Kevin Schläpfer und der EHC Kloten. Eine Liaison, die auf den ersten Blick perfekt erscheint. Hier der emotionale, offenherzige Trainer mit Schweizer Pass, dort der Traditions-Dorfklub mit seinem hemdsärmligen Präsidenten Hans-Ulrich Lehmann, der sein Herz ebenso oft auf der Zunge trägt und mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hält. Hier treffen zwei Alphatiere aufeinander, die, wenn sie ihre Energie und ihr Herzblut bündeln, den sportlich auf Abwege geratenen Klub wieder in die Erfolgsspur führen können.

Zwei grössere Fragezeichen

Es gibt da aber auch zwei grössere Fragezeichen. 1.) Wenn zwei emotionale Typen wie Schläpfer und Lehmann zusammenarbeiten, dann wird es früher oder später unweigerlich zu Konflikten kommen. Das „Krach-Potenzial“ ist gross. Vor allem ist Kevin Schläpfer ja nicht nur Trainer, sondern wird in seiner Rolle als Chef der Sportkommission immer wieder mit „Sparfuchs“ Lehmann die Klingen kreuzen müssen, wenn es um Transfers geht.

Womit wir bei Punkt 2 wären: Hans-Ulrich Lehmann wird, wenn er seinen neuen, wichtigsten Mitarbeiter besänftigen und bei Laune halten will, das Portemonnaie unweigerlich aufmachen müssen. Seinen Spar-Prinzipien ist er mit der Entlassung von Pekka Tirkkonen sowieso schon untreu geworden. Und Kevin Schläpfer ist mit Bestimmtheit kein Billigtrainer. Auch kein Trainer, der sich mit irgendwelchen Sprüchen aus der Unternehmerküche abspeisen oder abkanzeln lässt. Zumal er einen Vertrag bis zum Ende der Saison 19/20 besitzt.

Lehmann und die Realität

Deshalb wird sich Lehmann endgültig mit der Realität des Schweizer Spitzeneishockey abfinden müssen – zumindest jener in Kloten. Wer spart, dem droht der sportliche Niedergang. Lehmann muss eingestehen, dass auch er die Mechanismen nicht durchbrechen kann. Selbst wenn seine hehren Absichten ja löblich waren.

Vergessen darf man bei all der Euphorie auch nicht, dass selbst ein begnadeter Motivator wie Kevin Schläpfer aus Eseln letztlich keine Rennpferde zaubern kann. Die sportliche Substanz des Kloten-Kaders ist und bleibt beschränkt, der Handlungsspielraum auf dem Transfermarkt zu diesem Zeitpunkt der Saison klein. Deshalb wird in der laufenden Meisterschaft für den Baselbieter nicht viel mehr als Schadensbegrenzung drin liegen. Es gilt nun vor allem, den sportlichen Super-GAU, sprich den Abstieg, zu verhindern. Erst dann kann man in Kloten frohen Mutes an die Zukunft denken.