National League
Meisterlicher Held oder schwedischer Clown?

ZSC-Trainer Wallson ist an einem kritischen Punkt angelangt.

Klaus Zaugg
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Erreicht ZSC-Trainer Hans Wallson seine Spieler noch?

Erreicht ZSC-Trainer Hans Wallson seine Spieler noch?

KEYSTONE/ENNIO LEANZA

Wäre der Trainer der ZSC Lions nicht der Schwede Hans Wallson, sondern der Kanadier John Wall oder gar der Schweizer Hans Maurer, dann wäre er längst gefeuert worden.

Aber bei den «Löwen» hat ein neues Zeitalter begonnen. Das schwedische. Also ist der schwedische Trainer gut. Man möge nicht auf so unbedeutenden September-Resultaten wie einem 1:6 in Lugano oder einem 1:2 gegen Gottéron herumreiten. Am zweitmeisten Tore kassiert? Na und?

Hans Wallson ist mit einer der teuersten Mannschaften Europas in den letzten Playoff-Viertelfinals kläglich an Lugano gescheitert und nun miserabel in die neue Saison gestartet. Es ist ein wenig wie beim Märchen über die neuen Kleider des Kaisers. Alle sehen, dass der Trainer-Kaiser nackt ist. Aber niemand sagt es ihm.

Der neue Sportchef Sven Leuenberger trägt keine Verantwortung für den sportlichen Kurswechsel von der autoritär-kanadischen auf die antiautoritär-schwedische Linie, die nun in die zweite Saison geht. Er hat, unbeabsichtigt, die ganze Absurdität der Situation entlarvt.

Er wird nach der Pleite gegen Gottéron (1:2) über das Spiel befragt. Er erklärt, es sei gegen einen so geschickt organisierten Gegner schwierig zu spielen. Und erläutert kenntnisreich die kluge Taktik von Fribourg-Trainer Mark French.

Kurze Zeit später äussert er sich zur Trainer-Situation bei den ZSC Lions. Er führt aus, es sei eben nicht so einfach, ein neues System einzuüben. Seine Botschaft: Wir sind auf dem richtigen Weg. Lasst uns in Ruhe arbeiten. Wir werden es auf die Reihe bekommen – und dann rockt es. Gut Ding will Weile haben.

In Schweden erfolgreich

Der arglose neutrale Beobachter denkt: Bei Gottéron funktioniert die Taktik. Bei den ZSC Lions noch immer nicht. Gottéron-Trainer Mark French ist seit ein paar Wochen im Amt. Hans Wallson hat bei den ZSC Lions soeben die zweite Saison begonnen.

Wie kann es sein, dass ein Trainer seinen Jungs in ein paar Wochen ein neues System beibringen kann und ein anderer nach mehr als einer Saison noch immer nicht?

Hans Wallson ist nicht irgendwer. Er hat mit Skelleftea in Schweden alles gewonnen. Wer so erfolgreich war, sieht keinen Grund an einem neuen Ort seine Methoden neuen Gegebenheiten anzupassen. Diese Haltung «Hier bin ich, ich bin der Grösste, ich kann nicht anders» dürfte das ZSC-Problem sein.

In seinem Auftreten mahnt Hans Wallson irgendwie an eine schwedische Antwort auf Mike Keenan. Die Methoden mögen gänzlich andere sein. Mike Keenan personifizierte in seinen grossen Zeiten (Stanley-Cup-Sieger mit den Rangers) den autoritären Führungsstil. Hans Wallson setzt auf die Selbstverantwortung der Spieler. Aber in der Überzeugung, im Besitze der Wahrheit zu sein, ähneln sich die beiden.

Mike Keenan hatte in Philadelphia, Chicago und New York Erfolg und scheiterte mit den gleichen Methoden in St. Louis, Vancouver, Boston, Florida und Calgary. Teilweise kläglich. Erst in Russland war er wieder erfolgreich. Hans Wallson war in Skelleftea erfolgreich – und in Zürich bisher mit den gleichen Methoden noch nicht.

Entweder gelingt es ihm doch noch, mit seinem seltsamen Mix aus charismatisch-autoritärem Auftreten und antiautoritären Ideen seine Spieler zu begeistern. Dann wird er ein meisterlicher Held. Oder er scheitert als schwedischer Clown.

Viel Zeit bleibt Hans Wallson aber nicht mehr. Im nächsten Akt des grossen ZSC-Schauspiels wird im Hallenstadion entweder der Triumphmarsch aus der Oper Aida gespielt – oder die Hockey-Götterdämmerung.