EHC Olten
In guten wie in schlechten Zeiten: Oltens Urgestein Martin Wüthrich

Martin Wüthrich spielt seit 13 Jahren für den EHC Olten und hat fast alles erlebt – ausser einen Meistertitel mit seiner Herzensmannschaft

Fabian Soland
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«Wir wissen, was unsere Mannschaft kann, und auf dem bauen wir auf»: Martin Wüthrich.

«Wir wissen, was unsere Mannschaft kann, und auf dem bauen wir auf»: Martin Wüthrich.

Hansruedi Aeschbacher

Die schönste Zeit des Jahres. Für manche sind dies die närrischen Tage, für andere die Eishockey-Playoffs. Viele bringen gar beides unter einen Hut. Martin Wüthrich nicht. Er hat keine Zeit für die Fasnacht: «Manchmal gehe ich ins Zelt, aber ich bin kein Fasnächtler. Dafür fehlt mir tatsächlich die Zeit.» Keine Zeit. Es ist dies sinnbildlich für ein Leben als NLB-Eishockeyspieler. Für ein Leben zwischen Profi und Amateur. Für ein Leben wo man nie genau weiss, wie es in diesem schnelllebigen Business weitergeht.

Eine Kleinholz-Legende

Der 33-jährige Stürmer steht aktuell in seiner 13. Saison für den EHC Olten. Es waren 13 bewegende Jahre. Vom Beinahe-Konkurs in den frühen 2000er-Jahren über die Abstiegs-Playouts im Jahr 2005 bis hin zum Qualisieg 2014 und der zweimaligen Playoff-Finalqualifikation. In guten wie in schlechten Zeiten. Was sich zwei Ehepartner versprechen und sie stärker machen soll, gilt auch fürs Eishockey. «Ich habe eine sehr starke Bindung zu diesem Club, weshalb ich mit vollem Herzen beim EHCO dabei bin», so Wüthrich.

Das nehmen auch die Fans wahr. «Disu», wie er von den EHCO-Anhängern liebevoll genannt wird, hat nie die meisten Tore erzielt, nie die kernigsten Checks ausgeteilt und nie für Raufereien auf dem Eis gesorgt. Trotzdem mögen ihn die Fans. Er ist eine Kleinholz-Legende. Eine Identifikationsfigur. Einer von ihnen. «Disu» weiss dies zu schätzen: «Es ist schön für mich, wenn das so wahrgenommen wird.»

Dass es überhaupt so weit kam, ist aber mehr dem Zufall zu verdanken. Als junger Spieler absolvierte er seine Lehre bei der Garage Marti in Niedergösgen. Sein Chef ermöglichte ihm, Spitzensport und Arbeit unter einen Hut zu bringen. «Mir war damals sehr wichtig, dass ich neben dem Eishockey ein zweites Standbein aufbauen konnte», so Wüthrich. Ein Wechsel kam für ihn deshalb nicht in Frage, denn dies hätte auch bedeutet, dass er seinen Job geografisch bedingt hätte aufgeben müssen. So blieb er trotz finanziellen und sportlichen Problemen den Dreitannenstädtern treu – bis heute.

«Es wird ein Leben nach dem Eishockey geben»

Seit drei Jahren ist Wüthrich jetzt trotzdem Vollprofi. Wegen einer Weiterbildung auf beruflicher Basis hatte er zu wenig Zeit für seinen Job: «Eishockey, Weiterbildung und Job wäre dann einfach zu viel gewesen. Und die Weiterbildung wollte ich unbedingt machen – auch, weil es ein Leben nach dem Eishockey geben wird.» Doch der Traum, die Karriere so lange wie möglich fortzusetzen, überwiegt.

Deshalb liegt der Fokus momentan voll und ganz auf den kommenden Playoffs. Die Erwartungshaltung ist enorm. Das weiss auch Wüthrich. In seiner Zeit beim EHC Olten ist der Druck auf die Mannschaft stetig gestiegen. «Gegenüber früher ist es jetzt sicher schwieriger. Damals war man einfach froh, wenn man nicht abgestiegen ist», meint Wüthrich, «doch wir wissen, was unsere Mannschaft kann, und auf dem bauen wir auf.»

NLB-Titel letztes Puzzle-Teil

Was das Oltner Urgestein damit meint, ist klar, denn in seiner Karriere fehlt dieses eine, sein letztes Puzzlestück noch: der NLB-Titel. Und damit steht er nicht alleine. Spieler wie Cyril Aeschlimann, Diego Schwarzenbach, Remo Meister oder Remo Hirt bekleiden eine ähnliche Rolle wie Wüthrich. In guten wie in schlechten Zeiten blieben sie dem EHC Olten treu. «Für einen Verein ist es schon wichtig, dass man langjährige Leute dabei hat, die gerade auch die Geschichte des Vereins selber miterlebt haben. Durch das kann man der Mannschaft in gewissen Situationen sicher auch weiterhelfen.»

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