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«Ich bin ich ein Welscher, der arbeiten kann»

Gaëtan Haas ist der überragende Schweizer Spieler der laufenden Saison. Captain und Leitwolf Martin Plüss ist beim SC Bern schon vergessen.

Klaus Zaugg
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Gaëtan Haas ist der überragende Schweizer Spieler der laufenden Saison.

Gaëtan Haas ist der überragende Schweizer Spieler der laufenden Saison.

Keystone

Eine Episode mag zeigen, wie wichtig Gaëtan Haas beim SCB schon lange vor seiner Ankunft war. Im letzten Herbst, als er noch für Biel stürmte, kam das Gerücht auf, er habe beim HCD unterschrieben und werde nicht nach Bern wechseln. SCB-Trainer Kari Jalonen erkundigte sich, ob das wahr sei und ermahnte seinen Sportchef Alex Chatelain, den Transfer ja nicht zu verpassen.

Haas zügelte bekanntlich nicht nach Davos hinauf. Er wohnt nach wie vor in Biel und stürmt jetzt für den SC Bern – und ist bereits ein Leitwolf. Kein anderer Schweizer Stürmer dominiert das Spiel auf seine Art.

Charismatischste Schweizer Spieler der ersten Runde

Er ist der charismatischste Schweizer Spieler der ersten Runden. Ja, er hat in seinem Spiel sogar etwas von Nico Hischier. Beim Spitzenkampf in Zug war Haas der alles überragende Spieler (2 Tor/1 Assist). Inzwischen ist er bereits SCB-Topskorer und ligaweit der punktbeste Schweizer.

Spieler kommen und gehen, die Klubs bleiben. Letzte Saison beschäftigte das Werweissen um Captain Martin Plüss SCB-Sportchef Chatelain monatelang. Bleibt er oder bleibt er nicht? Plüss galt als unersetzlich. Und das Murren war gross, als es Chatelain nicht gelang, den Vertrag mit dem Leitwolf zu verlängern. Und nun zeigt sich: Es war klug, den Kontrakt nicht zu verlängern. Gaëtan Haas ist bereits besser als Martin Plüss.

Eine gute Mischung

Der SCB ist so gut besetzt, dass Plüss gar damit hätte rechnen müssen, zwischendurch auf die Tribüne verbannt zu werden. Was ein Spieler mit seinen Verdiensten nun wahrlich nicht verdient hätte. Er befindet sich übrigens im Vor-Ruhestand und hat sich weder dazu entschlossen, seine Karriere zu beenden, noch eine der zahlreichen Offerten (u.a. aus Langnau und Kloten) anzunehmen.

Gaëtan Haas setzt in Bern die lange Tradition der welschen Spieler fort. Gil Montandon prägte zwischen 1990 und 2000 in der gleichen Position eine ganze Ära. Und wie Gil Montandon widerlegt Haas alle Klischees über welsche Spieler. Aber so war er nicht immer. Als Junior gilt er als trainingsfaules Talent. Welsch eben.

«Es genügt es nicht mehr, einfach Talent zu haben»

«Entscheidend war meine zweite Saison bei den Profis in Biel. Ich spielte sehr schlecht und merkte: Hey, auf diesem Level genügt es nicht mehr, einfach Talent zu haben. Nun musst du auch neben dem Eis Gas geben. Heute bin ich ein Welscher, der arbeiten kann wie ein Deutschschweizer.»

Seine Entwicklung zeigt sich auch daran, dass er inzwischen fast akzentfrei Deutsch spricht. Er wolle aber nichts gegen die welsche Mentalität gesagt haben. «Es gibt natürlich auch viel Positives an der welschen Mentalität, wie es auch Negatives an jener der Deutschschweizer gibt. Ich habe mittlerweile eine gute Mischung.»

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