Eishockey

HCD: Viele Verletzte sind der Preis des Erfolgs

HCD-Klubarzt Walter Kistler betreut den am Schultereckgelenk verletzten Schweden Dick Axelsson.

HCD-Klubarzt Walter Kistler betreut den am Schultereckgelenk verletzten Schweden Dick Axelsson.

Am Spengler-Cup muss Davos auf vier verletzte Schlüsselspieler verzichten. Gleichwohl und trotz Champions Hockey League will es der Schweizer Meister auch an seinem Heimturnier wissen.

Die Verletztenliste war beim HC Davos vor Weihnachten länger als jetzt, und der medizinische Rapport fällt ganz unterschiedlich aus. Dick Axelsson zog sich am 8. Dezember im erfolgreichen Champions-League-Viertelfinalrückspiel im schwedischen Skelleftea bei einem Zusammenprall einen Bänderriss im rechten Schultereckgelenk zu. Noah Schneeberger erlitt im selben Match einen Bruch in der rechten Hand. Markus Paulsson spielte seither wegen seines Rückens, der schon die ganze Saison zwickt, nicht mehr.

Drei Tage später fiel in Freiburg Dario Simion mit einem Innenbandriss im rechten Knie aus. Vor Weihnachten pausierte auch noch Gregory Sciaroni, weil ihm eine Gehirnerschütterung wieder Kopfschmerzen bereitete. Mit Jan Brejcak verpasste nach Axelsson und Paulsson ein dritter HCD-Ausländer die beiden letzten Meisterschaftsspiele wegen muskulärer Rückenprobleme. Und Dino Wieser hütete krank das Bett, statt wie gewohnt an der Bande zu fräsen.

Sciaroni, Brejack und Dino Wieser dürften heute Abend am Spengler-Cup ihr Comeback geben. So fehlen beim HCD «nur» noch vier Schlüsselspieler (plus fünf weitere, die zurzeit an der U20-WM in Finnland engagiert sind). Dennoch drängen sich wegen der vielen Verletzten Fragen auf. Klubarzt Walter Kistler ortet kein typisches HCD-Problem.

Alle kämpfen mit der Belastung

Die vielen Verletzten seien in fast allen NLA-Teams ein Problem, sagt er. Jeder einzelne Fall lasse sich erklären, auffallend sei jedoch die Häufigkeit der Ausfälle in allen Klubs. Einer der Hauptgründe sei die Entwicklung im Eishockey. «Die Spieler werden immer grösser, schwerer und muskulöser», stellt Kistler fest. «Dazu kommt, dass in der NLA vom ersten Meisterschaftstag an mit grosser Intensität und hohem Tempo gespielt wird. Prallen dann zwei Spieler zusammen, sind die Folgen oft gravierender als früher.»

Zusätzlich steigt das Verletzungsrisiko mit dem happigen Spielprogramm, das beim HCD grösser ist als bei allen anderen Schweizer Klubs. Seit dem 29. Juli absolvierten die Davoser nicht weniger als 48 Auftritte: fünf Testspiele, zehn Champions-League-Partien, eine Begegnung im Schweizer Cup sowie 32 Ernstkämpfe in der Meisterschaft. «Dieses Pensum geht an die Substanz. Insbesondere fehlt die wichtige Erholungszeit», bemerkt Kistler.

Fehlende Erholungszeit

Sie mache sich nicht nur in fehlender körperlicher Frische bemerkbar, sondern auch im mentalen Bereich. Deshalb steige die Gefahr, dass ein Spieler gegen Match-Ende nicht mehr mit der nötigen Konzentration in einen gegnerischen Check laufe, sagt der Davoser Teamarzt. Umso wichtiger ist eigentlich die Basis, die in der Sommervorbereitung geschaffen wird.

Aber auch diese fiel beim Bündner Traditionsklub relativ kurz aus: Weil er die letzte Saison erst am 11. April mit dem Gewinn des Schweizer-Meister-Titels abschloss, erfolgte der Auftakt ins Sommertraining erst Anfang Mai. «Mit den vielen Verletzten zahlen wir auch den Preis für den Erfolg», lautet Kistlers Fazit.

Champions Hockey League ist das Ziel

Mit Ausnahme des nationalen Cups, in dem die Bündner in der ersten Runde am Erstligisten Dübendorf in der Verlängerung mit 4:5 scheiterten (und darüber nicht unglücklich waren), sind sie in allen Wettbewerben noch vielversprechend und mit grossen Ambitionen dabei. Die Champions Hockey League ist das erklärte Ziel von HCD-Coach Arno Del Curto.

Und als Titelverteidiger will Davos auch in der Meisterschaft wieder ein ernsthaftes Wort mitreden. Wegen der grossen Gesamtbelastung für einmal am Spengler-Cup etwas weniger Gas zu geben, steht für Davos trotzdem nicht zur Diskussion. «Die Mannschaft und Trainer Arno Del Curto wollen gewinnen», verrät Kistler, die aktuelle Gefühlslage innerhalb des Teams.

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