In Langnau wird die Kunst des Vergessens derzeit auf exemplarische Art und Weise zelebriert.

Blenden wir zurück in den Februar des laufenden Jahres. Die SCL Tigers stecken mittendrin im Abstiegskampf. Plötzlich erhält Chris DiDomenico, Kultstürmer und Leistungsträger der Mannschaft, ein Angebot aus der NHL.

Die Ottawa Senators wollen ihn. Sofort. DiDomenico will weg. Sofort. Abstiegskampf? Egal! Er bettelt um seine Freigabe, klagt, man würde ihm seinen Traum und seine Karriere zerstören, wenn man ihn am Abgang hindern würde. Die Langnauer lassen den Kanadier ziehen.

Reisende soll man schliesslich nicht aufhalten. Vor allem dann nicht, wenn sie ihr wahres Gesicht zeigen und den Mannschaftsgedanken mit einem Egotrip der gehobenen Sorte mit Füssen treten.

Zu leicht für die beste Liga der Welt

Sieben Monate später ist wieder alles anders. Der arme Chris hat bereits früh keine Aussichten mehr, einen Platz im NHL-Team der Ottawa Senators zu ergattern. Er wurde gewogen und als zu leicht befunden für die beste Liga der Welt.

Was tun also, wenn sich der Traum in Luft aufzulösen und ein tristes Dasein in der Farmteam-Liga droht? Man meldet sich zurück am alten Arbeitsort. Bemüht alte Seilschaften. Spricht bei einflussreichen Leuten vor. Schwärmt von all den tollen Jahren, die man in Langnau verbringen durfte.

Die normale Reaktion eines so abrupt verstossenen Liebhabers wäre ja Ablehnung. Und es gibt bei den SCL Tigers durchaus Leute, die DiDomenico nach dessen Egotrip nicht mehr zurückhaben wollen.

Chancen stehen gut

Aber es gibt eben unfassbarerweise auch hochrangige Klubvertreter, die gegenüber einer Rückkehr des Deserteurs positiv eingestellt sind. Die sportliche Not ist nach dem missratenen Saisonstart schliesslich gross. Die Chancen stehen deshalb gut, dass Chris DiDomenico schon bald wieder in der Ilfishalle stürmen wird.

Sobald er sein erstes Tor erzielt hat und sich stolz aufs Tigers-Logo auf dem Trikot klopft, werden ihm auch die einst gekränkten Zuschauer wieder zujubeln, als wäre nichts gewesen. So ein kurzes Gedächtnis hilft eben in allen Lebenslagen. Naivität und Gutgläubigkeit aber nicht.