Die Luganesi reagierten damit auf den sich abzeichnenden Abgang von Philippe Furrer, der wenig später einen Kontrakt bei Fribourg-Gottéron unterschrieb. Das Transfer-Domino war bereits im Herbst in vollem Gange. Und es wird vermutlich noch, bevor am Christbaum die Kerzen angezündet werden, schon fast wieder zum Stillstand gekommen sein.

Kurz vor Weihnachten dürften sämtliche Schweizer Spieler der mittleren bis gehobenen Hubraumklasse, deren Verträge am Ende der aktuellen Saison ausgelaufen wären, ihre berufliche Zukunft bereits geregelt haben.

Unterhaltend, aber unglaubwürdig

In der öffentlichen Wahrnehmung ist dieses Transfergebaren eine Unsitte. Besonders hübsch lässt sich das am aktuellen Transferdrama rund um Klotens Captain Denis Hollenstein festmachen. Die Fans seines jetzigen Klubs wittern Verrat.

Und die Anhänger seines neuen Arbeitgebers, der mit allergrösster Wahrscheinlichkeit ZSC Lions heissen wird, debattieren, ob man die Integrationsfigur des Erzrivalen nun Willkommen heissen soll oder nicht. Der Unterhaltungsfaktor mag hoch sein. Der Glaubwürdigkeit des Produkts National League sind solche Personaldiskussionen zur Unzeit aber abträglich.

In der Schweizer Eishockey-Szene selbst gehen die Meinungen diesbezüglich weit auseinander. Klar ist: eine Alternative zum aktuellen courant normal gibt es kaum. Ein Stichtag, wie er etwa in der NHL gang und gäbe ist – dort dürfen erst ab dem 1. Juli vertragslose Spieler bei einem neuen Klub unterschreiben –, ist hierzulande kaum durchsetzbar.

«Man kann den ganzen Prozess nicht kontrollieren»

Peter Zahner, CEO der ZSC Lions und profunder Kenner der Szene, winkt ab und sagt: «Mal abgesehen von allen arbeitsrechtlichen Hindernissen, steht ein Problem über allen: Man kann den ganzen Prozess nicht kontrollieren.»

Was es in so einem Fall bräuchte, wäre, analog zur freiwilligen Ausländerbeschränkung, ein Gentlemen-Agreement. «Aber ich bezweifle, dass sich in dieser Beziehung alle Klubvertreter wie Gentlemen verhalten würden», vermutet Zahner, dass man trotz eines Verbots und Androhung von hohen Bussen Mittel und Wege finden würde, heimlich mit einem Spieler vorher zu verhandeln.

ZSC-Präsident Peter Zahner.

ZSC-Präsident Peter Zahner.

Apropos Verhandlungen: SC-Bern-Sportchef Alex Chatelain hatte in den vergangenen Wochen auch alle Hände voll zu tun und musste einerseits mit ansehen, wie mit Simon Bodenmann und Luca Hischier zwei seiner aktuellen Spieler Angebote bei der Konkurrenz unterschrieben, andererseits verpflichtete er mit Klotens Daniele Grassi selber einen Akteur im Hinblick auf die kommende Saison.

Chatelain, selber langjähriger NLA-Spieler, schaut dem Treiben mit gemischten Gefühlen zu. Er sagt: «Ich muss mit der Situation leben, aber sie ist nicht ideal.» Auch er würde einen Stichtag analog zur NHL bevorzugen, ist aber Realist genug, dass es punkto Umsetzung zu viele Fragezeichen gibt. «Wer kann mir garantieren, dass die Konkurrenz mit einem meiner Wunschspieler nicht schon vorher Kontakt aufnimmt?»

Weiter sieht der Berner Sportchef – abgesehen von den arbeitsrechtlichen Fallstricken – grundsätzlich ein Mentalitätsproblem: «Es liegt in der Natur der Schweizer, dass wir unsere Zukunft so früh wie möglich abgesichert haben wollen.» Gerade für Spieler mit Familien sei es schwierig, wenn man erst im Mai wisse, wo man in der kommenden Saison spielen wird. «Man muss innert dreier Monate eine neue Wohnung suchen, die Kinder müssen kurzfristig die Schule wechseln und so weiter.»

Alex Chatelain, Sportchef des SC Bern.

Alex Chatelain, Sportchef des SC Bern.

Ein entschiedener Gegner des NHL Modells ist Spieleragent Georges Müller, der mit Simon Bodenmann, Robin Grossmann und Samuel Walser bereits drei seiner Klienten «versorgt» hat und in der Causa Hollenstein die Fäden zieht.

Er führt nicht nur arbeitsrechtliche Bedenken ins Feld, sondern ist sogar davon überzeugt, dass das aktuelle Modell zwar «nicht optimal» sei, aber für die Spieler und die Klubs letztlich die beste Lösung darstelle. «Wenn sich die Spieler ständig Gedanken über ihre Zukunft machen müssen, wirkt sich das sicher nicht positiv auf ihre Leistungen aus», unterstreicht Müller und fügt als Beispiel gleich Bodenmann sowie Walser an: «Beide spielen seit ihrer Unterschrift wie befreit auf. Sowieso kenne ich keinen Spieler, der nicht gewinnen will.»

Überraschend kommt da das Votum von Robin Grossmann daher: Der Aargauer, der ab kommender Saison in Diensten des HC Lausanne stehen wird, stellt fest, dass das alljährliche Transfertheater zur Unzeit «viel Unruhe in die Mannschaft bringt. Auch für den Spieler selber ist es nicht einfach, weil man abgelenkt wird.» Aber auch er sieht keine valable Alternative zum aktuellen Modus vivendi: «Man muss das Spiel mitmachen.»