Playoff-Final
Hockey-Experte Zeiter sieht SCB knapp im Vorteil

Michel Zeiter glaubt an den Meistertitel der Berner – weil Fribourg-Gottéron die Erfahrung fehlt. Den «Mutzen» empfiehlt er allerdings ein Umdenken für die Finalserie gegen die starken Freiburger.

Marcel Kuchta
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Michel Zeiter (Archiv)

Michel Zeiter (Archiv)

Keystone

Heute Abend (20.15 Uhr/live SRF2) geht der heisse Tanz um den Meistertitel los. Die Affiche ist vielversprechend. Das «Zähringer Derby» zwischen dem HC Fribourg-Gottéron und dem SC Bern garantiert die ganze Bandbreite der Emotionen.

Michel «Susi» Zeiter

Michel Zeiter (38) gehörte während Jahren nicht nur wegen seiner weissen Schlittschuhe zu den schillerndsten und prägendsten Figuren des Schweizer Eishockeys. Der gebürtige Wiler (SG) absolvierte für die ZSC
Lions, die SCL Tigers und die Kloten Flyers 838 NLA-Spiele (199 Tore, 282 Assists). Mit den ZSC Lions wurde in den Jahren 2000 und 2001 zweimal Schweizer Meister. Für die Schweizer Nationalmannschaft bestritt der Mann, der von seinen Teamkollegen auch liebevoll «Susi» genannt wurde, 123 Länderspiele und nahm an sechs Weltmeisterschaften teil. Mit dem EHC Visp, wo er seine letzten beiden Saisons als Spieler bestritt, gewann er 2011 den B-Titel. In Visp ist er nun seit zwei Jahren Headcoach. Seit Kurzem tritt Michel Zeiter im «Teleclub» als Experte auf. Für die «Nordwestschweiz» wird er die Finalserie mit regelmässigen Kolumnen begleiten. (ku)

Das Duell der «Ländler» aus Fribourg gegen den verhassten Rivalen, die «Städter» aus Bern, sorgte in der Vergangenheit immer wieder für Schlagzeilen - leider auch im negativen Bereich. Die Fanlager der beiden Mannschaften schürten ihren gegenseitigen Hass derart stark, dass der Freiburger Statthalter vor nicht allzu langer Zeit laut darüber nachdachte, die Derbys in der Saanestadt per Dekret verbieten zu lassen. Immerhin zeigte der Weckruf seine Wirkung. Zuletzt blieb es im Umfeld der Begegnungen einigermassen ruhig - auch deshalb, weil die jeweiligen Vereinsbosse die Fans zur Vernunft aufriefen.

Trotzdem ist während dieser Finalserie eines garantiert: Die Stimmung in den Stadien wird grossartig und ohrenbetäubend sein - sowohl in der Freiburger BCF-Arena als auch in der Berner Postfinance-Arena.

Der Schlüssel zum Erfolg wird für beide Mannschaften sein, auf dieser Achterbahn der Emotionen die Ruhe zu bewahren. Die Berner gehen ausserdem mit einem prall gefüllten Rucksack voller Erfahrungen in die Finalserie. Für den «Nordwestschweiz»-Experten Michel Zeiter ein Vorteil für den SCB - im Gegensatz zu den in dieser Situation mehrheitlich «unbefleckten» Freiburgern: «Die meisten SCB-Spieler wissen, was es braucht, um Meister zu werden.»

Für den ehemaligen Meisterspieler der ZSC Lions (2000/2001) und aktuellen Trainer des B-Ligisten EHC Visp, hilft dem SCB auch die Tatsache, dass er sich in den laufenden Playoffs zweimal erst in Spiel 7 für die nächste Runde qualifiziert hat. «Ich habe das Gefühl, dass diese Mannschaft Meister wird. Von der Qualität des Kaders her müssten sich die Berner durchsetzen.»

Zeiter gibt allerdings auch zu bedenken, dass bei den «Mutzen» im Hinblick auf die Finalserie ein Umdenken stattfinden müsse. «Spielen sie so passiv weiter wie bisher, dann könnte es gegen diese starken Freiburger schwierig werden.» Er appelliert deshalb auch an SCB-Trainer Antti Törmänen, seinen Spielern mehr Freiraum zu geben: «Für meinen Geschmack lässt er etwas zu sehr auf Abwarten spielen. Punkto Attraktivität könnte man mit dieser Mannschaft mehr herausholen.»

Erfüllt sich der Traum des HC Fribourg-Gottéron, endlich den ersten Meistertitel zu erringen. Oder triumphiert schliesslich wieder der Krösus aus der Bundesstadt? In spätestens zwei Wochen steht fest, wer das bessere Ende für sich behalten wird.