Eishockey
Mark Streit und die offene Rechnung mit der Nationalmannschaft

Mark Streit und die Nationalmannschaft - bisher war das nicht immer eine harmonische Beziehung. Bei der 13. Weltmeisterschaftsteilnahme des 37-Jährigen, soll sich dies nun endlich ändern.

Marcel Kuchta, Prag
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Der Captain der Schweizer Nationalmannschaft: Mark Streit.

Der Captain der Schweizer Nationalmannschaft: Mark Streit.

KEYSTONE

Man kann Mark Streits Verdienste um das Schweizer Eishockey eigentlich gar nicht oft genug würdigen. Er wird als der Spieler in die Geschichte eingehen, der das hiesige Eishockey-Schaffen in der besten Liga der Welt, der NHL, salonfähig gemacht hat. Streit war mit seiner Zähigkeit, seinem Ehrgeiz und seiner Klasse letztlich Wegbereiter für die folgenden (und kommenden) Generationen aus der Schweiz.

Wer sich in 679 NHL-Schlachten bewiesen hat und seit Jahren regelmässig zu den punktbesten NHL-Verteidigern gehört, der müsste eigentlich stets mit offenen Armen empfangen werden. Und doch ist das Verhältnis des Heimatlands zu seinem eigenen Eishockey-Pionier zwiespältig.

Wenn sich Jungstar Roman Josi entscheidet, an der WM teilzunehmen, dann freut sich die ganze Nation. Sagt Mark Streit zu, so wie in diesem Jahr, dann hält sich die Begeisterung in Grenzen, dann wird sogar die eine oder andere Nase gerümpft. Die Beziehung ist – um es im Facebook-Jargon auszudrücken – kompliziert. Doch warum eigentlich?

Ohne Streit zu WM-Silber

Nun, Streit hatte das Pech, das grösste Highlight der jüngeren Schweizer Eishockey-Geschichte zu verpassen. Als die «Eisgenossen» 2013 in Stockholm sensationell die WM-Silbermedaille holten, da war der 37-Jährige nicht Teil der Mannschaft. Dafür war er aber fast immer bei den markantesten Misserfolgen der letzten Jahre dabei.

2009 bei der Heim-WM in der Schweiz (Out nach der Zwischenrunde), 2011 an der WM in Helsinki (Out nach der Vorrunde) und ebenso 2014 an den Olympischen Spielen in Sotschi (Out im Achtelfinal). Der einzige gelungene Gesamtauftritt der Nationalmannschaft mit Mark Streit in den vergangenen fünf Jahren war Olympia 2010 in Vancouver, als man im Viertelfinal hauchdünn an den USA scheiterte.

Zum anderen war die Aussenwahrnehmung bisher oft so, dass Streit in der Nati – seinem Status entsprechend – eine Leaderrolle übernehmen wollte und musste, dabei aber die nötige Lockerheit und Souveränität einbüsste. Man hatte bisweilen den Eindruck, dass er die Missionen im Alleingang zu Ende bringen wollte und alle Last auf seinen Schultern lag.

Bereits 13. WM-Teilnahme

Das als Kontrast zum aufstrebenden Roman Josi, der mit seiner eleganten Spielweise und seinem relaxten, freundlichen Wesen bisweilen ein wenig wie die Antithese zum selbstbewussten Streit wirkt. Oder anders ausgedrückt: Die Schweizer haben zum bescheidenen Josi einen besserer Zugang als zum ehrgeizigen Streit, der in der NHL zum Dollar-Multimillionär wurde.

Dass Mark Streit mit 37 Jahren und einer kompletten NHL-Saison in den Knochen an der WM teilnimmt, ist nicht hoch genug einzuschätzen und zeigt, wie viel ihm die Schweizer Nationalmannschaft bedeutet. Er sagte kürzlich in einem Interview mit dem Schweizer Fernsehen SRF, dass er schon als Kind ein Fan der «Nati» gewesen sei, «und das ist mit 37 nicht anders.» Es zeigt aber auch, dass Streit, der bereits seine 13. Titelkämpfe bestreitet, in dieser Beziehung noch eine Rechnung offen hat.

Niemand wünscht sich mehr eine erfolgreiche WM-Kampagne als der Berner in Diensten der Philadelphia Flyers. Endet die Expedition in Tschechien erfreulich, dann könnte er, wenn er wollte, das Kapitel Nationalmannschaft beruhigt schliessen. Dann muss Mark Streit endgültig niemandem mehr etwas beweisen.

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