EHC Olten
Mehr Tore, mehr Leadership - Justin Feser sieht viel Potenzial für seine Zukunft beim EHCO

Justin Feser will die nächsten zwei Jahre sein Spiel als Center entscheidend verbessern. Der 23-jährige Kanadier sagt: «Olten ist ein guter Ort, mich als Spieler weiterzuentwickeln.»

Michael Forster
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Justin Fesers über die EHCO-Fans: «Die Leute lassen es einen wissen, wenn man nicht gut gespielt hat. Dafür freuen sie sich umso mehr, wenn es uns gut läuft.»

Justin Fesers über die EHCO-Fans: «Die Leute lassen es einen wissen, wenn man nicht gut gespielt hat. Dafür freuen sie sich umso mehr, wenn es uns gut läuft.»

Hansruedi Aeschbacher

Bei gewissen Spielern merkt man erst, wie wichtig sie sind, wenn sie einmal nicht spielen. Justin Feser, der 23-jährige Center des EHC Olten, gehört zu dieser Sorte von Spielern. In seinen ersten drei Jahren beim EHC Olten hat er nur gerade zwei Spiele verpasst – beide Male verzichteten die Trainer kurz vor den Playoffs aus taktischen Gründen auf ihn. Zum einen Scott Beattie 2014, als er auswärts bei den SCL Tigers gleich beide Ausländer pausieren liess, zum anderen Heikki Leime, welcher Feser vor den letzten Playoffs 2015 gegen Thurgau eine kurze Ruhepause gönnte und stattdessen Adam Courchaine zu dringend notwendiger Eiszeit verhalf.

Es mag ein Zufall sein, dass die Oltner bei den Ostschweizern dabei mit 3:6 unter die Räder kamen und eine der schwächsten Saisonleistungen ablieferten. Wieder zurück im Line-up, fertigten Feser und der EHCO in der nächsten Runde die SCL Tigers mit 5:1 ab. Dass der Kanadier also unmittelbar vor Beginn der Playoffs für zwei weitere Jahre an den Verein gebunden werden konnte, ist ein Zeichen mit einer grossen Strahlkraft.

Gegenseitige Wertschätzung

Feser ist der Typ Spieler, an dem man weiss, was man hat. (Noch) Keiner fürs grosse Spektakel – dafür sorgen in Olten andere. Doch das ist auch nicht sein Job. Er hat andere grundlegende Qualitäten: Konstanz sowie eine überaus professionelle Einstellung zu seinem Job. Feser lieferte in seinen drei Jahren EHCO von Anfang an Leistungen auf einem sehr guten Niveau. Und: Er wurde immer besser. Wenn es Ausreisser gab, dann solche nach oben. Obwohl erst 23, ist er der kompletteste Akteur im Kader des EHC Olten. Abgesehen von seiner Unbeherrschtheit gegen Stefan Tschannen, welche ihm zu Jahresbeginn eine Spieldauerdisziplinarstrafe eintrug, sass er in den 45 Qualifikationsspielen ganze sechs Mal auf der Strafbank. Auch, dass bislang meist andere im Rampenlicht standen, spricht irgendwie für ihn. So blühte zum Beispiel Truttmann in dieser Saison erst dann so richtig auf, als er an der Seite Fesers auflief und fortan Punkte am laufenden Band produzierte.

Fabian Ganz: Dem EHCO droht ein weiterer Ausfall

So schön das 4:1 von Cyrille Scherwey im ersten Playoff-Viertelfinal gegen den EHC Visp anzusehen war, so teuer muss der EHCO möglicherweise dafür bezahlen. Im allgemeinen Jubel nach dem Treffer verletzte sich nämlich Fabian Ganz (25) derart schwer, sodass er zumindest für das morgige Spiel in Visp wird pausieren müssen. Wie schlimm die Oberkörper-Verletzung tatsächlich ist, zeigt sich erst nach der heutigen MRI-Untersuchung. Diese war ursprünglich auf heute angesetzt, musste jedoch um einen Tag verschoben werden. Damit dürfte morgen in Visp entweder Jonathan Ast ins Line-up nachrücken, oder aber Trainer Heikki Leime beordert Cyrill Aeschlimann aus der 4. Sturmlinie zurück in die Verteidigung. Nebst Marco Truttmann droht dem EHC Olten jetzt also bereits der zweite schwerwiegende Ausfall in den Playoffs. (mf)

Dass der Kanadier seiner ersten Station als Profi weitere zwei Jahre die Treue hält, ist das Resultat gegenseitiger Wertschätzung. Nicht nur der EHCO weiss, was er an Feser hat, auch der Spieler fühlt sich in Olten bestens aufgehoben und akzeptiert. Mehr noch: «Ich wurde hier von Anfang an sehr gut behandelt, von den Mitspielern, aber auch vom Umfeld.» Es habe kaum einmal Unstimmigkeiten unter den Spielern gegeben oder sonst welche Probleme. Kurz: «Es war für mich eine sehr einfache Entscheidung, zu bleiben. Ich freue mich sehr auf die nächsten zwei Jahre.»

Schritt zum Leader vollziehen

Bei einem Verein, der hohe Ziele verfolgt und bei welchem er sich auf entsprechend hohem Niveau präsentieren kann. In einer Stadt, welche er als absolut Hockey verrückte kennen und schätzen gelernt hat. «Die Leute lassen es einen wissen, wenn man nicht gut gespielt hat. Dafür freuen sie sich umso mehr, wenn es uns gut läuft.» Dass er die letzten beiden Jahre in Olten zusammen mit seiner kanadischen Freundin verbringen konnte, welche in der Schweiz ihr Studium beendet, habe ihm das Söldnerleben natürlich vereinfacht. Gemeinsam haben sie in dieser Zeit nicht nur Olten, sondern auch weite Teile der Schweiz bereist.

Dennoch: Neue Orte kennenzulernen und, damit verbunden, den Verein zu wechseln, das habe man als Spieler immer im Hinterkopf. «Aber Olten ist ein guter Ort, mich als Spieler weiterzuentwickeln. Hier kriege ich die Chance, in allen Situationen zu spielen. Dass hier auf mich gezählt wird, ist ein wichtiger Aspekt.» Verbesserungspotenzial ortet Feser in allen Bereichen. In den nächsten zwei Jahren will er den Schritt zum echten Leader vollziehen, auf dem Eis, aber auch in der Garderobe. Mehr Tore erzielen, sein Boxplay verbessern, als Spieler besser werden. «Ich steige nicht mit dem grundsätzlichen Ziel in eine Saison, die Topscorer-Auszeichnung zu holen», stellt er die eigenen Interessen in den Hintergrund, «aber ich will dem Team in offensiver Hinsicht helfen.» Und trotzdem schaffte er genau das in dieser Saison. Wenn sich sein Steigerungslauf in Olten fortsetzt, wird der Goldhelm schon bald zu seiner Standardausrüstung zählen.

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