Die Basis zum ersten Heimsieg in diesem Halbfinal legten die Lions im mit 11'200 Zuschauern erneut ausverkauften Hallenstadion im Startdrittel, das sie 2:0 gewannen. Zwar begannen sie nicht so furios wie in der ersten Partie vor heimischem Publikum in dieser Serie, als sie nach neun Minuten 2:0 führten, dafür agierten sie sehr abgeklärt. Den ersten Gegentreffer in der 12. Minute muss allerdings SCB-Keeper Leonardo Genoni auf seine Kappe nehmen. Ohnehin präsentiert sich dieser im Halbfinal alles andere als in Topform. Beispielsweise hatte er bei der 2:3-Heimniederlage im ersten Spiel das 2:3 verschuldet.

Im Gegensatz zu Genoni ist der zuvor in dieser Saison enttäuschende Herzog in den Playoffs richtiggehend aufgeblüht. Er hat nun bereits sechs Tore in der entscheidenden Meisterschaftsphase erzielt, das ist nur ein Treffer weniger als in der gesamten Qualifikation. Beim 2:0 nach genau 19 Minuten, dem zweiten Streich, war Herzog in Unterzahl erfolgreich. Es war bereits der vierte Shorthander der Lions in den laufenden Playoffs, der zweite gegen den SCB. In der Regular Season hatte der ZSC bloss einmal in Unterzahl getroffen. Das unterstreicht, dass die Stadtzürcher die Opferbereitschaft deutlich erhöht haben. Das 3:1 38 Sekunden vor der Schlusssirene schoss Herzog ins leere Gehäuse.

Grossen Anteil am 2:0 hatte Kevin Klein, der Herzog mit einem herrlichen Pass bediente. Der 33-jährige Verteidiger mit der Erfahrung von 700 NHL-Partien liess sich bereits seinen siebten Assist in den Playoffs gutschreiben - dazu kommt ein Tor. Dass Klein nach dieser Saison die Karriere beendet, ist für den ZSC ein grosser Verlust.

Den Bernern muss nicht nur die Niederlage zu denken geben, sondern auch die Art und Weise, blieb doch nach dem 0:2 eine Reaktion weitgehend aus. Die Lions kontrollierten die Partie lange Zeit ohne grössere Probleme. Erst in der Schlussphase - SCB-Trainer Kari Jalonen ersetzte Genoni bereits dreieinhalb Minuten vor dem Ende durch einen sechsten Feldspieler - wurde es heiss vor dem Tor der Stadtzürcher. Das 1:2 von Tristan Scherwey 53 Sekunden vor Schluss kam jedoch zu spät.

Insgesamt war die Intensität geringer und das Niveau tiefer als in den ersten drei Duellen dieser Serie, die allesamt mit einem Tor Unterschied geendet hatten. Nimmt man dieses Spiel zum Massstab, ist schwer vorstellbar, dass der angezählte SCB noch einmal zurückkommt. Doch hätte vor dreieinhalb Wochen auch niemand gedacht, dass der ZSC in den Playoffs dermassen gross aufspielt.

Das Telegramm

ZSC Lions - Bern 3:1 (2:0, 0:0, 1:1)

11'200 Zuschauer (ausverkauft). - SR Stricker/Urban, Borga/Kaderli. - Tore: 12. Herzog (Chris Baltisberger) 1:0. 20. (19:00) Herzog (Klein/Ausschluss Künzle!) 2:0. 60. (59:07) Scherwey (Untersander) 2:1 (ohne Goalie). 60. (59:22) Herzog 3:1 (ins leere Tor). - Strafen: 3mal 2 Minuten gegen die ZSC Lions, 2mal 2 Minuten gegen Bern. - PostFinance-Topskorer: Pettersson; Ebbett.

ZSC Lions: Flüeler; Klein, Phil Baltisberger; Berni, Marti; Sutter, Geering; Guerra, Seger; Chris Baltisberger, Schäppi, Herzog; Pettersson, Vey, Korpikoski; Wick, Suter, Kenins; Künzle, Prassl, Miranda.

Bern: Genoni; Untersander, Blum; Kamerzin, Noreau; Andersson, Krueger; Rüfenacht, Arcobello, Moser; Kämpf, Haas, Scherwey; Aaltonen, Ebbett, Bodenmann; Berger, Hischier, Randegger.

Bemerkungen: ZSC Lions ohne Blindenbacher, Nilsson, Sjögren (alle verletzt), Pelletier und Shore. Bern ohne Raymond, Pyörälä (überzählige Ausländer) und Gerber (verletzt). - Timeout Bern (56:29), danach bis 59:07 und von 59:21 bis 59:22 ohne Goalie.