Eishockey

Kann der SC Bern Playoff oder ist die Zeit reif für den EHC Biel?

Der SC Bern wird dieses 7. Spiel gewinnen, weil es so sein muss, meint Klaus Zaugg. Marcel Kuchta sieht dies anders: Biel gewinnt dieses 7. Spiel, weil man mutig auftreten wird. Die Debatte zwischen den Eishockey-Experten.

Klaus Zaugg für den SC Bern

Scheitern im 7. Spiel vor eigenem Publikum gegen Biel? Zum ersten Mal überhaupt gegen ein Team aus dem Kanton Bern in den Playoffs scheitern? Für die Hockey-Staatsmacht SC Bern undenkbar. Es wäre das schmählichste Scheitern seit dem Wiederaufstieg am grünen Tisch im Frühjahr 1986.

Weitaus schmerzhafter als 2012 die Niederlage im 7. Finalspiel gegen die ZSC Lions. Selbst wenn wir berücksichtigen, dass in einem 7. Spiel der unberechenbare Faktor Glück gut und gerne 40 Prozent ausmacht – dieses Spiel kann und darf der SCB nicht verlieren. Die grösste Hockeyfirma der Schweiz mobilisiert noch einmal alles.

Es geht auch um die Reputation von Cheftrainer Kari Jalonen. Im Falle eines Scheiterns werden die Nachbeben die Position des stockkonservativen finnischen Welttrainers trotz Vertrag für eine weitere Saison in den Grundfesten erschüttern. Siegen also im Berner Hockeytempel, wenn der SCB siegen muss? Nein, das ist für Biel noch nicht möglich.

Die Erfahrung (der SCB kann Playoff seit mehr als 20 Jahren, Biel noch nicht), taktische Schlauheit und die Systemsicherheit wiegen schwerer als offensive Kreativität. Zumal die Bieler inzwischen den Vorteil der Aussenseiterrolle eingebüsst haben. Sie bekommen die historische Chance, erstmals ins Finale zu kommen.

Diese Ausgangslage wirkt eher lähmend als stimulierend und war am Samstag bereits der Ausgangspunkt zur 0:1-Niederlage. Der SCB wird dieses Spiel gewinnen, weil es ganz einfach so sein muss und weil Biel für solche Spiele noch zu wenig Erfahrung hat.

Marcel Kuchta, EHC Biel

Wenn immer eine Mannschaft in den Playoffs auf eigenem Eis einen Matchpuck vergibt und in der Folge auswärts ihr Glück finden muss, dann ist die gängige Meinung dieselbe: Die haben doch kein Brot mehr! Der psychologische Nachteil ist zu gross! Gerade, wenn man, wie der EHC Biel, der Aussenseiter ist, der womöglich noch seiner vergebenen Chance nachtrauert. Ja, es ist ein Leichtes, in diesem siebten und finalen Halbfinal-Duell für den grossen, erfahrenen und reifen SC Bern Partei zu ergreifen.

Aber dann macht man es sich zu leicht. Weshalb? Weil der EHC Biel reif ist, den nächsten Schritt zu machen. Wer der Mannschaft von Headcoach Antti Törmänen bisher bei der Arbeit zusah, der spürte die Spielfreude bis hoch hinauf auf die Tribüne.

Da waren Jungs am Werk, die immer auf der Suche nach einer spielerischen Lösung sind, ohne dabei die Basics, die harte Arbeit und die defensive Disziplin, zu vernachlässigen. Wenn man so ein modernes, optimistisches Eishockey zelebriert wie die Bieler, dann muss dies eher früher als später belohnt werden. Im vergangenen Jahr zahlte der EHCB im Halbfinal gegen Lugano nach einer 2:0-Führung nach Siegen und einer 3:0-Führung im dritten Spiel noch bitteres Lehrgeld und gab seine Vorteile aus der Hand.

Heuer sind die Törmänen-Boys einen Schritt weiter. Sie werden sich heute Abend in der Postfinance-Arena nicht wie das berühmte Kaninchen vor der Schlange verstecken, sondern mutig die Entscheidung mit der Flucht nach vorne suchen. Weil sie es können, und weil es der einzige Weg zum Erfolg ist.

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