Eishockey
Janick Schwendener: «Ich habe meine eigene Regel im Palmarès»

Nach einer sportlichen Irrfahrt durch die Schweiz hat Janick Schwendener in Bern eine neue Bleibe gefunden. Der Wandergoalie der letzten Saison ist beim SC Bern sesshaft geworden und hegt grosse Ambitionen auf die Nummer 1 im Tor der Mutzen.

Marco Frei, Bern
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Janick Schwendener posiert für einmal auf der Tribüne der Post-Finance-Arena und nicht vor seinem Arbeitsplatz auf dem Eis.

Janick Schwendener posiert für einmal auf der Tribüne der Post-Finance-Arena und nicht vor seinem Arbeitsplatz auf dem Eis.

Marco Frei

«Bei anderen steht im Palmarès, dass sie Meistertitel haben. Ich habe meine eigene Regel». Janick Schwendener lacht laut über die Tatsache, dass der Schweizer Eishockeyverband (SIHF) auf seine vielen Transfers während der letzten Saison reagiert und diese mit einem neuen Reglement beschränkt hat. Für Schwendener macht diese Änderung durchaus Sinn. Dennoch ist er glücklich darüber, dass er während der letzten Meisterschaft bei vier verschiedenen Vereinen Spielpraxis sammeln konnte.

Und das kam so: Zu Beginn der Saison 2014/15 stand Schwendener beim HC Davos unter Vertrag, kam hinter der klaren Nummer 1 Leonardo Genoni aber selten zum Einsatz. Durch verletzungsbedingte Ausfälle anderer Goalies begann dann die Odyssee des 23-Jährigen, die ihn von Thurgau über Genf nach Kloten führte.

Mit Genf erlebte Schwendener am Spengler-Cup in Davos «eine der coolsten Wochen in meinem Leben». Die Emotionen nach dem Turniersieg mit Servette und die vielen positiven Reaktionen waren überwältigend. Für den 23-jährigen kam der Gedanke, dass er wie ein Gebrauchsgegenstand weitergereicht wurde, keine Sekunde lang auf. «Es war ein Riesenerlebnis. In so kurzer Zeit so grosse Erfahrung zu sammeln, ist normalerweise fast nicht möglich», hält er fest.

Nächste Haltestelle: Hauptstadt

Doch jetzt soll das «Wanderleben» ein Ende haben. Schwendener unterschrieb einen Vertrag beim SC Bern, wo Marco Bührer seit vielen Jahren Stammtorhüter und die unangefochtene Nummer 1 ist. Da kommen Parallelen zum HC Davos und zu Leonardo Genoni auf. Wieso also dieser Wechsel? Wieso sieht der 23-Jährige eine grössere Chance in Bern, die Nummer 1 zu verdrängen, als in Davos? Für Schwendener liegt die Lösung auf der Hand. Leonardo Genoni ist 28 Jahre alt, hat also, wenn alles gut läuft, noch eine lange Eishockeykarriere vor sich.

Die Schwendener-Regel: Ein Transfer pro Spieler und Saison

Damit es in der National League in Zukunft nicht mehr vorkommt, dass ein Spieler während einer Saison bei mehreren Vereinen spielt, hat die SIHF eine neue Transferregelung beschlossen: «Jeder Spieler kann ab der Saison 2015/16 neben dem Lösen einer B-Lizenz/Saison maximal einmal in der laufenden Saison zu einem anderen Klub der NLA oder NLB transferiert werden. Diese Regel kann nicht umgangen werden, indem der Spieler zu einem Klub der Regio League oder zu einem Klub ins Ausland und anschliessend wieder zu einem Klub der National League transferiert wird.»

Bührer hingegen hat bereits stolze 35 Jahre auf dem Buckel, womit man im Eishockey schon kurz vor der Pension steht. Schwendener betont allerdings, dass er nicht mit dem Gedanken nach Bern gewechselt ist, dass Bührer Ende Saison aufhört, «dafür ist er noch viel zu agil und topfit». Dennoch erhofft der Klosterser sich, durch Top-Leistungen einen Eindruck bei Bern zu hinterlassen, der in Zukunft dazu führen kann, die neue Nummer 1 des SCB zu werden.

Die Nummer 1 in Bern zu werden, ist indes kein leichtes Unterfangen, wenn man bedenkt, dass die Mutzen seit 1986 auf die Dienste von zwei (!) Torhütern vertrauten, die auch jeweils das erste Saisonspiel absolvierten. Zum einen der legendäre Renato Tosio, zum anderen Marco Bührer. In diesem Jahr war es also erstmals seit fast 30 Jahren wieder der Fall, dass die Berner mit dem nominellen Ersatztorhüter, Janick Schwendener, in die Saison starteten.

Für den 23-Jährigen ist dies aber nicht auf seine persönlichen Leistungen zurückzuführen, sondern mehr darauf, dass Bührer aufgrund diverser Verletzungen Trainingsrückstand zu beklagen hatte. Ein wenig geehrt ist er dennoch, so in die Geschichtsbücher einzugehen.

Auswechslung ganz gelassen akzeptiert

Im Zähringer Derby vom vergangenen Samstag zwischen Fribourg und dem SC Bern läuft die 28. Minute. Killian Mottet erwischt den Berner Torhüter Janick Schwendener in der nahen Ecke zum 3:1, was gleichzeitig auch die letzte Aktion des 23-Jährigen in diesem Spiel ist. SCB-Headcoach Guy Boucher ersetzt Schwendener durch Bührer. Für Schwendener kein Grund zur Sorge. Zu dankbar ist er dafür, mit dem SC Bern einen Klub gefunden zu haben, bei dem er regelmässig zum Einsatz kommt.

Zu den Abwehrquoten, die bei Schwendener und Bührer aktuell unter 90 Prozent liegen, findet der Bündner deutliche Worte: «Alles, was unter 90 Prozent liegt, ist ganz einfach schlecht. Das reicht nicht auf diesem Niveau.» So gesehen ist also der Saisonstart der Berner Goalies alles andere als optimal. «Aber wenn dieser perfekt wäre, gäbe es ja nichts mehr zu verbessern», sagt Schwendener mit einem Augenzwinkern.

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