Eishockey NLA
In jeder Beziehung besser: gleich drei Berner Teams in der oberen Tabellenhälfte

Drei Berner Teams in der oberen Tabellenhälfte der höchsten Schweizer Eishockey-Liga werden in den nächsten Jahren die Regel und nicht eine Ausnahme sein.

Klaus Zaugg
Merken
Drucken
Teilen
Drei Berner Teams in der oberen Tabellenhälfte: daran wird man sich in Zukunft gewöhnen müssen.

Drei Berner Teams in der oberen Tabellenhälfte: daran wird man sich in Zukunft gewöhnen müssen.

KEYSTONE/MARCEL BIERI

Biel Leader vor dem SC Bern (2. Rang) und Langnau (3. Rang; punktgleich mit dem ZSC und Zug). Die Berner sind zurück. Was Zeitgenossen als Kuriosum, gar als Sensation erscheinen mag, ist nichts anderes als eine Rückkehr zu den Ursprüngen, zu den geordneten Verhältnissen unseres Hockeys.

Eine «Berner Meisterschaft» hatten wir vor 40 Jahren nämlich schon einmal. Viermal hintereinander haben die Berner in einer NLA mit bloss acht Teams die ersten drei Plätze der Meisterschaft belegt:

1975/76: 1. Langnau, 2. Biel, 3. SCB

1976/77: 1. SCB, 2. Langnau, 3. Biel

1977/78: 1. Biel, 2. Langnau, 3. SCB

1978/79: 1. SCB, 2. Biel, 3. Langnau

Amerikanisierung des Hockeys

Das waren die Zeiten, als die Klubs mit Budgets von etwas mehr als einer Million fuhrwerkten. Mit der «Amerikanisierung» des Hockeys mit der Einführung der Playoffs (1985/86), Milliardären als Mäzene und Budgets bis zu 10 Millionen versank Berns Hockey in eine jahrzehntelange Depression.

In den 1990er-Jahren tauchte Langnau gar bis in die 1. Liga, Biel stieg in die NLB ab, der SCB erholte sich zwar von einer Relegation in die NLB und wurde wieder Meister (1989, 1991, 1992, 1997). Aber um ein Haar wäre der SCB der Pleite verfallen. Er musste 1998 mit einer Nachlassstundung gerettet werden.

Die Rückkehr aller drei Berner in die nationale Elite haben vier Faktoren ermöglicht.

Die Erneuerung der Infrastruktur

In Biel ist ein neues Stadion entstanden, in Bern und in Langnau sind die Arenen umfassend saniert und modernisiert worden. So ist es möglich, die Zuschauer zu «bewirtschaften» und notwendige Einnahmen zu erzielen. Langnau, Bern und Biel kommen ohne Milliardäre als Mäzen aus.

Lokale Vernetzung

Mehrere Klubs aus einem Kanton hat es auch andernorts gegeben: Chur, Arosa und Davos zur gleichen Zeit in der NLA (1984/85) oder die Playoff-Finals Lugano gegen Ambri (1999) und ZSC Lions gegen Kloten (2014). Dem kurzen Wahn folgte eine lange Reue, weil das wirtschaftliche Fundament in einem zu kleinen Markt fehlte.

Im Kanton Bern ist die Basis hingegen breit genug. Die drei Klubs konkurrenzieren sich wirtschaftlich nicht. Sie sind in eigenständigen Wirtschaftsräumen verankert: der SCB in der Stadt Bern und im Mittelland, Langnau im Emmental, Oberaargau und Entlebuch, Biel im Seeland.

Gutes Management

In Bern, Biel und Langnau haben kluge, schlaue Manager und politisch gut vernetzte Präsidenten viel besser gearbeitet als die Konkurrenz, die Erneuerung der Stadien ermöglicht und die wirtschaftliche Basis gelegt.

Die breite Basis

Der Kanton Bern ist in den drei höchsten Ligen mit den meisten Klubs (7) vertreten: mit Biel, dem SCB und Langnau in der National League, mit Langenthal in der Swiss League und mit Huttwil, Wiki und Thun in der MySports League. Zürich bringt es «nur» auf sechs Teams: die ZSC Lions in der NLA, Kloten, die GCK Lions und Winterthur in der Swiss League sowie Bülach und Dübendorf in der MySports League.

Die Regel, keine Ausnahme

Eine Dominanz der Berner wie in den 1970er-Jahren ist zwar nicht mehr möglich. Aber die wirtschaftliche und politische Vernetzung der drei Berner Hockeyfirmen in ihren Regionen ist so gut, dass eine Depression verbunden mit Abstiegen und «Fast-Pleiten» wie in den 1980er- und 1990er-Jahren ausgeschlossen werden kann.

Drei Teams aus dem Bernbiet in der oberen Tabellenhälfte und Berner Derbys als Spitzenkämpfe werden in den nächsten zehn Jahren die Regel und nicht eine Ausnahme sein. Ein Playoff-Final zwischen zwei Berner Teams darf bis 2025 erwartet werden.