Wettbewerb erfunden. Den Cup.

Es hat den Cup im Eishockey bereits früher gegeben. Zu Zeiten, als die Meisterschaft in weniger als 30 Partien ausgespielt wurde und ein Meisterteam weniger als 1,5 Millionen kostete. Mangels Interesse ist dieser Cup vor 42 Jahren verschwunden. Eine Wiedereinführung haben Funktionäre und Manager seither abgelehnt. Weil der Terminkalender mit 50 Qualifikationsspielen, Playoffs, europäischen Wettbewerben, Länderspielen, Spengler-Cup und WM voll ist.

Eine Plattform zur Selbstdarstellung – eine sportliche Chilbi

Aber eben: Geld macht es möglich. Der Cupsieger kann 225’000 Franken Preisgeld verdienen. Und in der ersten Runde erhalten alle Teilnehmer ein Startgeld von 20’000 Franken. Für die Erstligisten ist die Cupteilnahme ein gutes Geschäft. Eine Plattform zur Selbstdarstellung. Eine Sport-Chilbi. Aber der Cup ist kein gutes Geschäft für die NLA-Klubs. Die NLA hat den höchsten Zuschauerschnitt Europas. Die Schweiz ist eines der wenigen Länder, in denen Eishockey im nationalen Geschäft auf Augenhöhe mit dem Fussball steht. Die NLA ist eine der wertvollsten Marken im Hockey-Business.

Nun hat sich diese hochwertige Liga zu einem Cup-Wettbewerb ohne jeden sportlichen Wert verführen lassen. Der Rubel rollt. Weil InfrontRingier zum Medien-Gemischtwarenladen Ringier gehört, bekommt der Cup durch die Medienmaschine («Blick», «SonntagsBlick») entsprechende Medienpräsenz auf Papier und Online. Nicht mehr der sportliche Wert bestimmt also eine Berichterstattung, sondern nur das Geschäftsinteresse. Aber eben: Der Rubel rollt nur für InfrontRingier. Nicht für die Klubs. Armin Meier hat erstaunliche Werbeverträge herausgeholt. Sie sind auf drei Jahre mit steigenden Summen ausgelegt.

Alleine der Cup-Hauptsponsor (Zürich Versicherungen) zahlt bereits im ersten Jahr 1,4 Millionen Franken. Insgesamt hat Meier bereits Werbung für etwas mehr als 2,5 Millionen verkauft. Meier ist eben ein schlauer Trendsetter. Er hat erkannt, dass im nationalen Hockeygeschäft neue Einnahmequellen gesucht werden. Mit dem Cup hat er die Klubs spottbillig bekommen. Die Gesamt-Preisgeldsumme für die 32 Cup-Teilnehmer in der Höhe von 1,5 Millionen mag ja auf den ersten Blick beeindruckend sein. Aber auf den zweiten Blick wird klar, dass sich die Klubs viel zu billig verkauft haben. Marc Lüthi & Co. hätten doppelt so viel herausholen können – ja sogar müssen.

Die Klubmanager haben sich schon wieder über den Tisch ziehen lassen

Es gibt im Hockey-Business, im Gegensatz zum Fussball, keine internationalen Verdienstmöglichkeiten. Internationale Transfers (etwa in die NHL) bringen kein Geld in die Klubkasse. Die Manager sind fasziniert von der Fussball-Geldmaschine Champions League. Aber im Eishockey rentiert ein europäischer Wettbewerb nicht. Die neue, soeben lancierte Champions Hockey League kann keine Zusatzeinnahmen bescheren. Im Gegenteil: Sie kostet nur. Es ist schon erstaunlich, wie sich die sonst so cleveren Klubgeneräle über den Tisch ziehen lassen. Für einen Cup, der nur dem Vermarkter richtig Kohle bringt, und für einen europäischen Wettbewerb, der noch
in hundert Jahren nicht richtig rentieren wird.

Die Beschränkung auf den nationalen Markt zwingt die Hockey-Manager dazu, so viele Spiele wie möglich zu veranstalten. Noch immer sind die Zuschauereinnahmen mit Abstand die grösste Geldquelle. Die Gleichung «Mehr Meisterschaftsspiele = mehr Einnahmen» geht immer noch auf. Aber es macht wenig Sinn, den Terminkalender mit einem sportlich wertlosen Cup und einer Champions League noch weiter zu belasten. Viel sinnvoller wäre deshalb die Konzentration aufs Kerngeschäft NLA, den Ausbau der Qualifikation von heute 50 auf 66 Partien. Das wäre die unspektakulärste, einfachste, konservativste aber mit Abstand einträglichste und beste Lösung.