Ungewohnte Gesichter bevölkerten den Interview-Raum des SC Bern nach dem fünften Viertelfinalduell gegen Servette (4:3 n.V.). Da tauchte einerseits Doppeltorschütze Daniele Grassi auf. Und natürlich der Schütze des entscheidenden Treffers in der Verlängerung, Verteidiger Yanik Burren.

Der 22-Jährige hatte mit seinem Distanzschuss, der den Weg ins Tor der Genfer fand, in der 8. Minute der Overtime für eine Explosion der Glücksgefühle in der Postfinance-Arena gesorgt. Aber diese Emotionen in Worte fassen? Da tun sich die «Hinterbänkler», die ansonsten nur Nebenrollen spielen, logischerweise schwer.

Die Hinterbänkler geben Schub

Aber das ist alles ja auch nur sekundär, wenn dafür auf dem Eis die Performance stimmt. Und wenn dann auch noch SCB-Captain Simon Moser eine Lobeshymne auf die Herren Grassi, Burren, André Heim (der das wichtige 3:3 erzielte), Sandro Brügger (Visp-Leihspieler, der nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Gaetan Haas zum Einsatz kam) und Co. anstimmt, dann ist das sowieso der eigentliche Ritterschlag:

«Unsere vierte Linie ist unser Motor im Moment. Diese Jungs spielen so, wie wir eigentlich alle spielen müssten», befand Moser nach dem einmal mehr hart umkämpften Duell gegen die personell dezimierten, aber unglaublich zähen Genfer. Oder anders ausgedrückt: Der SC Bern funktioniert momentan wie ein Auto mit Hinterradantrieb. Die Hinterbänkler geben Schub. Die Leistungsträger des Teams, also quasi der Vorderradantrieb, rollen nur mit.

19 Anläufe, 0 Treffer

Dass auch diese Partie erst in der Verlängerung entschieden wurde, war unter dem Strich trotzdem absurd. 56:23 lautete das Schussverhältnis zugunsten der überlegenen Berner, denen es aber nicht gelang, den Gegner entscheidend zu distanzieren. Auch nicht, als man nach Grassis Doppelschlag mit 2:0 vorne lag und alles angerichtet war für den ersten, ungefährdeten Sieg in dieser Serie.

Dabei wurde dem SCB fast seine notorische Powerplay-Schwäche zum Verhängnis. Auch nach 19 Anläufen und über 35 Minuten in numerischer Überzahl warten die Berner in den Playoffs immer noch auf den ersten Überzahltreffer. «Wir haben es fast geschafft, uns selber zu schlagen. Wir hatten das Spiel eigentlich unter Kontrolle.

Dann hat uns unser Powerplay den Wind aus den Segeln genommen. Es wäre gescheiter gewesen, wir hätten mit fünf gegen fünf Mann weitergespielt», befand Simon Moser mit einem sarkastischen Unterton.

Doppelte Rückkehr bei Genf

Es war aus Sicht der Berner tatsächlich zum Verrücktwerden. Die Genfer kamen durch zwei eigene Powerplay-Treffer von Jacquemet und einen Shorthander durch Rod aus dem Nichts ins Spiel zurück und führten nach zwei Dritteln mit 3:2.

Es spricht für die Moral des SCB, dass man sich auch durch diese unfassbare Wende nicht aus dem Konzept bringen liess. «Wenn es schlecht läuft, wie im zweiten Drittel, muss man das so schnell wie möglich abhaken. Und wir wussten: Wenn wir so weiterarbeiten, dann zwingen wir das Glück auch auf unsere Seite», blickte Simon Moser zurück.

Nach dem ersten Heimsieg in dieser erstaunlich ausgeglichenen Viertelfinalserie liegen die Vorteile nun wieder aufseiten der Berner. Aber was heisst das schon? Bei den Genfern zeichnet sich im Hinblick auf das Spiel vom Donnerstag die Rückkehr der beiden gesperrten Söldner Daniel Winnik und Tommy Wingels ab.

Das wird ihnen Mut machen. Zumal sie – und das ist eine Überraschung – mit Robert Mayer derzeit den besseren Goalie im Vergleich zu Leonardo Genoni in ihren Reihen wissen. Fragt sich nur, wie weit das Benzin noch reicht bei der McSorley-Truppe. Ohne Treibstoff bleibt jedes Auto stehen.