Eishockey NLA

Nach SCB-Niederlage: Das kluge Schweigen in Zeiten der Schmach

Kari Jalonen liegt mit dem SCB 1:2 zurück.

Kari Jalonen liegt mit dem SCB 1:2 zurück.

Servette führt in der Serie gegen den SC Bern mit 2:1 und lässt sogar dessen Trainer Kari Jalonen verstummen.

Eine Hartgummischeibe rauscht nach 95 Minuten und 49 Sekunden ins Netz von Leonardo Genoni und bringt die grösste Zuschauerkulisse Europas kurz vor Mitternacht zum Schweigen. Der himmelhohe Favorit SC Bern verliert nach dem Startspiel (0:2) auch die zweite Heimpartie gegen den krassen Aussenseiter Servette.

Diesmal in der Verlängerung 2:3. Es ist das zweitlängste Spiel in der Geschichte unseres Hockeys. Nur oben im Gäste-Fansektor wird gesungen und gefeiert. Doch in der grössten Arena Europas verliert sich dieser organisierte Lärm wie ein paar Pfiffe von Zugvögeln, die im Regen auf den Abflug nach Süden warten.

Kalt geduscht wird auch Kari Jalonen. Der 59-jährige Finne mahnt ein wenig an einen in die Jahre gekommenen, etwas medienscheuen Jürgen Klopp des Eishockeys. Eigentlich kommt er nach jeder Partie aus dem Fuchsbau der Kabine heraus und gibt auf noch so freche Fragen staubtrockene Antworten.

Vorbei ist noch nichts

Aber nach gut einer halben Stunde und lange nach Mitternacht meldet SCB-Mediendirektor Christian Dick, der Chef geruhe nicht zu sprechen. Die Pleite ist dem knorrigen Finnen in die Seele gefahren. Sein Entscheid, jetzt nicht zu reden, ist klug. Was hätte er denn sagen sollen? Weil er ehrlich ist, hätte er sagen müssen, die Intensität sei ungefähr diejenige eines Vorbereitungsspiels im August gewesen.

Es sei nicht so, dass man den Gegner unterschätzt habe. Es sei schlimmer: Man habe sich selbst überschätzt. Und es sei ganz einfach eine Schmach, gegen diese «Miserablen» aus Genf schon zum zweiten Mal zu verlieren. Die Hälfte der Spieler würde er als für den SCB unbrauchbar taxieren.

Aber so darf natürlich niemand reden. Kari Jalonen hätte «Kreide fressen» und mit Engelszungen den Gegner rühmen müssen. Also hat er wie ein echter Gentleman lieber geschwiegen. Vorbei ist ja noch nichts.

Ein Wendepunkt?

Die Geschichte lehrt, dass ein Titan, der in der ersten Runde eine schwere Krise überwindet, anschliessend kaum mehr zu stoppen ist. Der EV Zug holte seinen ersten Titel, nachdem das siebte Viertelfinalspiel gegen die schon damals «Miserablen» aus Rapperswil-Jona erst in der Verlängerung gewonnen worden war. Und 2013 wurde der SCB Meister, als er im Viertelfinal gegen Servette noch viel schlimmer dran war und mit 1:3 Siegen zurücklag.

Am Ende einer Meisterschaft erkennen wir immer Schlüsselmomente. Ein Spiel, manchmal ist es sogar nur eine Szene, als Wendepunkt. Von da an geht es in die richtige Richtung. Dieses schmähliche 2:3 n.V. kann ein solcher Wendepunkt sein. Wenn diese Niederlage dazu führt, dass nun der wahre, der echte SCB auftreten wird, dann werden wir hinterher sagen, dass in der Hitze dieses Viertelfinals der neue Meister gebacken worden ist.

Jetzt muss etwas gehen

Wenn nicht, dann ist es das Ende der grossen SCB-Dynastie mit zwei Titeln und drei Qualifikationssiegen in vier Jahren. Und die grösste Niederlage des Welttrainers Kari Jalonen. Noch ist für den SCB alles möglich. Auch der Titel. Aber es braucht ab sofort mehr als ein paar «Folklore-Checks» von Tristan Scherwey. Thomas Rüfenacht sollte endlich mehr sein als bloss ein Maulheld. Andrew Ebbett muss wieder ein Leitwolf werden. Und schliesslich und endlich ist der SCB auf einen Leonardo Genoni angewiesen, der besser ist als Robert Mayer. Das war bisher nicht der Fall.

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