Man ist es sich von einer Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft gar nicht mehr gewohnt, dass sie an einer WM zweimal hintereinander leer ausgeht. Im letzten Jahr in Paris blieb man in den sieben Spielen der Gruppenphase nach der regulären Spielzeit unbesiegt und verlor erst im Viertelfinal gegen Schweden (1:3).

In diesem Jahr dauerte es bis zur fünften WM-Partie gegen Russland, bis man erstmals wieder ohne Punkte vom Eis ging. Bei der 3:4-Niederlage am Samstag zeigte die Mannschaft von Headcoach Patrick Fischer allerdings eine ausgezeichnete Leistung und verpasste einen weiteren Punktgewinn nur knapp.

Eine verdiente 3:5-Niederlage

24 Stunden später ging man gegen die Schweden zum zweiten Mal in Serie leer aus. Und erstmals lieferten die Schweizer seit langer Zeit auch mal wieder eine über weite Strecken ungenügende Leistung ab und gingen letztlich mit einer verdienten 3:5-Niederlage vom Eis. Auch wenn die «Eisgenossen» nach einem 0:3-Rückstand zwischenzeitlich noch einmal auf 2:3 herankamen: Es war während fast zwei Dritteln aus Schweizer Sicht ein Abend voller Pleiten, Pech und Pannen.

Und das gegen einen Gegner wie Schweden, der den Fischer-Mannen in vielen Belangen überlegen war. Der Mix aus ärgerlichen Eigenfehler, dummen Strafen und der Klasse des Gegners sorgte schliesslich für das etwas getrübte Gesamtbild, welches die «Eisgenossen» am Sonntag abgaben – trotz des löblichen Zwischenspurts und des nie erlahmenden Kampfgeists.

Das exemplarische 0:3

Geradezu exemplarisch für alles, was schiefgehen konnte, war der Treffer zum 0:3. Sven Andrighetto spielte in der eigenen Zone einen ungenauen Pass, den Roman Josi nicht erwischte. Der Puck landete bei den Schweden, welche ihn vor das Schweizer Tor spielten, wo Verteidiger Michael Fora das Spielgerät zwischen den Schonern von Leonardo Genoni ins eigene Tor ablenkte.

Schon beim zweiten Gegentreffer hatte Genoni keine gute Figur gemacht. Am Ende ging der Sieg der Schweden völlig in Ordnung. Das Schussverhältnis von 41:23 zugunsten des Titelverteidigers sprach eine ebenso deutliche Sprache.

NHL-Euphorie vor Schweden-Spiel

Dabei war die Euphorie rund um das Schweizer Team vor dem Schweden-Spiel noch riesig gewesen. Am Sonntagmorgen waren mit Roman Josi und Kevin Fiala zwei weitere Verstärkungen aus NHL in Kopenhagen eingetroffen. Headcoach Patrick Fischer entschied sich schliesslich, die beiden Spieler der Nashville Predators schon am Abend einzusetzen.

Ein Entscheid, der absolut nachvollziehbar, wenngleich auch nicht ohne Risiko behaftet war, weil Fischer so seine bisher gut funktionierende Mannschaft umstellen musste. Es waren aber individuelle Fehler, welche schliesslich den Unterschied ausmachten. Und die es gegen einen starken Kontrahenten wie die Schweden ganz einfach nicht verträgt.

Wie dem auch sei: Für die Schweizer hat sich die Ausgangslage punkto Viertelfinal-Qualifikation nicht verändert. Stand jetzt gilt immer noch, dass ein Sieg im abschliessenden Gruppenspiel gegen Frankreich (Dienstag, 12.15 Uhr) unter normalen Umständen genügt, um die «WM-Playoffs» zu erreichen.

Pflicht erfüllen gegen Frankreich

Dabei muss die Schweiz aber auch den Russen die Daumen drücken, die heute Nachmittag auf die Slowakei treffen. Fatal wäre für die Schweizer nämlich ein Sieg der Slowaken, da die zum Schluss noch auf Absteiger Weissrussland treffen und sich dort die Butter kaum mehr vom Brot nehmen lassen würden. Mit 13 Punkten wären sie für die «Eisgenossen» nicht mehr einzuholen.

Vorderhand gilt für die Schweizer also: Daumen drücken für Russland. Und dann die Pflicht erfüllen gegen Frankreich. Dann erreicht man zumindest das WM-Minimalziel Viertelfinal. Dass die Bäume an diesem Turnier aber kaum in den Himmel wachsen werden, zeigte das Spiel gegen die Schweden eindrücklich. Die Schweizer haben eine talentierte Mannschaft beisammen. Aber die Grossen sind eben oft trotzdem noch eine Nummer zu gross.