Drei Niederlagen (gegen Kanada, Deutschland B und die Slowakei), null Punkte und letzter Platz beim Deutschland Cup. Wenn ein Klubteam dreimal hintereinander so verliert wie die Schweiz hier in Augsburg, dann wird die Trainerfrage gestellt.

Die Trainerfrage müsste inzwischen dringend auch bei der Nationalmannschaft gestellt werden. Nationaltrainer Patrick Fischer hat acht der letzten zehn Spiele verloren – das hat es seit 1997 nie mehr gegeben.

Als noch der Sport das Primat über das Geld hatte

Ist Patrick Fischer also noch der richtige Mann? Nein. Er ist es nicht mehr. Aber die Trainerfrage wird gar nicht gestellt. Wegen eines verhängnisvollen Systemfehlers. In einer grossen Hockeynation steht für den Verband die Nationalmannschaft in Zentrum aller Aktivitäten. Weil die Nationalmannschaft nach wie vor die Qualitäten einer Hockeykultur repräsentiert. Grosse, fähige Nationaltrainer, unterstützt von einem kompetenten Sportdirektor, erkennen diese Qualitäten und entwickeln sie laufend weiter.

Fischer verliert mit der Schweiz am Deutschland-Cup alle Spiele.

Fischer verliert mit der Schweiz am Deutschland-Cup alle Spiele.

Sie stehen auf der Höhe der Zeit, sie sind vertraut mit den neusten internationalen Entwicklungen und sorgen dafür, dass diese Trends ins nationale Hockey einfliessen. Die Nationalmannschaft ist der sportliche Leuchtturm, an dem sich die Klubteams orientieren können. So hat Ralph Krueger, unterstützt von Sportdirektor Peter Zahner (heute Manager der ZSC Lions), die Schweiz zwischen 1997 und 2010 an die Weltspitze zurückgeführt. So ist Nationaltrainer Sean Simpson mit Sportdirektor Ueli Schwarz die silberne Krönung gelungen. In diesen Jahren sind die entscheidenden Impulse für die Entwicklung unseres Hockeys vom Verband ausgegangen. Es war die Zeit, als beim Verband der Sport das Primat über das Geld hatte.

Geldbeschaffer und sportliche Karrieristen 

Inzwischen mahnt der Verband an eine kommerziell höchst erfolgreiche Eishockey-Geldbeschaffungs-Firma, die ihre Forschungsabteilung vernachlässigt. Seit dem silbernen WM-Ruhm sind fast alle Positionen neu besetzt worden. Die erfahrenen Männer des Sportes sind durch smarte Geldbeschaffer und sportliche Karrieristen ohne Erfolgsausweis ersetzt worden. Hybris hat unsere Verbandsgeneräle nach dem silbernen WM-Ruhm
erfasst. Als Hybris bezeichnen wir eine ausgeprägte Form des Hochmutes, verbunden mit einem Realitätsverlust und der Überschätzung der eigenen Fähigkeiten.

Diese Hybris hat dazu geführt, dass wir heute im Hockey einen Sonderweg gehen, der in die Irre, ins Abseits führen wird. Die Nationalmannschaft ist nicht mehr die Krönung unserer sportlichen Hockeyschöpfung. Sie ist heute da, um Karriere zu machen, Raëto Raffainer eine Karriere zu ermöglichen und um die Karriere von Nationaltrainer Patrick Fischer zu retten. Verbandsdirektor Florian Kohler und sein völlig überforderter Sportchef Raëto Raffainer beschäftigen sich nicht mit der Frage, wie die Nationalmannschaft weiterentwickelt werden kann, um 2018 olympischen Ruhm zu ernten. Sondern mit der Frage, welche Massnahmen notwendig sind, um Patrick Fischer bis 2018 im Amt zu halten und den Schaden auf und neben dem Eis zu begrenzen.

Auch Rivale Deutschland konnte die Schweiz besiegen.

Auch Rivale Deutschland konnte die Schweiz besiegen.

Diese Nationaltrainer-Stützungsmassnahmen haben mit der Verpflichtung Tommy Albelins als Assistent von Patrick Fischer einen vorläufigen Höhepunkt gefunden. Der Schwede ist allein durch seine Historie (über 1000 NHL-Spiele, zwei Stanley Cups) mehrere Nummern grösser als sein Chef. Es ist wie in der Geschichte über die neuen Kleider des Kaisers. Spätestens wenn Tommy Albelin in der Kabine und an der Bande steht, wissen die Spieler, dass Kaiser Patrick Fischer ja ohne Kleider dasteht.

Versehentlich die Wahrheit gesagt

Bei diesem Deutschland Cup hat sich nun schon beim ersten gemeinsamen Einsatz gezeigt, dass Patrick Fischer und Tommy Albelin nicht die gleiche Hockeysprache sprechen. Der Chef fabuliert von aggressivem, riskantem offensiven Spiel, vom Jagen der Scheibe und davon, dass man trotz «katastrophaler Resultate» wieder einen Schritt weiter sei. Der Assistent von Scheibenkontrolle, der Rückkehr zur defensiven Basis, dem Vereinfachen des Spiels, dem Verhindern von Toren und der Notwendigkeit, schlechte Gewohnheiten loszuwerden und wieder siegen zu lernen.

Er sagte versehentlich die Wahrheit. Weil er mit der «Propaganda- und Schönreden-Politik» des Verbandes noch nicht vertraut ist und nicht weiss, dass es sich nicht gehört, so zu reden. Tommy Albelin hat fast sein ganzes Hockeyleben bei den New Jersey Devils, der konservativsten und defensivsten Hockeyorganisation der Welt verbracht. Patrick Fischer ist geprägt von Luganos lateinischer Hockey- und Ausredenkultur unter Palmen.

Das Duo Fischer/Albelin ist ein sportlicher Turmbau zu Babel

Auf dem Reissbrett mag eine Zusammenarbeit zwischen zwei Trainern mit einer völlig gegensätzlichen Hockeyphilosophie ein faszinierendes Experiment sein. In Wirklichkeit ist es ein sportlicher Turmbau zu Babel. Hoch hinaus wollen alle, aber sie verstehen einander nicht und der Bau muss eingestellt werden.

Wir haben eine grossartige Hockeykultur und eine der besten Ligen der Welt. Die Ausrede, unsere Nationalmannschaft könne nicht besser sein als die Liga, ist verführerisch und imageschädigend. Wir haben nach wie vor die Spieler, die, wenn der Puck unseren Weg geht, bis in den WM-Final kommen können. Aber wir haben nicht mehr die Trainer, die
ihnen den Weg dorthin weisen können. Wir brauchen wieder Nationaltrainer,
die unserem Hockey würdig sind.