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Kloten-Legende Felix Hollenstein ist bereit als Assistent von Kevin Schläpfer zu helfen

Kevin Schläpfer kämpft um Klotens Ligaerhalt und seine eigene Zukunft.Keystone

Kevin Schläpfer kämpft um Klotens Ligaerhalt und seine eigene Zukunft.Keystone

Der Kloten-Trainer Kevin Schläpfer steht momentan vor der wohl schwierigsten sportlichen Herausforderung seines Lebens. Gegen Ambri-Piotta liegen die Flyers arg in Rücklage. Die Kloten Legende Felix Hollenstein wäre bereit, als Assistent von Kevin Schläpfer an der Bande zu helfen.

Wenn Kapitän Francesco Schettino so tapfer auf der Kommandobrücke ausgeharrt hätte, wäre womöglich ein Unglück vermieden worden. Das stolze, seit 56 Jahren in der höchsten Liga schwimmende Schiff des EHC Kloten steht vor dem Untergang.

Doch Kevin Schläpfer, als Cheftrainer in der Rolle des Kapitäns, verliert den Mut nicht. Obwohl die Situation schier hoffnungslos ist: wenn er die Liga-Qualifikation vermeiden will, dann muss er jetzt dreimal hintereinander gegen Ambri gewinnen. Seit der Baselbieter Cheftrainer beim EHC Kloten geworden ist, hat er nie dreimal hintereinander gewonnen und zehn von elf Partien gegen Ambri verloren.

Bei Schläpfer gibt es kein «normalerweise»

Schläpfer steht vor der schwierigsten sportlichen Herausforderung seines Lebens. Mag sein, dass er sein Charisma eingebüsst hat. Aber er strahlt etwas Unverwüstliches aus wie ein Kater, der nach einem Hagelwetter zerzaust an der Haustür kratzt und Einlass begehrt. Es hat in der modernen Geschichte unseres Hockeys (die 1986 mit der Einführung der Playoffs begann) keinen Trainer gegeben, der in einer so heiklen Situation so zuversichtlich und locker geblieben ist.

Für Klotens Trainer Kevin Schläpfer stehen wichtige Spiele an

Für Klotens Trainer Kevin Schläpfer stehen wichtige Spiele an

Normalerweise sind Trainer in der tiefen Krise für Chronistinnen und Chronisten ausserhalb der Spieltage nicht mehr ansprechbar. Bei Schläpfer gibt es kein «normalerweise». Er war im Erfolg anders. Und er ist es auch im Misserfolg. «Es hilft mir, dass ich so kritische Situationen schon erlebt habe» sagt er. «Wir lagen in Biel in einer Liga-Qualifikation 0:2 zurück und haben uns gerettet.» Wenn er sagt, die Rettung in Kloten sei möglich, so ist das nicht einfach dahergeredet. Er hat als Nottrainer eine solche Rettung an vorderster Trainerfront organisiert.

Aber Kloten ist nicht Biel. «Das stimmt» sagt Kevin Schläpfer. «Wir sind mit Biel aufgestiegen und allen in unserer Organisation war in den ersten Jahren stets bewusst, dass wir um den Ligaerhalt spielen müssen.» In Kloten sei es anders. Hier fehle dieses Bewusstsein.

Kloten einmal mehr ins Straucheln gebracht: Ambris Michael Ngoy (unten) lässt Klotens Tim Bozon auflaufen

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Und was macht also den Unterschied zwischen Kloten und Biel? «In Biel war es auch in den schwierigsten Zeiten ruhig.» Und in Kloten? «Also hier ist es schon unruhiger.» Sagt es, hält inne, denkt kurz nach und stellt erleichtert fest: «Aber wenn Sie so fragen, muss ich sagen: Jetzt ist es auch bei uns ruhig. Eigentlich erstaunlich …» Er wertet das als Zeichen, dass vielleicht nun doch alle begriffen haben, wie schwierig die Situation ist.

Erstaunliche Ruhe in Kloten

Diese Ruhe ist in der Tat erstaunlich. Nach der dritten Niederlage gegen Ambri (2:3 n. V.) am Ostermontag schien klar: Nun passiert etwas. Die gängige Lehrmeinung: Wenn Kloten die Wende herbeiführen will, dann muss der Trainer jetzt entlassen werden. Mit Felix Hollenstein und André Rötheli helfen zwei Legenden Kevin Schläpfer ja bereits als Spielbeobachter und Video-Zuschneider. Sie sind mit der Situation vertraut und können übernehmen.

Doch Präsident Hans-Ulrich Lehmann zeigt sich auch jetzt als Nonkonformist. Felix Hollenstein wird nicht Trainer. Kevin Schläpfer bleibt und Hollenstein sagt: «Meine Motorsäge ist scharf geschliffen und ich werde sie in den nächsten Tagen einsetzen. Aber nicht um Kevin Schläpfer abzusägen. Ich habe ein Stück Wald und wegen Sturmschäden habe ich dort noch viel Arbeit. Eine gute Abwechslung zum Hockeyalltag.»

Felix Hollenstein wäre bereit, Kevin Schläpfer an der Bande zu unterstützen

Felix Hollenstein wäre bereit, Kevin Schläpfer an der Bande zu unterstützen

Aber jetzt Hand aufs Herz: im Falle eines Falles – sagen wir in der Liga-Qualifikation – würde er schon als Trainer einspringen. Oder? «Nein, das werde ich nicht tun. Unter keinen Umständen. Aber ich helfe, wo ich nur kann. Ich habe mich auch nach dem letzten Spiel gegen Ambri mit Kevin unterhalten und wir haben darüber gesprochen, was helfen könnte.» Und dann bringt er eine interessante Variante ins Spiel. «Wenn mich Kevin Schläpfer bitten würde, ihn an der Bande zu unterstützen, dann würde ich es tun. Ich weiss zwar nicht, ob zwei Alphatiere wie Kevin und ich funktionieren. Aber wenn er als Cheftrainer meine Hilfe wünscht, werde ich nicht Nein sagen.»

Die Helden Kevin & Felix gemeinsam auf der Kommandobrücke, wenn Kloten untergeht – zumindest wäre dieses Spektakel im Falle eines Falles selbst einer Schluss-Szene im Film «Titanic» würdig. Mit Blick nach Westen, in die über dem Flughafen untergehende Sonne. Geht Kloten unter, dann zumindest mit Stil.

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