EHC Olten

Marc Thommen: «Die grosse Frage war: Habe ich überhaupt die Zeit, dieses Amt auszuüben?»

Der neue VR-Präsident des EHC Olten: Marc Thommen.

Der neue VR-Präsident des EHC Olten: Marc Thommen.

Marc Thommen, der neue Verwaltungsrat-Präsident der EHC Olten AG, erklärt im Interview seine Beweggründe, warum er die Nachfolge von Benvenuto Savoldelli antritt und wie er und seine Führungscrew den Klub in Zukunft zu führen gedenken.

Marc Thommen, herzliche Gratulation zur Wahl. Wie fühlt es sich an als neuer EHCO-Präsident?

Marc Thommen: Vielen Dank - sehr gut. Ich freue mich, mit einem motivierten Team das Schiff auf Kurs zu halten und einige Sachen zu verbessern. Aber es sind sicher auch gewisse Fragezeichen vorhanden, ich weiss noch nicht alles, das ist klar. Ich hatte schon ein wenig Einblick, aber noch nicht überall. Aber spielen und gewinnen muss die Mannschaft. Das käme nicht gut, wenn wir Verwaltungsräte auf das Eis stehen würden.

Sie waren überrascht über die vielen Reaktionen in den letzten Tagen. Warum?

Ich habe wirklich über Kreuz und Quer sehr viele Reaktionen erhalten. Alle waren sehr positiv, die anderen haben sich wohl einfach nicht gemeldet (lacht). Viele haben mich natürlich gefragt, ob ich dieses Amt wirklich ausüben will und ob ich das machen kann. Ich werde mir sicher die nötige Zeit freischaufeln.

Zuerst wollten Sie nicht in den Verwaltungsrat einsteigen. Warum nun doch?

Die grosse Frage stellte ich mir auch selber: Habe ich überhaupt die Zeit, dieses Amt auszuüben? Das war nicht einfach zu beantworten und fand in einem Prozess statt. Schlussendlich habe ich das natürlich auch mit meiner Familie besprochen. Meine Frau unterstützt mich in diesem Vorhaben, was sehr wichtig ist. Ich beschloss dann, mit der Politik aufzuhören. Ich habe mehr Freude im Sport und kann mehr bewirken. In der Politik wäre ich bloss ein kleines Rädchen, weshalb man weniger Einfluss hat, etwas zu verändern. Sportliche Emotionen sind doch gesünder.

Wie ging der Findungsprozess von statten? Hatten Sie Ihr Team von Anfang an zusammengestellt?

Ich war am Anfang vorgesehen für den damals neu gegründeten Beirat. Es kam dann relativ schnell Fabian Aebi dazu, der dann schnell einmal gesagt hat: Im Beirat sitzen bringt nichts, wenn schon, dann als Präsident. Und dann ergab sich eine Eigendynamik all der nun gewählten Leute. Und dann hat man abgeklärt, welche Ressorts noch zu besetzen sind und hat die fähigen Personen dazu gesucht. Viele der angefragten Personen haben dann spontan oder nach einer sehr kurzen Bedenkzeit ja gesagt.

Hat Sie das überrascht?

Ja, schon. Aber es hat mich auch ermuntert und bestärkt in der Sache, sich mit allen Kräften dem Amt zu widmen.

Das ist zu vereinbaren mit Ihrem verantwortungsvollen Job als Unternehmer?

Ich werde die AG sicher anders führen als mein Vorgänger Benvenuto Savoldelli. Er hatte eine sehr aktive Rolle eingenommen. Ich finde: Wir müssen eine starke Geschäftsführung haben und der Verwaltungsrat hat vor allem strategische und strukturelle Aufgaben. Das ist ein Prozess und findet nicht von heute auf morgen statt. Der EHC Olten ist ein KMU und soll auch so geführt sein. Es ist nicht mein Ziel, im Rampenlicht zu stehen, die Bühne soll der Mannschaft gehören. Nicht, dass ich grössenwahnsinnig wäre, aber für mich ist der SC Bern ein Paradebeispiel. Wissen Sie beispielsweise, wer VR-Präsident beim SCB ist?

Das muss Walter Born sein. Sie haben recht: Er hält sich im Hintergrund.

Viele Leute kennen nur Marc Lüthi, den Haudegen, der den Laden führt. Unser Geschäft ist nicht zu vergleichen, aber es führt strukturell in diese Richtung. Das ist unsere Vision.

Es hat stets geheissen, die Geschäftsstelle muss verstärkt werden. Gibt es denn schon konkrete Vorstellungen, wo man ansetzen muss?

Man muss realistisch bleiben: Wir haben uns am 28. Juni das erste Mal im neuen Gremium getroffen. Wir müssen das alles zuerst analysieren. Wir starten Ende August mit dem EHCO-Cup in die neue Saison. Und dann werden wir Schritt für Schritt vorwärts gehen. Wir haben uns alle gesagt: Wir wollen diese Ämter nicht ein Jahr machen, wir wollen über mehrere Jahre etwas bewirken. Ohnehin: Wir müssen auch nicht alles verändern wollen, es wurde schon sehr viel sehr gut gemacht. Es gilt nun, sich über alles ein Bild zu machen, um dann seriös entscheiden zu können, wo man Support leisten muss und wo man etwas verbessern kann.

Stichwort Netzwerk: Vielerorts heisst es, Marc Thommen sei der neue Stephan Anliker (GC- und SC-Langenthal-Präsident, Anm. d. Red.).

(lacht) Ich kenne ihn sehr gut. Ich werde ihn an den Cupmatch einladen.

Streben Sie aber in der Mittelgenerierung etwas Ähnliches an? Er versteht es ja sehr gut, seine Beziehungen als Unternehmer auch für den SC Langenthal zu nutzen.

Wissen Sie: Wir müssen die Leute begeistern, weil es ein gutes Produkt ist, weil der EHC Olten Freude macht. Wir können niemanden verknurren, beim EHCO einzusteigen, damit sie dann beispielsweise einen Auftrag erhalten. Das ist auch nicht korrekt und das ist nicht meine Art. Diese Art und Weise ist mittel- und langfristig auch nicht erfolgreich. Wir müssen ein gutes Produkt anbieten und das bestmöglich verkaufen.

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