Sowohl Janis Moser als auch Kuraschew nahmen nach der WM-Nomination das Wort "unglaublich" in den Mund. Zwar war es nach deren Leistungen in der Vorbereitung keine Überraschung, dass die beiden in der Slowakei dabei sind, dennoch sind es spezielle Geschichten. Moser bestritt vor der Spielzeit 2018/19 erst zwei Partien in der National League. Doch nachdem sich der Bieler Abwehrpatron Beat Forster im vergangenen September kurz vor dem Saisonstart am Knie verletzt hatte, kam Moser regelmässig zum Einsatz. Der 18-Jährige nutzte die Chance im Stile eines Routiniers, agierte mit einer für dieses Alter aussergewöhnlichen Abgeklärtheit. "Da er das Spiel sehr gut liest, ist er nie gross in schwierigen Situationen", so Fischer.

Neben dem Eis wirkt Moser (noch) etwas scheu. Sein Motto in der Vorbereitung lautete: "Einfach spielen und Spass haben." Er habe von Anfang an versucht, nicht zu viel nachzudenken, sondern im Moment zu bleiben. "Wenn es Spass macht, dann kommt alles gut", sagte Moser. Diese Aussagen sprechen für mentale Stärke. Arbeitet er speziell in diesem Bereich? "Ich habe ein gutes Buch, das ich lese. Und manchmal meditiere ich."

Dass er Eishockey spielt, hat auch mit einem Missgeschick zu tun. Moser begann zunächst mit Fussball. Dabei stand er einmal dem Trainer unglücklich auf den Fuss, worauf dieser stark verärgert reagierte. Moser bekam Angst und wollte etwas Neues probieren. Er versuchte es mit Eishockey, das ihn sofort packte. Das grosse Vorbild ist NHL-Verteidiger Roman Josi, weshalb er in Biel dessen Nummer 90. Nun spielt er mit Josi im selben Team, was für ihn ein unbeschreibliches Gefühl ist.

Die NHL könnte auch für Moser schon bald ein Thema werden. Es würde nicht erstaunen, wenn er im kommenden Draft früh zum Handkuss käme, umso mehr, wenn er auch in der Slowakei brilliert. Allerdings muss er noch an Masse zulegen, wiegt er doch bei einer Grösse von 1,83 m lediglich 72 Kilogramm. Deshalb ernährt er sich nach einem vom Klub speziell zusammengestellten Plan. Kann er dieses Manko sinnvoll beheben, dürfte einer grossen Karriere nichts im Weg stehen.

Goalie-Legende Patrick Roy von Kuraschew überzeugt

Bezüglich NHL bereits einen Schritt weiter ist Philipp Kuraschew, der im März bei den Chicago Blackhawks einen Entry-Level-Vertrag über drei Jahre unterschrieben hat. Dessen Trainer beim Juniorenteam Québec Remparts, Patrick Roy, traut ihm schon in der kommenden Saison den Schritt in die beste Liga der Welt zu. Und der frühere Top-Goalie, von 2013 bis 2016 Headcoach der Colorado Avalanche, weiss genau, wovon er spricht.

Fischer bezeichnete Kuraschew als "schlauen Spielmacher, der den Puck gut abdeckt." Dennoch ist es erstaunlich, dass er den Sprung ins WM-Team geschafft hat, da er erst sieben Ernstkämpfe gegen Erwachsene bestritt - drei in der AHL und vier mit dem Nationalteam. Ansonsten spielte er in den letzten drei Jahren bei den Remparts, für die er in der abgelaufenen Saison in 66 Partien 30 Tore und 40 Assists erzielte. An der letzten U20-WM war er mit sechs Treffern der beste Torschütze des Turniers und wurde ins All-Star-Team gewählt.

"Bei Philipp wussten wir nicht, was uns erwartet, wie er seine Fertigkeiten gegen Männer umsetzen kann", so Fischer. "Wir merkten aber schon in den Trainings, dass er sehr gut unterwegs ist. Darum überraschte es mich nicht, dass er gute Partien zeigte." So reihte er sich gleich im ersten Länderspiel gegen Frankreich (6:0) unter die Torschützen ein. Kuraschew, dessen Vater aus Russland stammt und aktuell Trainer des EHC Chur ist, führte die unproblematische Adaption unbescheiden auf die guten Mitspieler zurück, "die mir sehr geholfen und es mir einfacher gemacht haben". Nun ist er bereit, auch an der WM zu überraschen.