Ein Blick zurück hilft uns zu verstehen, was nun in Kloten passieren kann. Im Frühjahr 2009 steht Aufsteiger Biel vor dem Untergang. Lausanne führt in der Liga Qualifikation mit 2:0. Geschäftsführer Daniel Villard setzt alles auf eine Karte.

Er macht seinen Sportchef Kevin Schläpfer zum Trainer. Bei der Präsentation dieser Entscheidung, in Gegenwart seines neuen Trainers, wird er von einem Chronisten gefragt: «Können wir sagen, dass Sie nun im grossen Hockeyzirkus Biel, den Clown zum Direktor gemacht haben?»

Der vermeintliche Clown wird in Biel aber ein «Hockeygott». Auf den spielerischen Geleisen seines Vorgängers, des taktischen Hexenmeisters Heinz Ehlers, fährt Kevin Schläpfer zur Rettung. Er wird acht Jahre lang, bis im November 2016, Biels Hockeykultur als charismatischer Motivator prägen.

«Hockeygott» soll Leidenschaft zurückbringen

Die gleiche Wirkung kann er in Kloten entfalten. Die Parallelen sind nicht zu übersehen. Auch Kloten steht vor dem Untergang. Isoliert am Tabellenende. Auch in Kloten hat mit Pekka Tirkkonen ein skandinavischer Trainer die Mannschaft gut organisiert. Chaos auf dem Eis war in Kloten trotz allem noch nie.

Was fehlt, sind Leidenschaft und Zuversicht. Die Klotener brauchen keinen neuen taktischen Lehrer. Sie brauchen einen charismatischen Motivator wie Kevin Schläpfer. Wer Pekka Tirkkonen in den Kabinengängen begegnete, wusste nicht, ob es sich um den Materialwart oder den Chef handelte.

Nun kommt mit Kevin Schläpfer ein Chef, der nebst der Kabine auch noch die Kabinengänge mit seiner Präsenz füllt.

Fertig gepokert

Eigentlich hatte der Baselbieter die Sache noch einmal überschlafen wollen und einen Entscheid frühestens Mittwoch oder vielleicht gar erst am Donnerstag oder am Freitag in Aussicht gestellt. Aber dann hat es ihn gepackt.

«Es ist alles schneller gegangen, als ich gedacht habe. Ich war am Montag noch in Basel beim Tennisturnier. Aber ich konnte mich nicht mehr konzentrieren. Ich hatte keine Ruhe mehr und so gegen 23 Uhr habe ich am Montagabend vor dem Einschlafen gesagt: So, fertig gepokert, das mache ich jetzt. Wenn wir den Strohhalm Playoffs noch packen wollen, dann dürfen wir keine Zeit mehr verlieren.»

Es ist ihm ja auch nicht so schwer gefallen, die Offerte anzunehmen. Sein Vertrag läuft bis 2020. Ein Jahr länger als er ursprünglich gefordert hatte. Und so ist er gestern Vormittag nach Biel gefahren und hat dort seinen Vertrag, der noch bis Saisonende gelaufen wäre, aufgelöst. «Da bleiben keine schlechten Gefühle zurück. Biel hat mich jederzeit fair behandelt.»

Wird Kevin Schläpfer es schaffen, den EHC Kloten zurück auf Kurs zu bringen?

Wird Kevin Schläpfer es schaffen, den EHC Kloten zurück auf Kurs zu bringen?

Glücklich frisch geschieden, fuhr er sodann nach Kloten. Dort hat er gestern Nachmittag den neuen Vertrag unterschrieben, nachdem die offizielle Medienmitteilung längst in die Welt hinausgeschickt worden war.

Wie hat er es geschafft, einen Vertrag bis 2020 zu bekommen? «Wir haben in Kloten eine Mammutaufgabe vor uns. Wenn ich die Mannschaft wieder auf Kurs bringe, dann will ich auch bessere Zeiten mitprägen.»

Er sagt, er verdiene nun ungefähr gleich viel wie zuvor in Biel und auch sein Agent André Rufener sei mit dem Vertrag zufrieden.

Wie geht es nun sportlich weiter? «Diese Frage kann ich noch nicht beantworten. Ich habe die Mannschaft noch zu wenig oft gesehen. Und ich kenne die Stimmung in der Kabine auch noch nicht. Es wird sicher viele Einzelgespräche geben.» Er war beim Spiel gegen Zug im Stadion und wird die Mannschaft heute übernehmen.

Sein Wunsch in Gottes Ohr

In dieser schwierigen Übergangsphase wird Schläpfer auch die Rolle des Sportchefs übernehmen. «Wir bilden vorerst ein Sportkomitee, das ich leiten werde.» Trainer und Vorsitzender des Sportkommitees – viel Macht für einen Neuling.

Schläpfer wird so bereits beim Amtsantritt zum «Hockeygott» in einem Klub, der mit Felix Hollenstein, dem Einflüsterer des Präsidenten, schon einen «Hockeygott» hat.

Ja, er verdrängt Felix Hollenstein aus der Rolle des zweitwichtigsten Mannes hinter Präsident Hans-Ueli Lehmann. «Das ist kein Problem» sagt Schläpfer. «Ich kenne Fige seit Jahren und wir kommen bestens miteinander aus.» Sein Wunsch in Gottes Ohr.