Eishockey
Lions könnten Schweizer Eishockey über Jahre dominieren

Die ZSC Lions feierten am Samstag ihren zweiten Meistertitel in den letzten drei Jahren. Machen die Zürcher keine gravierenden Fehler, werden in den nächsten Jahren noch einige folgen.

Marcel Kuchta
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Mark Bastl (l.) und Dan Fritsche (M.) jubeln gemeinsam mit dem Torschützen zum 1:1, Chris Baltisberger – eines von 10 ZSC-Eigengewächsen.

Mark Bastl (l.) und Dan Fritsche (M.) jubeln gemeinsam mit dem Torschützen zum 1:1, Chris Baltisberger – eines von 10 ZSC-Eigengewächsen.

Keystone

Man muss ZSC-Lions-CEO Peter Zahner und seinem Sportchef Edgar Salis ein Kränzchen winden. Seit Zahner 2007 den CEO-Posten des Zürcher Hockey-Unternehmens übernommen hat, hat der Klub dreimal den Schweizer- Meister-Titel gewonnen, feierte 2009 den Triumph in der Champions Hockey League und besiegte im selben Jahr auch noch den amtierenden Stanley-Cup-Sieger, die Chicago Blackhawks, im Kampf um den Victoria-Cup. Salis stieg im Januar 2009 als Sportchef ein und half mit, das Fundament zu erstellen, auf welchem die aktuellen Erfolge der Lions stehen.

Von den 22 ZSC-Spielern, die gestern beim entscheidenden Sieg gegen Kloten auf dem Matchblatt aufgeführt waren, stammen deren zehn (Wolf, Geering, Stoffel, Schnyder, Cunti, Baltisberger, Schäppi, Kenins, Trachsler, Künzle) aus der eigenen Nachwuchsorganisation. Die Talentschmiede der Lions-Organisation ist schweizweit bezüglich ihrer Breite und Qualität unerreicht. Möglich macht diese qualitativ hochstehende «Spielerproduktion» hauptsächlich der VR-Präsident der ZLE-Betriebs AG, Walter Frey. Geschätzte drei Millionen Franken pumpt der Milliardär jährlich als Defizit-Garantie in die Kassen. Damit werden hauptsächlich die rund 700 Spieler umfassende Nachwuchspyramide der Lions-Organisation und die GCK Lions als Ausbildungsklub in der NLB alimentiert.

Edgar Salis hat nun den «Luxus», sich jährlich den Kopf darüber zerbrechen zu dürfen, welches Top-Talent nun einen Platz im Kader der ZSC Lions erhalten soll – was bisweilen nicht ganz unproblematisch ist. Im Hinblick auf die kommende Saison drängen mit Verteidiger Jonas Siegenthaler (16) und Stürmer Denis Malgin (17) schon die nächsten beiden Juwelen nach. Auf der anderen Seite verfügt Salis auch über eine volle Transfer-Kriegskasse, welche ihm erlaubt, auch immer wieder «fertige» Spieler einzukaufen, wenn sich die Gelegenheit bietet. Bestes Beispiel war der Transfer von Nationalspieler Roman Wick, der bei den Kloten Flyers im Sommer 2012 angesichts des drohenden Konkurses als zu teuer eingestuft worden war. Salis zögerte nicht und holte einen der talentiertesten Schweizer Eishockeyspieler ins Hallenstadion.

Im Gegensatz zum SC Bern, der in den letzten Jahren grosse Mühe hatte, prominente Spieler anzulocken, haben die Lions ausserdem trotz des für Zürich typischen, beträchtlichen sportlichen Erfolgsdrucks, eine gewisse Lockerheit bewahrt. CEO Peter Zahner ist präsent und hat seinen Laden im Griff, tritt aber im Gegensatz zu seinem SCB-Amtskollegen Marc Lüthi wesentlich weniger dominant und einschüchternd auf. Oder anders ausgedrückt: Bei den Lions herrscht eine menschliche Erfolgskultur.

Die Lions-Organisation produziert mittlerweile derart viele Spieler, dass bei weitem nicht alle im NLA-Team platz haben. In den beiden höchsten Schweizer Eishockey-Ligen verdienen mittlerweile über 40 Akteure ihr Geld, die von den «Löwen» ausgebildet wurde. Das spielt den Lions jedes Jahr eine Ausbildungsentschädigung von rund 600 000 Franken in die Kassen – Tendenz steigend.

Zum Label «perfekt» fehlt den ZSC Lions eigentlich nur etwas: ein eigenes Stadion. Das Aushängeschild des Zürcher Mannschaftssports ist in seiner eigenen Arena nur Gast und muss froh sein, wenn er während der Playoffs alle Spieltermine freihalten kann. Vom Catering während der Spiele erhalten die Zürcher nur einen Bruchteil des Gewinns. Während der SC Bern mit Wurst und Brot Millionen scheffelt, gehen die ZSC Lions vergleichsweise leer aus.

Lions-CEO Peter Zahner wurde in den letzten Jahren nicht müde zu unterstreichen, wie überlebenswichtig die eigene Arena für die Organisation mittelfristig ist. Denn – und das war in letzter Zeit immer mal wieder zu vernehmen: Der Tag wird kommen, an welchem die sprudelnde Geldquelle Walter Frey versiegt. Spätestens dann müssten die Lions in der Lage sein, ihren teuren Betrieb selber zu finanzieren.

Fest steht jedoch; Machen die Zürcher mittelfristig keine gravierenden Fehler, dann dürften sie unser Eishockey über Jahre hinaus dominieren. Es sei denn, der SC Bern findet schneller auf den Erfolgsweg zurück, als erwartet.

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