Playof-Final
Kann der HC Davos diesen perfekten ZSC stoppen?

Im ersten Spiel der Playoff-FInalserie liessen die ZSC Lions ihren Gästen aus Davos nicht den Hauch einer Chance. Die Zürcher drohen zu einer Hockey-Macht zu werden, die Konkurrenz sucht nach einem Mittel dagegen.

Etienne Wuillemin, Zürich
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18-jährig und schon im ersten Playoff-Final mit einigen gelungenen Aktionen: Denis Malgin (rechts). Frutiger/freshfocus

18-jährig und schon im ersten Playoff-Final mit einigen gelungenen Aktionen: Denis Malgin (rechts). Frutiger/freshfocus

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Es ist der Tag nach dem ersten Playoff-Finalspiel in Zürich. Für einmal darf der ZSC auch im Hallenstadion trainieren. Wobei es mehr darum geht, die Beine zu lockern. Sobald die Profis das Eis verlassen, nehmen es die zwei Söhne von Sportchef Edgar Salis in Beschlag und schiessen Tor um Tor. Nachwuchsförderung kann nie früh genug beginnen.

ZSC-Captain Mathias Seger begrüsst die Buben mit einem Lachen. Dann schreitet er zur Aufarbeitung des 3:0-Sieges. Seger ist nicht leicht aus der Reserve zu locken. Von einem perfekten Spiel seines Teams will er nicht sprechen, das Wort «Machtdemonstration» lässt er nicht gelten. Auch wenn es die Wahrheit ist. Und so tönt es auch bei Seger so wie schon unmittelbar nach dem Spiel bei vielen Teamkollegen. «Wir haben das beste Davos noch nicht gesehen», sagt er, «und auch wir können noch einiges verbessern.»

Manchmal sind Zahlen und Statistiken nur eine Spielerei. Aber manchmal helfen sie eben auch, generelle Eindrücke zu festigen. So wie diesmal. Schauen wir uns also ein paar Zahlen an: Die ZSC Lions haben am Donnerstag das achte Playoff-Final-Spiel in Serie gewonnen. 2012 wendeten sie die Serie gegen den SCB vom 1:3 zum 4:3. 2014 fegten sie über die Kloten Flyers 4:0 hinweg. Und nun der erste Sieg gegen den HCD. Am Donnerstag trafen die beiden Teams zum siebten Mal in dieser Saison aufeinander. Die Davoser erzielten in diesen sieben Spielen gerade einmal fünf Tore. Von den letzten zehn Duellen gewannen die Lions neun.

Lieblingsgegner HCD

Das alles lässt den Schluss zu, dass der HCD unter einem ZSC-Komplex leidet. Anzeichen dafür, dass sich dies heute Abend ändern könnte, gibt es nicht gerade im Übermass. Seger sagt dazu: «Das ist die Vergangenheit. Mich interessiert nur das nächste Spiel.» Die Geschichte der ZSC Lions in dieser Saison lehrt uns: Aus einem einzelnen Spiel Tendenzen herauszulesen, ist besser zu unterlassen. Gerade weil das Team um die eigene Stärke bestens Bescheid weiss, neigt es dazu, eher früher als später wieder einen Gang zurückzuschalten. Nur: Gilt das wirklich auch für einen Playoff-Final?

Als Ansporn dient den Zürchern nicht nur der Lieblingsgegner HCD, gegen den Siege traditionell sowohl für Spieler wie auch Mitglieder der Teppichetage besonders süss sind, sondern auch der Kampf gegen die Geschichte. Seit 2001 gelang es nämlich keinem Team mehr, den Titel zu verteidigen.

Auf die Frage nach dem «Warum» dieses Phänomens hat HCD-Trainer Arno Del Curto kürzlich einmal gesagt: «Wer sich mit Erfolg vertraut macht, hat plötzlich das Gefühl, es gehe dann schon irgendwie von selbst. Man versucht die Tore im Zweifelsfall auf spielerische Art zu erzielen – anstatt den Willen aufzubringen, mit dem Kopf durch die Wand zu wollen.»

Wie eine perfekte Maschine

Im ersten Finalspiel aber schien es so, als wäre der HCD der Titelverteidiger. Als würden sich die Bündner keinen Weg vors Tor verschaffen können. «So kann man in den Playoffs nicht spielen», tobte Del Curto nach dem Spiel, «und schon gar nicht gegen die ZSC Lions.» Und die Zürcher? Die rumpelten sich zu zwei Toren.

An diesem Abend gemahnten sie an eine perfekte Maschine. Eine Maschine, die das HCD-Tempohockey des ersten Drittels nahezu problemlos überstand. Eine Maschine, die kaum Fehler machte und die Schlinge um den Gegner von Minute zu Minute enger zieht. Bis die Davoser die entscheidenden Fehler machten.

Die Linie um Topskorer Roman Wick und Luca Cunti konnte sich ihre Tore gar noch aufsparen für die nächsten Spiele. Und selbst in ihrem ersten Playoff-Final-Spiel überhaupt gelang es den Talenten Jonas Siegenthaler und Denis Malgin immer wieder, Akzente zu setzen. An einem solchen Abend muss sich die Hockeyschweiz fragen, ob der ZSC mit all seiner Genialität auf Jahre hinaus unbesiegbar bleibt. Arno Del Curto und der HCD sind gefordert, das Gegenteil zu beweisen. Am besten sofort.

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