Die Star-Dichte ist hoch. Im kanadischen WM-Team stehen so prominente Namen wie Claude Giroux, Tyler Seguin, Jason Spezza, Taylor Hall oder Jordan Eberle. Und doch werden sie alle von einem anderen überstrahlt – von Sidney Crosby. Der Center der Pittsburgh Penguins hat in seinen bisher 727 NHL-Spielen bereits 971 Skorerpunkte gesammelt. In der modernen NHL-Ära ist das ein ausserordentlicher Wert.

Der 27-Jährige hat eigentlich schon alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt: Er wurde zweimal Olympiasieger, gewann den Stanley-Cup, wurde mit der U20-Nationalmannschaft Weltmeister. Aber ein Titel fehlt ihm noch: Weltmeister bei den «Grossen». Und genau deshalb nimmt er erst zum zweiten Mal in seiner Karriere an den Titelkämpfen teil. 2006 gab er als 18-Jähriger in Lettland sein Debüt und gewann mit je acht Toren und Assists gleich mal die Skorerwertung des Turniers.

Groteske Formen

Dass Sidney Crosby in Prag mit dabei ist, hat das Leben des kanadischen Medienchefs J. J. Hebert schlagartig um ein Vielfaches komplizierter und stressiger gemacht. Seine Hauptaufgabe ist es, den Superstar der Delegation so gut wie möglich durch den medialen Wirbelsturm zu begleiten. Alle wollen sie etwas haben von «Sid the kid». «Ich habe mehr zu tun, aber das ist okay. Es gehört zu meinem Job, die Sportart zu promoten. Sidney weiss, wie das Geschäft funktioniert. Er macht das mit, seit der 14 Jahre alt ist», sagt Hebert.

Der Rummel nimmt teilsweise groteske Formen an. Oder wie es Kanadas Verteidiger Brent Burns ausdrückt: «Für uns ist es ein Augenöffner, wenn man sieht, was er alles machen muss. Man sieht nur schon daran, wie er mit dem Rummel umgeht, wie speziell er als Spieler und Mensch ist. Jeden Tag muss er mit den Medien, mit den Leuten, mit dem Druck klarkommen. Das ist eine Gong-Show.»

Bewundernswerte Art und Weise

Die restlichen Spieler der Kanadier nehmen den Wirbel mit einer Mischung aus Gelassenheit, Bewunderung und Erleichterung zur Kenntnis. Tyler Seguin, der während des Lock-out für den EHC Biel Tore am Laufmeter erzielte, ist bei den Dallas Stars selber ein Star. Er sagt: «Sid nimmt das Scheinwerferlicht weg von uns. Er kann damit sehr gut umgehen und für die restlichen Spieler ist das sehr erholsam. Viele von uns wissen selber, was das bedeutet. Er ist der beste Spieler der Welt, da gehört dieser Trubel dazu. Er muss viele Erwartungen erfüllen und macht das auf bewundernswerte Art und Weise.»

Es spricht für sich, wie sehr alle Beteiligten von der Professionalität Crosbys schwärmen. Er gilt als Saubermann, als Vorzeigeprofi, aber auch als Mann ohne Ecken, Kanten und Charisma. Was in der Aussenwahrnehmung störend erscheint, macht ihn in seiner unmittelbaren Umgebung zum angenehmen Mitmenschen. «Ich kenne Sid als tollen Typ, mit dem man sehr gut zusammenarbeiten kann. Er ist ein hervorragender Botschafter für unser Team und das Eishockey», schwärmt J. J. Hebert, der Crosby bei der Wahrnehmung seiner medialen Pflichten mehr oder weniger freie Hand lässt.

«Ich versuche nur, ihn so gut wie möglich zu unterstützen. Oft ist er es, der sagt: ‹Es ist okay, ich mache das.› Es gibt sehr viele Interviewanfragen, die wir unmöglich alle erfüllen können. Wir versuchen aber, so viele Möglichkeiten zu bieten, dass möglichst viele Journalisten die Chance haben, mit ihm zu sprechen.» Schon heute Abend geht das grosse Theater nach dem Spiel gegen die Schweiz unerbittlich weiter.