Eishockey
Marc Lüthi: «Er ist sehr, sehr intelligent»

Der Trainer, unser Freund und Helfer: Harmonie um SCB-Trainer Guy Boucher. Nach dem blamablen Playoff-Aus wird es bei Bern keine personelle Konsequenzen geben.

Klaus Zaugg
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Trainer Guy Boucher sitzt beim SC Bern trotz des sang- und klanglosen Halbfinal-Aus in den Playoffs fest im Sattel.Peter Klaunzer/Keystone

Trainer Guy Boucher sitzt beim SC Bern trotz des sang- und klanglosen Halbfinal-Aus in den Playoffs fest im Sattel.Peter Klaunzer/Keystone

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Der Halbfinal gegen den HC Davos ging 0:4 verloren. Zum ersten Mal in der SCB-Geschichte eine Playoff-Serie (best of seven) ohne Sieg. Na und? Beim SC Bern brennt der Baum deswegen nicht. Im Gegenteil. Der Baum wird geschmückt. SCB-Manager Marc Lüthi, der Mann, der beim grössten helvetischen Hockeyunternehmen immer das letzte Wort hat, machte bereits kurz nach der finalen Niederlage in Davos klar, dass das vorzeitige Saisonende auf der Führungsebene keine personellen Konsequenzen haben wird.

Lüthi hatte sich bereits aus den Emotionen des Abends gelöst und überblickte mit bemerkenswerter Gelassenheit die ganze Saison. «Wir müssen sehen, woher wir kommen. Wir haben letzte Saison ganz schön aufs Dach bekommen und die Playoffs verpasst. Jetzt haben wir den Cup gewonnen, Platz zwei in der Qualifikation und die Halbfinals erreicht. Andere, die vor einem Jahr so weit unten waren wie wir, sind diese Saison nicht so weit gekommen.» Er sei enttäuscht. «Aber wenn wir sehen, was wir erreicht haben, dann gibt es gute Gründe zu einer positiven Beurteilung dieser Saison.»

Was den SCB-Chef auch gnädig stimmt, sind die Aussichten auf einen guten Geschäftsabschluss. Der SCB verdient das Geld in der Qualifikation. Den Playoffs kommt kommerziell – nicht emotional – höchstens die Bedeutung eines 13. Monatslohnes zu. Marc Lüthi sagt: «Wir haben die abschliessenden Zahlen noch nicht. Aber es sieht gut aus.»

Nächste Saison der nächste Schritt

Der einfachste Wechsel ist in Zeiten der Niederlagen jener des Trainers. Es ist ja einfacher, den Stuhl statt das Klavier zu zügeln. Marc Lüthi hat im Herbst 2011 schon mal einen Trainer (Larry Huras) wegen unattraktiver Spielweise (und aus Sorge um den Geschäftsgang) entlassen. Doch diesmal sitzt der Trainer mit Vertrag bis 2016 fest im Sattel. Der SCB-Chef macht unmissverständlich klar: Trainer Guy Boucher bleibt – sofern er nicht von seiner Ausstiegsklausel für die NHL Gebrauch macht.

«Über den Trainer wird nicht diskutiert. Wir haben mit ihm im Vergleich zur letzten Saison einen riesigen Schritt nach vorne getan. Jetzt müssen wir den nächsten Schritt machen.» Dieser Schritt sei mit Guy Boucher möglich. «Er ist sehr, sehr intelligent und er kennt nun die vielen Besonderheiten unserer Liga. Er hat inzwischen ja fast alles erlebt. Das Verpassen der Playoffs, den Cupsieg und die Halbfinals. Er hat Grundlagen geschaffen, um einen Schritt weiter zu kommen. Jetzt braucht es einfach noch ein paar Farbtupfer.»

Kaderkorrekturen in Sicht

Diese Farbtupfer werden Kaderkorrekturen sein. Spielraum hat Sportchef Sven Leuenberger bei Ausländerpositionen (nur Kobasew und Holloway haben noch Verträge) – und neben bereits getätigten Transfers (von Biel kommt Untersander, von Kloten kommen Randegger, Bodenmann und Schwendener) mit schlauen Tauschgeschäften. Marc Lüthi sagt, nun folge eine gründliche Analyse. «Wir haben dafür in unserer Sportabteilung sehr fähige Leute. Ich werde auf alle Fragen eine Antwort bekommen.»

Überdurchschnittliche Ausländer kosten Geld, und der SCB-Manager gibt zu bedenken, «dass wir bereits auf diese Saison grosse Investitionen getätigt haben.» Er schliesst nicht aus, dass er die Transferkriegskasse von Sportchef Sven Leuenberger noch einmal auffüllen wird. Erneut kann der SCB zusätzlich mindestens eine Million in den Sport investieren. Marc Lüthi: «Aber wo wir investieren und was wir tun werden, das entscheiden wir erst nach einer gründlichen Analyse.»