Schlüsselspieler wie Roman Wick oder Julien Sprunger kommen nicht mehr in die Nationalmannschaft, obwohl sie im besten Alter sind.

Raeto Raffainer: Was die Attraktivität der Nationalmannschaft angeht, bin ich mit dem Commitment unserer Spieler sehr zufrieden. Wenn wir über die Landesgrenzen hinausschauen, so haben andere Nationen viel stärker mit gewichtigen Absagen zu kämpfen. Selbstverständlich wären Julien Sprunger oder Roman Wick weiterhin willkommen. Aber sie haben bereits viel für die Nationalmannschaft geleistet. Deshalb akzeptieren wir diese Entscheide, auch wenn wir sie bedauern.

Das Programm der Spieler wird immer umfangreicher mit Meisterschaft, Cup, Champions League und Spengler-Cup. Die Nationalmannschaft ist nur noch ein Anhängsel.

Nein! Für eine starke Liga brauchen wir eine starke Nationalmannschaft und umgekehrt. Das Schweizer Eishockey muss als grosses Bild gesehen werden. Swiss Ice Hockey und die Klubvertreter haben dieses grosse Bild vor Augen. Wir haben zusammen einen Weg gefunden, sodass alle Formate und Bedürfnisse einen Platz haben.

Auf die Nationalmannschafts-Zusammenzüge während der Saison kann man verzichten. Die eigentliche Vorbereitung auf die WM reicht völlig.

Das Schweizer Eishockey hat seit Jahrzehnten davon profitiert, dass wir während den November- und Dezemberzusammenzügen verschiedenen Spielern die Chance geben konnten, sich auf internationalem Niveau zu präsentieren, Erfahrungen zu sammeln und sich dabei zu verbessern. Davon profitieren dann auch wieder die Klubs. Zudem wird während der Zusammenzüge das Spielsystem optimiert und abgestimmt. Der Februartermin dient seit langem der Sichtung junger Spieler. Ohne diese Zusammenzüge würden wir in Zukunft Schwierigkeiten haben, uns in den Top Ten der Welt zu halten.

Patrick Fischer muss den Beweis noch liefern, dass er der richtige Mann an der Bande unseres Nationalteams ist.

Ich bin überzeugt, dass er der Richtige ist. Fischer hat den sportlichen Lead übernommen, als das Programm seitens Spieler und Klubs stark unter Druck gekommen war. Heute bekennen sich Klubs und Spieler wieder zur Nationalmannschaft. Er hat also enorm identitätsstiftend gewirkt. Die Basis für eine erfolgreiche Schweizer Nati ist nun wieder vorhanden. Jetzt müssen diese Massnahmen an der WM im Mai 2017 sportlich Früchte tragen und sich in positiven Resultaten niederschlagen.

Mit der Verpflichtung von Tommy Albelin als Assistent wurde Fischers Autorität untergraben.

Nein. Wir haben einen Assistenten für unsere Mannschaft gesucht, der das Rüstzeug mitbringt, unsere Defensive und das Spiel ohne Scheibe zu stärken. Er ist sowohl vom Know-how als auch als Persönlichkeit eine Bereicherung für unseren Coaching-Staff. Albelin war auf dem Markt und hatte auch Angebote, als Headcoach zu arbeiten. Er entschied sich aber bewusst für die Stelle als Assistent bei uns und ist damit sehr glücklich.

Das Swissness-Experiment mit Headcoach Fischer sowie den Assistenten Hollenstein und von Arx ist gescheitert.

Nein. Alle Headcoach-Positionen unserer Nationalteams sind weiterhin mit Schweizern besetzt. Neu sogar mit drei vollamtlichen Trainern. Wir werden in Kürze einen weiteren vollamtlichen Schweizer Trainer für die U16/U17 anstellen.

Die Argumente dafür, dass die Schweizer Nationalmannschaft an der nächsten WM wieder einen Schritt nach vorne macht, sind dünn gesät.

Ich bin zuversichtlich, dass wir in Paris einen Schritt nach vorne machen werden. Einerseits ist das Commitment und Engagement der Spieler, für unsere Nationalmannschaft und für Patrick Fischer zu spielen, vorhanden. Andererseits arbeitet Fischer sehr hart, um aus jedem Spiel die richtigen Schlüsse zu ziehen und unser System weiterzuentwickeln. Sehr wichtig auch: Verletzungen und die Ergänzung mit NHL-Söldnern spielen für Nationen wie die Schweiz eine grosse Rolle – ohne dass man diese beeinflussen kann.

Die WM-Silbermedaille von 2013 hat letztlich mehr geschadet als genützt, weil die Erwartungshaltung nun generell übertrieben gross ist.

Nüchtern betrachtet gibt es in unserer WM-Gruppe vier Plätze für die Viertelfinals. Drei davon sind seit einer gefühlten Ewigkeit von den Top-6-Eishockeynationen besetzt. Die Schweiz kämpft mit den restlichen vier Nationen um den letzten Viertelfinal-Platz. Dies ist die Realität und die wird sich kaum verändern. Der Viertelfinal ist immer unser Ziel. Dieses zu erreichen, ist alles andere als selbstverständlich. 2013 ist in Schweden alles perfekt aufgegangen. Ich denke, es ist im Bereich des Möglichen, dass wir in den kommenden Jahren wieder ein solch perfektes Turnier spielen können. Aber es muss in der kollektiven Wahrnehmung klar sein, dass wir nicht regelmässig solche Exploits erwarten können. Das wäre realitätsfremd.